Ladenburg

Ladenburg Lobdengau-Museum öffnet am Samstag wieder / Alamannen-Schau bis 1. November verlängert

Start mit Spielkarten-Ausstellung

„Jetzt bin ich heilfroh, dass es wieder losgeht“, sagt Andreas Hensen. Der Leiter des Lobdengau-Museums freut sich, dass die lange Zeit der Schließung noch in dieser Woche zu Ende geht: Am Samstag, 16. Mai, öffnet die Einrichtung wieder ihre Pforten. Sie tut das auch gleich mit einer neuen Ausstellung.

Weil es wegen der Reglementierungen durch die Corona-Krise keine Ausstellungseröffnung geben darf, führt Hensen mit dieser Redaktion ein einleitendes Gespräch, an dem auch der andere kreative Kopf hinter der Schau teilnimmt. Jürgen Platz, Wahl-Ladenburger und leidenschaftlicher Sammler historischer Spielkarten, kontaktierte vor einiger Zeit Hensen und schlug ihm vor, nach einer Ausstellung in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen (rem) nun auch in der Römerstadt eine kleine Auswahl aus seiner Sammlung zu präsentieren.

Insgesamt besitzt er 4500 verschiedene Spiele, und Hensen war verblüfft: „Ich bin aus dem Staunen nicht herausgekommen.“ Die Schließung nutzte der Sammler, um eine Auswahl zu treffen, die Karten zu rahmen und zu hängen. Jetzt sieht der Besucher 34 Spiele in großer Vielfalt: moderne, uralte, einfache und filigrane, kleine Kunstwerke. Das älteste Modell stammt aus dem Jahr 1764 und ist nicht im Original, sondern als Reproduktion zu sehen. Das liege daran, dass die ganz alten Spiele sehr selten seien, wurden sie doch zumeist weggeworfen, wenn sie abgegriffen waren, so Platz.

Vergnügen für den Adel

Heute sind die Karten-Dinosaurier seltene Schätzchen. Und teuer: „Für so etwas zahlen Sie an die 100 000 Euro.“ Doch schon die Reproduktion ist sehenswert: Ausgeführt in Holzschnitt-Technik, wurden die Bildkarten später noch mit Schablonen koloriert: Es war eine aufwendige Gestaltung, die sich in erster Linie die Adligen leisten konnten.

Die Bildkarten zeigen die Tarot-Symbole Münzen, Kelche, Stäbe und Schwerter, und Platz hält es für wahrscheinlich, dass mit ihnen auch die Zukunft vorhergesagt werden sollte. Ein verbreitetes Spiel, vor allem in der Kurpfalz, wurde das Tarock – die Namensähnlichkeit ist kein Zufall, auch hier sieht man die Tarot-Motive. Etwa bei den Handwerker-Karten von 1795, die in einer Vitrine liegen; die Beleuchtung ist gedämpft und die Fenster im ersten Stock des Museums mit schwarzen Platten abgedeckt. „Das machen wir, um die empfindlichen Farben zu schonen“, erklärt Hensen.

Es gibt mythologische Bilder, Kartensätze mit Handwerkermotiven, mit Landschaften oder Stadtansichten. In späteren Jahren wurden Lithographien angefertigt, und Platz zeigt detailverliebte Schweizer Landschaften und Stadtpanoramen; da sieht man das Leipziger Völkerschlachtdenkmal, die Siegessäule in Berlin, aber auch die Mannheimer Sternwarte oder das Schloss. Zwei Sätze aus jüngerer Zeit zeigen das Logo des „MM“, wieder andere die Schriftzüge von Ladenburger Unternehmen wie Total oder BBC. Ein anderes Set dürfte die Spieler mitunter vom Wesentlichen abgelenkt haben: Seine Damen sind nämlich alle barbusige Models. Skurril auch die Zelluloid-Karten, die vor etwa 80 Jahren aufkamen: Abwaschbar und strapazierfähig sollten sie sein. Leider waren sie aber entflammbar. Und deshalb nichts für Raucher.

Maskierte Alamannen

Platz hat einen Ausstellungskatalog zusammengestellt, außerdem gibt es Broschüren, die über die früher in Mannheim ansässigen Firmen informieren. Nun soll es am Samstag, 16. Mai, wieder losgehen mit dem Museumsbetrieb; an der Kasse ist eine Plexiglasscheibe befestigt, im Foyer wird ein Desinfektionsspender stehen, und im Gebäude herrscht Maskenpflicht.

Apropos Masken: Hensen präsentiert stolz sein Bastelwerk, das eine Alamannenfamilie mit aufgeklebtem Mundschutz zeigt: „Das habe ich selbst gemacht.“ Und es macht neugierig auf die parallel laufende Alamannen-Schau im Museum.

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