Ladenburg

Ladenburg Didier Ngobana gönnt sich nach 20 Jahren als Bambini-Trainer eine Pause / BVB-Fan kommt wegen Vereinsfarben zu den 03ern

Schon als Kind vor allem Fußball im Kopf

Archivartikel

„Es muss Spaß machen, sonst drehst du durch“, sagt Didier Ngobana lächelnd. Der Landschaftsgärtner hat in seiner Freizeit 20 Jahre lang als Kinderfußballtrainer Hunderte von drei- bis sechsjährigen Bambini in die Kunst des Kickens eingeführt. Er weiß, was viele denken: Das ist ja, wie einen Sack Flöhe hüten. Doch hat ihm sein Hobby in drei Vereinen der Region immer Freude bereitet. Diese Geschichte beginnt Anfang Juli 2000. Damals führt Didier in Ladenburg ein folgenreiches Gespräch mit dem damaligen Bambini-Trainer Matthias Schmitt.

Der Sportfreund aus der Zweiten Mannschaft des örtlichen Fußball-Vereins (FV) 03 fragt, ob Didier Lust habe, Schmitts Nachfolge anzutreten. Und Didier hat Lust: Sohn Emile ist zwei und im Jahr darauf reif, ein Nulldreier zu werden. Den eigenen Filius zu coachen, motiviert den jungen Vater: „Nach den Sommerferien wurde ich offiziell Bambini-Trainer und Robert Gattung mein Assistent“, erzählt Didier beim Interview in seinem zweiten Wohnzimmer, wo damals alles begann: im Römerstadion.

Stolz auf seine einstigen Knirpse

Nur sein Vorname steht vorne auf der Trainingsjacke. So wird er von Jung und Alt gerufen, die zufällig vorbeikommen. So kennen ihn alle hier beim FV 03 in Ladenburg. Zwischenzeitlich war er aber auch beim FC Dossenheim und bis 2018 parallel ebenso bei der TSG in seinem heutigen Wohnort Lützelsachsen aktiv. Überall hat sich Didier als ruhiger und geduldiger Nachwuchstrainer einen Namen gemacht. Stolz darf er darauf sein, dass fünf einstige Knirpse aus der ersten Generation seiner 03er-Schützlinge inzwischen zur 1. Mannschaft zählen, nämlich Tobias Baumann, Tim Horak, Silas und Leon Kick sowie Robin Krusenbaum.

„Am Anfang wissen die Kleinen auf dem Platz nicht, was Sache ist, aber das ist gerade das Spannende, bei diesem Trubel mit viel Geduld zu vermitteln, worum es geht“, erklärt Didier und betont: „Die Eltern müssen unbedingt mitziehen.“ Ob beim Waschen der Trikots oder bei der Turnierplanung: Die Mütter und Väter mit ins Boot zu holen, sei ihm jedoch stets gelungen. Denn sein Credo lautet: „Bambini-Training ist ein Familienunternehmen.“ Aufgrund seiner Erfahrungen betreut Didier bereits seit Jahren Trainer von Bambini bis E-Junioren in der Region. „Ich teile gerne“, sagt Didier dazu.

Wenn man ihm so zuhört, ist es kaum zu glauben, doch zum Zeitpunkt des Gesprächs steht seine vorerst letzte Trainingseinheit mit Bambini kurz bevor. Seinen Nachfolger Burak Bas arbeitet Didier noch ein. Doch dann ist erst mal Schluss. „Ich gönne mir eine Pause“, erklärt Didier. Seit 2000 habe er mehrmals pro Woche nach Feierabend und an vielen Wochenenden auf dem Platz gestanden. Jetzt wolle er sich mehr Zeit für sich und seine Familie in Lützelsachsen nehmen. Dazu zählen auch die Eltern, die in der Demokratischen Republik Kongo leben. In der Hauptstadt Kinshasa wird Didier 1969 geboren und mit seinen sechs Brüdern im katholischen Glauben erzogen. Er besucht das einem Gymnasium gleichwertige Lycée „Institut Lumumba“. Es ist benannt nach dem ersten Premierminister des seit 1960 von Belgien unabhängigen zentralafrikanischen Landes.

Schon als Kind hat Didier vor allem eines im Kopf: „Ich habe immer Fußball gespielt, aber meine Eltern wollten, dass ich lerne“, sagt er. Als den jungen Mann die Abenteuerlust packt, zieht er zu seiner Patentante nach Frankreich. „Meine Mutter weinte eine Woche lang“, erzählt Didier, „aber ich bereue keinen einzigen Moment meiner Erfahrungen.“ Er nutzt einen Kontakt seiner Tante zu einer Familie im vorderpfälzischen Limburgerhof und arbeitet dort bald darauf als Lagerist im Baumarkt. Die Liebe führt ihn nach Ladenburg, wo er bei der Gartenbaufirma ERDA anfängt, in der er bis heute sein Geld verdient.

„Immer wollte ich Fußball weiterspielen“, erinnert sich Didier. Als Fan des Bundesligisten BVB Dortmund fiel ihm die Auswahl des Ladenburger Vereins nicht schwer: „Weil die 03er dieselbe Vereinsfarbe Schwarz-Gelb wie der BVB haben“, erklärt Didier. Da er sich von Beginn an zu integrieren gewusst und um die deutsche Sprache bemüht habe, sei ihm das Einleben nie schwergefallen. Was er den Generationen von Kindern, die Didier betreut hat, bedeutet, erfährt er immer wieder: „Ich bekomme nur positive Rückmeldungen“, sagt Didier. 03er-Chef Thomas Thieme, dessen Sohn Philipp auch einst von Didier trainiert wurde, sagt zum vereinsinternen Abschied: „Die Kinder sind begeistert von Dir, und deshalb hoffe ich, dass Du irgendwann wieder als Trainer zu uns zurückfindest.“

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