Ladenburg

Ladenburg Lobdengau-Museum präsentiert in der Reihe „Der gehobene Schatz“ 72 antike Münzen / Ausstellung ist noch bis zum 1. Dezember zu sehen

Silberstücke aus einer schwierigen Zeit

Es müssen unruhige Zeiten gewesen sein: Die Alamannen griffen immer wieder Städte und Siedlungen an, innenpolitisch sorgten Bürgerkriege im Römischen Reich für Chaos, und weil jahrelang die umliegenden Wälder gerodet wurden, führte jeder Starkregen ein bisschen mehr zur Erosion des Bodens. Im Jahr 260 wurde der Limes aufgegeben, „und das bedeutete eine Zeit des Niedergangs“, sagt Andreas Hensen.

Der Leiter des Lobdengau-Museums erinnert daran mit einem weiteren Beitrag aus der Reihe „Der gehobene Schatz“. Mit dem Untertitel „Gehortet – versteckt – geborgen“ wird vom 14. August bis 1. Dezember ein kleiner Silberschatz präsentiert, über dessen Ursprung, so bedauert der Archäologe, nicht allzu viel bekannt ist. Nur, dass er zwischen 1877 und 1882 in den Besitz eines in Heidelberg lebenden Juristen gelangte, der allerdings weder die genaue Fundstelle noch den ursprünglichen Umfang des Schatzes kannte. „Man ist sich also nicht sicher, ob der Münzhort vollständig erhalten ist“, sagt Hensen.

Geld lange in Umlauf

Erhalten geblieben sind jedenfalls 72 Silberstücke: 55 Denare und 17 Doppeldenare, eine Einheit, die 214 von Kaiser Caracalla eingeführt wurde und die Kaiser der Zeit mit einem Strahlenkranz auf der Vorderseite zeigte.

Die älteste Münze aus der Regierung Kaiser Vespasians datiert auf das Jahr 75, die jüngste ließ Kaiser Traianus Decius zwischen 249 und 251 prägen; sie ist es auch, die etwa den Zeitpunkt angibt, zu dem die Denare vergraben wurden.

„Wir haben Glück“, sagt Hensen, „denn wir haben wenige, gut erhaltene Prägungen.“ Und auch andere, die stärkere Gebrauchsspuren aufweisen. Das habe damit zu tun, dass auch mit Geld bezahlt wurde, das 100 oder 200 Jahre alt war, erklärt er: „Kleingeld ist sehr lange umgelaufen.“ Die jüngeren Geldstücke seien dagegen noch nicht abgegriffen: Das deutet darauf hin, dass sie noch nicht lange in Gebrauch waren, als ihr Besitzer sie versteckte.

Warum er das tat, lässt sich nicht klären, doch war das römische Lopodunum vor knapp 1800 Jahren kein allzu idyllischer Ort: Die Einwohner arbeiteten am Bau einer kilometerlangen Stadtbefestigung; es gab Einfälle der Germanen, immer wieder Brände, und vermutlich aus Angst vor Plünderungen wurden die Bronzebeschläge eines prachtvollen Tors abmontiert.

Schutz vor Plünderungen

Hensen schildert diese Jahre als Phase des Niedergangs: Die Menschen gaben den Besuch der Thermen auf, Gebäude verkamen, das öffentliche Leben brach zusammen. Überall versteckten die Menschen Wertgegenstände, weiß er: „Man spricht von einem regelrechten Schatzfund-Horizont.“

Wer das Geld vergrub, lässt sich nicht sagen. Doch er ist sicher, dass es kein Soldat war, da sie bereits abgezogen waren. Vermutlich handelte es sich beim Besitzer „weder um einen ganz Reichen noch um einen ganz Armen“. Woher er das weiß? Weil die damaligen Preise für Grundnahrungsmittel trotz der damals galoppierenden Inflation heute gut bekannt sind: Für die 72 Münzen, die etwa 20 Tage Sold eines Hilfstruppensoldaten entsprachen, konnte man damals entweder 178 Liter Weizen oder 14 Liter Olivenöl kaufen. Kein gutes übrigens, so der Fachmann: „Nur Öl von durchschnittlicher Qualität.“ stk

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