Ladenburg

Ladenburg Architekt Karlheinz Erny hat Strafanzeige gegen die Stadt gestellt / Droht jetzt eine Rückabwicklung des Kaufvertrags?

Streit um Räumung des Wasserturms

Götz Speyerer schließt auf, kreischend bewegen sich die dicken Sperrriegel: Der Abteilungsleiter aus dem Stadtbauamt ist zum Ortstermin in den Bauhof gekommen, neben ihm steht Karlheinz Erny. Der Speyrer Architekt hat das Treffen vereinbart, um einen Blick ins Innere des Containers zu werfen.

Hier ist die Sammlung eingelagert, die sich zuvor im Wasserturm befand: Grammophone, Lautsprecher, Radios. Als die Stadt das Ladenburger Wahrzeichen im Sommer von Erny erwarb, ging es auch um die Räumung des Gebäudes. Der Verkäufer hätte sie laut Kaufvertrag, der dem „MM“ vorliegt, bis zum 31. Dezember vornehmen sollen.

„Verdachtsmomente liegen vor“

Er habe Hunderte Kartons organisiert, berichtet er; am 30. Dezember habe er zusammen mit einem Transportunternehmer alles einpacken wollen, doch da sei der Turm leer gewesen. Weshalb er Anzeige erstattete. „Das stimmt“, sagt Polizei-Pressesprecher Norbert Schätzle: Am Donnerstag, 2. Januar, sei Erny aufs Revier gekommen und habe Anzeige gegen Unbekannt wegen Diebstahls und Hausfriedensbruchs erstattet. Am selben Tag, so Erny, wurde der Turm versiegelt. „Jetzt müssen wir eine strafrechtliche Relevanz prüfen“, erklärt der Beamte: „Verdachtsmomente liegen vor.“

Einen Tag später, fährt Erny fort, habe er bei der Stadt Ladenburg angerufen und erfahren, dass sich seine Sammlung in einem Container auf dem Bauhof befinde. Nun ist er in Begleitung des „MM“ vor Ort und will sehen, was daraus geworden ist.

Quietschend öffnet sich die Tür, ein paar Schallplatten rutschen auf den Boden. Drinnen sind Bananenkartons, dunkles Holz und noch mehr Platten: Der Eigentümer schätzt ihr Gesamtgewicht auf neun Tonnen. „Ich habe etwa 600 historische Geräte und 1000 Tonträger“, sagt er und beäugt einen Plattenstapel: „Die sind jetzt alle kaputt. Man darf sie auf keinen Fall so lagern, sondern nur senkrecht.“

Nun weiß er zwar, wo sich sein Besitz befindet – die Anzeige will Erny aber trotzdem nicht zurückziehen. Bei der Polizei werde nachermittelt, sagt Schätzle und verweist ansonsten auf das derzeit laufende Verfahren.

Schmutz räumt Fehler ein

Ginge es nach Bürgermeister Stefan Schmutz, so hätte der Konflikt vermieden werden können. Im Gespräch mit dem „MM“ gesteht er Fehler ein und rollt den ganzen Vorgang noch einmal auf. Anfang August sei Erny kontaktiert worden. Er habe nicht gewusst, wohin mit den Gegenständen, worauf ihm angeboten wurde, alles kostenfrei abzutransportieren und „an einem Wunschort“ einzulagern. „Er hat sich im Gespräch sehr offen gezeigt“, erinnert sich der Bürgermeister an ein Telefonat, in dem Erny angekündigt habe, sich zu melden. Er, Schmutz, habe um schriftliche Rückmeldung gebeten, doch die sei nicht erfolgt.

Um den 20. September wurde der Turm schließlich durch eine Weiterstädter Firma geräumt. Nun betont Schmutz: „Der Fehler unsererseits war, dass wir ihm nicht Bescheid gesagt haben, dass wir unseren Vorschlag umgesetzt haben.“ Grundsätzlich denkt er: „Wir waren eigentlich eher zuvorkommend ihm gegenüber.“ Später sei er davon ausgegangen, dass Erny sich melden würde, um die Sachen abzuholen.

Derzeit ist der Rathauschef im Urlaub, doch am 30. Dezember sei er im Büro gewesen: „Da wäre es ein Leichtes gewesen anzurufen. Ein einfaches Telefonat hätte genügt.“Es sei ihm nicht klar, was der Architekt nun mit der Strafanzeige erreichen möchte. Jedenfalls wolle er abwarten, „was uns vorgeworfen wird.“

Soweit es kaputte Gegenstände betrifft, ist er skeptisch: Sie hätten keinen Schaden genommen, vielmehr seien sie viele Jahre „unter widrigsten Bedingungen im Turm gelagert“ worden. Über ihren Wert gehen die Meinungen auseinander, wie auch über die Möglichkeit, dass Dinge entsorgt wurden. Erny betont: „Da sind Geräte mit einem Wert von 3000 bis 4000 Euro.“ Apropos Geld: Nach wie vor ist der Kaufpreis für den Turm nicht bezahlt. Schmutz bemerkt: „Wir haben keine Kontodaten.“ Erny kontert: Er habe sie der Stadt geschickt. Nun ist er so empört, dass er den Vertrag am liebsten rückabwickeln möchte: „Wegen eklatanter Vertragsverletzung.“

Ohne Bezahlung, auch das ist dort geregelt, hat die Stadt keine Besitzansprüche. Bleibt eine letzte Frage: Wie kam das Transportunternehmen in den Turm? Erny versichert nämlich, dass es nur einen Schlüssel gebe, und den habe er. Schmutz hält dagegen: „Herr Erny hat ihn selbst an Herrn Speyerer übergeben.“

Was eine mögliche Rückabwicklung betrifft, erklärt Schmutz: „Der Turm ist das Wahrzeichen der Stadt, um das sich viele Bürger große Sorgen gemacht haben. Er hatte bis vor einem Jahr keine Perspektive, und jetzt hat er eine.“ Nämlich saniert und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu werden. Das sei eine einmalige Chance für die Stadt. Weshalb er auch nach wie vor „eine einvernehmliche Klärung“ anstrebt.

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