Ladenburg

Neckar-Bergstraße Ortsgruppe der IG Bergbau, Chemie, Energie feiert 20-jähriges Bestehen / Rund 800 Mitglieder wohnen in der Region

Schuhmacher Mitgründer und Motor

Archivartikel

„Gemeinschaft als wichtigen sozialen Faktor“ über das Arbeitsleben hinaus erlebbar zu machen, das ist nach wie vor das Ziel von Bernd Schuhmacher. Er ist seit 20 Jahren Vorsitzender der Ortsgruppe Ladenburg/Rhein-Neckar der IGBCE. Die so abgekürzte Industrie-Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) ging 1997 aus dem Zusammenschluss der weitaus älteren Arbeitnehmervertretungen in den Bereichen Bergbau und Energie sowie Chemie, Papier und Keramik hervor. Am 14. November 1999 gründete sich die Ortsgruppe auf Antrag von Schuhmacher im Ladenburger Kaiserkeller.

Neben ihm ist heute nur noch Kassenwartin Brigitte Prudky als Mitgründerin aktiv. Damals zählte man rund 1000 Mitglieder in ihren Wohnorten Ilvesheim, Edingen-Neckarhausen, Heddesheim, Ladenburg und Schriesheim. Dass es heute, je nach Sichtweise, nur oder immerhin noch 800 sind, hat verschiedene Gründe. Altersabgängen, Umzügen, Standortschließungen, Stellenabbau und gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen trotzt die „breit aufgestellte Ortsgruppe“ weitgehend erfolgreich. So sieht es Marlis Mergenthal. Für die IGBCE-Sekretärin des Bezirks Mannheim ist „Bernd nach wie vor die treibende Kraft, die viel Hirnschmalz investiert.“ Sie ist mit Rentenberater Gerd Reinemuth zum Gespräch über den 20. Geburtstag der Ortsgruppe zu Schuhmacher in die Cronberger Gasse 3 gekommen.

Hier im Römerstadtbüro können sich Mitglieder und Nicht-Mitglieder anhand ihres mitgebrachten Versicherungsverlaufs von Reinemuth kostenlos beraten lassen. Jeden letzten Mittwoch eines Monats ist der Rentenfachmann von 16 bis 18 Uhr anzutreffen. „Das wird sehr gut angenommen“, sagt Schuhmacher über das Angebot, das „seit der Verschlimmbesserung der deutschen Rentenversicherung seit 2001“ (Reinemuth) an Bedeutung zunimmt. Überhaupt sieht Basisfunktionär Schuhmacher die „klassische Klientel als vernachlässigt“ an, bisweilen selbst von der Gewerkschaftsspitze, die beispielsweise das Thema Riester-Rente mitgetragen habe, obwohl diese seiner Ansicht nach „nichts taugt“.

Hilfe zum alltäglichen Leben

Aber auch arbeitsrechtliche Auskünfte, Sucht- und Schuldenberatung gibt es hier von Fachleuten. „Wir sehen das als Hilfe zum alltäglichen Leben an“, sagt Schuhmacher, der neben dem Sozialen auch das Praktische im Auge hat: Beim jährlichen Familienfest zum „Tag der Arbeit“ am 1. Mai helfen Kinder aus dem AWO-Heim mit, weil der IGBCE diese Einrichtung mit Erlösen aus Veranstaltungen unterstützt. „Wie die Ortsgruppe außerhalb des Arbeitslebens Anbindung an die Gewerkschaft und Gemeinschaft bietet, das sticht heraus“, sagt Mergenthal.

„Wir wollen mit unserer Arbeit aber ebenso Zusammenhänge darstellen, Entwicklungen beschreiben und politische Bildung betreiben“, führt Schuhmacher aus. Ideologische Scheuklappen trage er bei der Auswahl von Referenten nie. So sei der SPD-Arbeitspolitiker Rudolf Dreßler (2018) ebenso beim IGBCE in Ladenburg zu Gast gewesen wie der Jesuit und Sozialethiker Friedhelm Hengsbach (2011).

Für einen „linken Realismus“ plädiere Sozialdemokrat Nils Heisterhagen am Donnerstag, 21. Februar, im Domhofsaal. Dies ist der Auftakt zum diesjährigen Programm (siehe Info-Box). Es sei noch nicht endgültig klar, ob es im Spätjahr auch einen Festabend geben werde. Ein „Highlight“ für Mitglieder soll jedenfalls erneut das Herbstfest unter dem diesjährigen Motto „Oldies-Night“ am 5. Oktober sein.

Stichwort Oldies: Mit inzwischen 67 Jahren macht sich Schuhmacher längst Gedanken um seine Nachfolge: „Es wäre schön, wenn sich Jüngere bereiterklären würden, sich zu engagieren“, sagt er mit Blick auf die nächste Wahl des Vorsitzenden im Jahr 2020, zumal er auch den Ortsverband des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) und den Förderverein „Solidarität“ leitet. „Ich würde ja nicht gleich komplett aussteigen“, sagt Bernd Schumacher, um potenzielle Kandidaten zu ermutigen.