Ladenburg

Ladenburg Tochter der jüdischen Zeitzeugin Lea Weems besucht Ausstellung / Noch bis Mittwoch geöffnet

Schau „Nachbarn 1938“ soll ins Holocaust-Museum in den USA

Archivartikel

Den Besuch des jüdischen Friedhofs verlegen Judy und Mark Mucasey lieber auf ein anderes Mal: Es ist schlichtweg zu heiß. Im Ladenburger Lobdengau-Museum ist die Lufttemperatur erträglicher. Hausherr Andreas Hensen reicht seinen Gästen ein Glas Wasser zur Erfrischung. Das Ehepaar aus dem texanischen Houston befindet sich auf einer Europareise. Die Mutter der Frau, Lea Weems, hatte als Kind in der Römerstadt gelebt. Eine ihrer Erinnerungen in einem Videointerview gibt der laufenden Sonderausstellung „Nachbarn 1938 – Wir waren alle Ladenburg“ den Titel.

„Als ich hörte, dass sie bald endet, haben wir diesen Besuch eingeplant“, sagt Judy Mucasey, die zuletzt vor vier Jahren mit ihrer gesamten Familie hier war. Diese Führung sei ein Muss. Denn ihre Tante Ruth Steinfeld, die noch lebende Schwester der vor elf Jahren verstorbenen Lea, äußere sich seit ihrem Eröffnungsbesuch im November so lobend über die Arbeit der beteiligten Studenten. Eine von ihnen, die Heidelberger Geschichtsstudentin Svenja Wieler, begrüßt auf Englisch die beiden besonderen Gäste. Seien sie doch direkte Nachfahren zweier Zeitzeuginnen, die hautnah miterlebt hatten, wie ab 1938 aus Nachbarn Feinde wurden, die 1940 auch noch die letzten 27 in der Stadt verbliebenen Mitbürger jüdischen Glaubens verschleppten. Sie starben größtenteils in Konzentrationslagern, während die beiden Krell-Schwestern gerettet wurden. Französische Bauern versteckten sie, bis die beiden zu ihrem Großvater in die USA ausreisen konnten.

Zentrales Element der Ausstellung ist ein Interview mit Judy Mucaseys Mutter Lea. In dem Video stellt sie beim Erinnern an die schrecklichen Geschehnisse immer noch ratlos fest: „Wir waren alle Ladenburger.“ Zitate, Fotos, Erinnerungen und Briefe auch der Familien Rosenfelder, Kapustin, Levy, Driels und Stanieski dokumentieren die schleichende Entwicklung bis zur Katastrophe.

Von Forscherarbeit beeindruckt

„Ich bin sehr beeindruckt von der Forschungsarbeit, die dahinter steckt“, sagt Judy Mucasey nach der Führung. Es gelinge den jungen Machern der Ausstellung ausgezeichnet, eine Beziehung zu den Familien zu schaffen und deren Geschichte prägnant darzustellen: „Dem Besucher wird eindrücklich klar, was die Betroffenen durchgemacht haben.“

Ehemann Mark meint: „Es zeigt, wie sich Nachbarn lange Zeit so ähnlich waren, bevor sie auseinander gerissen wurden.“ Der Titel der Ausstellung treffe unheimlich gut, wie sich Menschen, mit denen man Tür an Tür wohnte, plötzlich abgewendet hätten. Als großzügiger Spender hatte es der in Houston als Architekt tätige Mucasey bereits ermöglicht, das grundlegende Buch „Die jüdischen Ladenburger“ vom ehrenamtlichen Arbeitskreis „Jüdische Geschichte“ um Ingrid Wagner und Historiker Jürgen Zieher ins Englische zu übersetzen.

Museumsleiter Hensen freut sich nun auch über diese Idee der Besucher: „Wir überlegen, wie wir diese Ausstellung vielleicht ins Englische übersetzen, Faksimile herstellen und im Holocaust-Museum im texanischen Houston zeigen können, was natürlich großartig wäre.“ In konzentrierter Form soll die auch wegen ihrer Kompaktheit gelobte Ausstellung dauerhaft Bestandteil des städtischen Museums bleiben.

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