Ladenburg

Neckar-Bergstraße Der Ladenburger Karl Fallenstein (82) sucht stets neue Aufgaben / Beim Modellbau „Geduld wie ein Esel“

„Schon immer gern geschafft“

Vom Gipser-Lehrling im Geburtsort Ziegelhausen zum Leiter der Materialwirtschaft bei Benckiser in Ladenburg: Der 1936 geborene Karl Fallenstein steht mit seinem Leben beispielhaft für viele Biografien dieser fleißigen Generation, die im Krieg und in den schweren Jahren danach aufwuchsen. Für seine vielseitigen Fähigkeiten ist er in der ganzen Umgebung bekannt. War er doch auch noch im beruflichen Ruhestand als gefragter „Do it yourself“-Hausmeister im Seckenheimer „Löwen“-Hotel ebenso tätig wie in zwei Ladenburger Autohäusern und bei der früheren Bäckerei Knapp.

Tüftler, Fasnachter, Motorrad-Fan

„Ich habe schon immer gerne geschafft“, sagt der passionierte Hobby-Koch und -Kuchenbäcker, der auch mit bald 83 Jahren stets neue Aufgaben sucht. Seine Geschichte verdeutlicht aber auch, wie eng in der Region vieles und viele miteinander verbunden sind. Jetzt in der Fasnachtszeit denkt er an seine närrischen Tage zurück. Damals war Fallenstein als „Schoppesänger“ bei den „Schlabbdewel“-Karnevalisten in Friedrichsfeld bekannt. „Der langjährige Sitzungspräsident, die ’Nudel’ Dieter Baier, hat mich eingeladen“, erinnert sich Fallenstein. In jenem Mannheimer Stadtteil, genauer: beim gemeinsamen Arbeitgeber, hat er seine Frau Erika kennengelernt und 1956 geheiratet. Dort gründete er auch die Fulmina-Werksfeuerwehr mit. Und dort lieh er dem Männergesangverein Frohsinn seine Tenorstimme. Denn das Singen liegt dem Mitglied der Alters- und Ehrenmannschaft der Feuerwehr Ladenburg. Auch zu deren Chor gehörte er lange.

Am längsten ist er bei der Sängereinheit in der Römerstadt aktiv: seit mehr als 65 Jahren nämlich. Gerne teilt die aus Danzig stammende Erika Fallenstein all seine Leidenschaften, auch die rasanteste: Auf einem Horex-Motorrad mit Seitenwagen ist die damals vierköpfige Familie 1963 zum Urlaub nach Italien gefahren. Ein Abenteuer für die Töchter Ulrike und Angelika. Später kam mit Kirsten eine dritte dazu. Da wohnte die Familie schon in Ladenburg. Im Wohnzimmer steht erst seit kurzem eine beleuchtete Vitrine. Selbstgebaut, natürlich. Ebenso wie der Kreuzer darin, die „Prinz Eugen“ im Maßstab 1:200: ein Modellbausatz in 140 Fortsetzungsheften zu je 6,99 Euro aus dem Zeitschriftenladen. Tausende von Teilen aus Holz und Metall. Bis Herbst 2018 zweieinhalb Jahre Arbeit mit vielen Millimeter kleinen Teilen. Täglich gut zwei Stunden am Vergrößerungsglas mit Lampe im Keller.

Kürzlich das Singen aufgegeben

„Ich fühlte mich nicht ausgelastet und bin schon seit eh und je ein Tüftler“, erklärt Fallenstein. Das 1,05 Meter lange Modell zu bauen, habe Spaß gemacht. „Ich hab’ halt Geduld wie ein Esel, und wenn ich abends so da sitze, freue ich mich über das gelungene Ergebnis.“ Dass das Original ein deutsches Schiff im Zweiten Weltkrieg war: nebensächlich. Fallenstein sieht sich da über jeden Zweifel erhaben: „Ich bin als Kriegsgegner sogar zum Freiwilligen Polizeidienst nach Mannheim gegangen, um nicht zur Bundeswehr zu müssen.“

Ob er das Modellbauhobby fortführt, weiß Fallenstein allerdings noch nicht: Aus gesundheitlichen Gründen hat der frühere Tenorsolist kürzlich schon das geliebte Singen bei den Edinger-Chören aufgegeben. Und dann die Kosten: „1200 Euro hat das Modell verschlungen“, sagt er.

„Aber es hat Dir doch Spaß gemacht“, ermuntert ihn Erika Fallenstein, die weiß, dass ihr Karl Beschäftigung braucht. Sie war es auch, die seine „Ruhestandskarriere“ beförderte und anrief, als eine Stelle inseriert wurde. Beruflich zum Schluss bei Benckiser tätig, hat sie sich die Freude an Computer und Co. bewahrt und dies ihrem älteren Enkelsohn Marcel vererbt. Der jüngere Niklas (14) kommt nach dem Opa: „Er ist oft zu Besuch und hatte die Idee für das Oberlicht an der Vitrine“, sagt Fallenstein stolz.

Fleißig spielt er weiterhin Heimorgel. Auf die Prunksitzung der Neckarhäuser Kummetstolle freut er sich jedes Jahr. „Das ist immer toll. Wir sind da eingetreten, als Bianca aus der Ladenburger Bäckerei Knapp Prinzessin war“, erzählt seine Frau, die als Zehnjährige 1946 zunächst nach Neckarhausen gekommen war. Mit der Familie der ersten Kummetstolle-Prinzessin Marianne Reichert sind die Fallensteins befreundet. Ihr „Revier“ ist und bleibt eben diese Region.