Ladenburg

Ladenburg Heimatbund macht Kinder mit Antonius-Bräuchen vertraut

Schweinchen Toni erklärt Geschichte

Archivartikel

Plötzlich steht eine Frau in Männerkleidern aus dem Mittelalter im Saal des Günther’schen Kindergartens. Mit Eimer und Spieß, einer alten Stichwaffe. Sie wirkt aufgeregt und fragt immer wieder nach dem Weg zum Rathaus. Was sich dort vor vielen hundert Jahren stets zum Antoniustag am 17. Januar abgespielt hat, erzählen später zwei weitere Frauen vom Geschichtsverein Heimatbund. Eine liest vor, die andere tut mit verstellter Stimme so, als würde Schweinchenpuppe Toni in ihrer Hand sprechen. Da machen alle fünf- und sechsjährigen Zuhörer große Augen.

Es sind Mädchen und Jungen aus den Schulanfängergruppen aller fünf Kindergärten in Ladenburg. Der Heimatbund hat diesmal alle zusammen eingeladen. In weniger als einer Viertelstunde erfahren die jungen Gäste viel über Antonius, den früheren Schutzheiligen der Stadt: Dass er vor mehr als tausend Jahren weit weg von hier geboren wurde, freiwillig einsam in der Wüste lebte und seinen Besuchern dort Fragen zum Sinn des Lebens klug beantworten konnte. Wie er berühmt wurde und nach ihm auch das frühere Krankenhaus in Ladenburg benannt wurde. Und dass die Mönche, die dieses Hospital in der Altstadt damals führten, auf den Gassen umherlaufende Schweine hielten.

„Deshalb haben unsere Ladenburger Antonius-Figuren oder -Bilder immer irgendwo ein Schweinchen: Weil er der Sau-Toni ist“, erklärt Heimatbund-Chefin Carola Schuhmann, die neben Ursula Knopf, Gabi Dunda und Brigitte Gutfleisch Heimatkunde im Kurzdurchlauf gibt: Zu Ehren des „Sau-Tonis“ wurden einst neue Einwohner begrüßt. Sie mussten damals Spieß und Löscheimer mitbringen, um zu beweisen, dass sie bei Angriffen und Feuer helfen können. Außerdem bekamen die Armen etwas Besseres zu essen als sonst. Noch heute finden der städtische Neujahrsempfang und Bürgermeisterwahlen immer am Sonntag nach dem Namenstag des Schutzheiligen am 17. Januar statt. Und kurz davor wird nach wie vor das Antoniusbrot, heute in Form eines süßen Hefebrötchens, an Kinder verteilt.

Kurz und verständlich

„Unseren Kindern hat es gefallen“, sagt Julika Biebert, die Leiterin von St. Joseph. „Das ist ein wichtiges Thema, das sehr schön und anschaulich aufbereitet wurde“, findet Jenny Reinemuth (Römernest). „Super, dass der Heimatbund auf alle Kindergärten zugegangen ist und das jetzt gebündelt hat“, sagt Angelika Gelle (Anne-Frank). „Kurz, verständlich und schön war es, und unsere Schulanfänger waren nach zwei Projekttagen thematisch vorbereitet“, erläutert Rebecca Schreppp (St. Johannes). „Toll, dass die Kinder Einblick in die Stadtgeschichte bekommen“, erklärt Martina Lucas (Günther´scher) als Gastgeberin.

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