Ladenburg

Ladenburg Altbürgermeister Rainer Ziegler wird morgen 65

Sein Herz hängt an der Stadt

Seit rund zwei Jahren ist Rainer Ziegler im Ruhestand. Das scheint ihm gut zu bekommen: Er stürmt die bei vielen Besuchern wegen ihrer Steilheit gefürchtete Treppe zu den Redaktionsräumen über der Ladenburger Geschäftsstelle des „MM“ hoch. Rank und schlank sieht der Alt-Bürgermeister aus, entspannt und gut gelaunt. Kaum zu glauben, dass er morgen seinen 65. Geburtstag feiert.

„Ladenburg ist meine Leidenschaft“ hatte er vor fünf Jahren erklärt, als sein 60. Geburtstag bevorstand. Gilt das nach wie vor? „Meine Frau sagt, dass es fast wie früher ist.“, antwortet Ziegler lächelnd. Immer noch ist er mit den Themen der Stadt verbunden, ohne sich jedoch in die Tagespolitik einzumischen.

Seine Verbundenheit mit Ladenburg zeigt sich auch an den Ehrenämtern, die er in der Stadt innehat. So ist er im Garango-Partnerschaftsverein aktiv, bei den Literaturtagen und beim Filmfestival. Zudem singt der Altbürgermeister im Feuerwehrchor mit und ist Lesepate im Anne-Frank-Kindergarten. Daheim sitzen und Bücher lesen, Rad zu fahren und schwimmen zu gehen, reicht ihm eben nicht. In Dossenheim bekleidet Ziegler kein Ehrenamt: „Dort wohne ich, aber engagiert bin und bleibe ich in Ladenburg.“ Hier war er schließlich 16 Jahre lang Bürgermeister, „die wichtigste Zeit meines Lebens überhaupt“.

Freitag ist „Oma-Opa-Tag“

Allerdings gibt es etliche Verpflichtungen in Zieglers Pensionärsdasein: „Was mein Leben besonders prägt, ist die Kinder- und Seniorenbetreuung im familiären Bereich.“ Denn er kümmert sich um seine bald 91-jährige Mutter sowie um die beiden Enkel Dominik (dreieinhalb) und Laetitia (zwei). „Wir denken und handeln sehr familiär.“, sagt er. Jeden Freitag ist „Oma-Opa-Tag“. Morgens holt Ziegler die Kinder ab, abends fährt er sie wieder heim, oder sie werden abgeholt. Die anderen Tage verbringen die Kleinen in der Kinderkrippe bzw. im Kindergarten.

Hat er es jemals bereut, nicht für eine dritte Amtszeit angetreten zu sein? „Mein Herz hängt noch immer an der Stadt. Aber ich hatte und habe die Meinung, dass ich mit 71 zu alt für dieses Amt wäre. Und 71 wäre ich zum Ende einer dritten Amtszeit gewesen. Zudem: Langweilig ist es mir nicht. Mir fehlt sogar die Zeit, um Familie, Ehrenämter und Hobbys in die 24 Stunden reinzupacken.“ Schließlich möchte er auch mehr Zeit als früher mit seiner Frau verbringen, und er hat neue Aufgaben: „Ich habe die Küche übernommen, vom Einkauf über Kochen bis Wegräumen.“ Es gibt nicht nur Hausmannskost, sondern der Bürgermeister a. D. traut sich auch an Anspruchsvolles wie Boeuf Bourguignon.

Natürlich denkt Ziegler immer wieder an sein Dasein als Bürgermeister zurück: „Ich habe es als gute Zeit empfunden, spannend und anstrengend zugleich. Und ich bin stolz auf vieles, was passiert ist in der Zeit.“ „Hocherfreut“ zeigt er sich darüber, dass die Stadt mittlerweile das Geld hat, um Zukunftsthemen wie die Sporthalle aufzugreifen. „Das war mir leider verwehrt. Aufgrund der politischen und finanziellen Rahmenbedingungen konnte ich nicht anders handeln.“ Froh ist er um seinen guten Abschied: „Es gab keinen Krach zwischen mir und den Bürgern.“ Und nach wie vor wird er bei seinen Besuchen von den Ladenburgern freundlich begrüßt.