Ladenburg

Ladenburg Gemeinderat bringt Gutscheinsystem mehrheitlich auf den Weg / Im November bereits startklar?

Schmutz will Kaufkraft in Stadt halten

Archivartikel

Schon zum bevorstehenden Weihnachtsgeschäft sollen in Ladenburg wieder Einkaufsgutscheine als Geschenk möglich sein. Dies kündigte Bürgermeister Stefan Schmutz am Mittwochabend im Gemeinderat an. Die anwesenden Stadträte folgten ihm bei zwei Enthaltungen mehrheitlich und bewilligten 20 000 Euro, mit denen die Stadt als Anreiz für die ersten beiden Probejahre die Teilnahmekosten übernimmt. Je nach Bilanz der Anlaufphase soll der Zuschuss verlängert werden.

„Der Handel benötigt zusätzliche Unterstützung“, führte Schmutz aus. Die Stadtverwaltung sehe sich dabei lediglich als entscheidenden Impulsgeber, beteilige sich aber an dem System durch das Verschenken von Gutscheinen zu Geburtstagen und Dienstjubiläen, um den Umsatz anzukurbeln. Der städtische Sozialfonds nehme künftig Spenden für die Weitergabe von Gutscheinen an Hilfsbedürftige entgegen. „Wir wollen Kaufkraft in der Stadt halten“, erklärte Schmutz vor dem Hintergrund einer Studie der regionalen Industrie- und Handelskammer, die einen hohen Kaufkraftabfluss festgestellt habe.

„Das System ist nur erfolgreich, wenn sich möglichst viele beteiligen“, betonte er. Nach drei Informationsrunden wollten mehr als 30 Gewerbetreibende mitmachen. Deshalb sei man zuversichtlich, die erforderliche Mindestzahl von 20 Händlern und Handwerkern zu erreichen. „Ich würde mir jedoch mehr Teilnehmer wünschen“, betonte Schmutz. Projektverantwortlich sei ein Ladenburger Unternehmen, das auch eine Internetplattform für die örtliche Geschäftswelt anbiete und es ermögliche, dass die Gutscheine ausgedruckt werden können. Es handelt sich dabei um das Medien- und Kreativzentrum „Media Hub“ von Daniel Hutwagner in der Boveri-Straße. Dort hatte auch die erste Konferenz zum Thema stattgefunden (wir berichteten).

„Wir wollen alle Kollegen von dieser Idee begeistern“, sagte damals Christoph Ehry, der Vorsitzende des Bunds der Selbstständigen (BdS). Als Vorbild dient Schriesheim: Inzwischen setzen dort 30 Händler und Handwerker jährlich rund 3000 „Strahler“ im Wert von jeweils zehn Euro ab, die sich als Geschenkgutscheine großer Beliebtheit erfreuen. In Ladenburg soll bei einem Wettbewerb noch ein passender Name für den Gutschein gefunden werden.

„Wir begrüßen das Vorhaben sehr, denn es ist ein gutes Zeichen für Ladenburg, wenn der Einzelhandel mit der Digitalisierung Schritt hält“, nahm Sophian Habel für die CDU-Fraktion Stellung. „Wir werden damit den Einzelhandel nicht retten, aber es ist ein Baustein, ihn zu unterstützen“, sagte Max Keller (Bündnis 90/Die Grünen). „Wir erhoffen uns großen Zuspruch, auch um die Stadt etwas von Paketlieferdiensten zu entlasten“, sah Steffen Salinger (SPD) noch einen weiteren Aspekt. „Auch wir wollen Kaufkraft binden, doch die Abwicklung des Systems erscheint uns noch nicht ausgegoren, und deshalb schauen wir mal, ob es das bringt, was wir uns vorstellen“, zeigte Gudrun Ruster (Freie Wähler) Skepsis. Ihre Fraktionskollegen Sven und Tim Ruster enthielten sich der Stimme.

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