Ladenburg

Ladenburg Theaterinitiative überzeugt mit „Das Tagebuch der Anne Frank“ restlos / Weitere fünf Aufführungen ab 4. Mai

Tabea Bühler meistert erste Hauptrolle mit Bravour

Archivartikel

Mit ihrer aktuellen Inszenierung „Das Tagebuch der Anne Frank“ hat die Theaterinitiative Ladenburg (TiL) einen Coup gelandet: „Die ersten drei Aufführungen sind bereits ausverkauft“, freute sich Christa Pittner. Sie ist eine der erfahrensten Mitwirkenden. Doch soll das Stück zum 40. Geburtstag der Truppe ihr letzter Einsatz auf der Bühne sein. Ja, Pittner hört ebenso auf wie das Urmitglied Ulrike Christmann, die schon 1980 beim allerersten TiL-Erfolg dabei war, nämlich „Die Kleinbürgerhochzeit“. Als Bertolt Brecht dieses Stück 1919 schrieb, war er gerade einmal 21.

Genauso jung sind heute Tabea Bühler – die Seckenheimerin agiert nicht weniger als grandios in der Hauptrolle – sowie Fabienne Dursy und David Schmidt aus Ladenburg. „Gut, dass jetzt Jüngere kommen“, verriet Christmann im Gespräch mit dieser Zeitung über die vergangenen 40 Jahre bei der TiL. Diese lange Zeit dokumentieren Presseartikel und Bilder einer Ausstellung im Vorraum der „Pflastermühle“ des Jugend- und Kulturzentrums „Kiste“. Dort fühlt sich die TiL mit ihren insgesamt über 30 Inszenierungen von Anfang an zu Hause. Auch Heike Pfisterer, die seit den Gründungstagen von 1978 zum Ensemble zählt und neben Christmann sowie Rainer Buchinger als einem weiteren alten Hasen im aktuellen Drama sinnigerweise „Die Zeitzeugen“ verkörpert.

Bei der ersten Inszenierung eines historischen Stücks von Regisseurin Christine Heinzel kommt die junge Garde voll zur Entfaltung. Neben den genannten Twens, von denen Dursy und Schmidt schon länger dabei sind, sind das Lars Göbel, Anne Glombitza, Susanne Beier und Dragan Maksimovic, Andreas Keppler und Michael Przibylla. Doch markiert „Das Tagebuch der Anne Frank“ vor allem den künstlerischen Durchbruch von Tabea Bühler. Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt: Die Lehramtsstudentin vermag jedes Gefühl der damals 13-jährigen Autorin umwerfend authentisch wiederzugeben. Und es sind tiefe Emotionen, die bei diesem tragischen Stoff wuchtvoll zu Tage treten: Acht Deutsche jüdischen Glaubens, darunter die vierköpfige Familie der Tagebuchschreiberin Anne Frank, leben über zwei Jahre lang auf nur 60 Quadratmeter zusammen, in einem Hinterhaus versteckt vor Adolf Hitlers Nationalsozialisten im besetzten Holland.

Rührend: die zarte Romanze zwischen Anne und Peter (David Schmidt). Aufwühlend: die aufbrechenden Konflikte zwischen Ehepartnern, Eltern und Kindern. Bewegend: das endlose Warten auf das Kriegsende und die Angst, vorher entdeckt zu werden. Kurz: Das klaustrophobische Kammerspiel geht unter die Haut. „Ich will weiterleben, auch nach meinem Tod.“ Dass sich dieser Wunsch Anne Franks mit dem weltweit wohl berühmtesten Tagebuch aller Zeiten allzu früh erfüllt, ist am Ende kein Trost.

„Ich bin sehr begeistert und hätte nie gedacht, dass es so gut wird“, sagt der 16-jährige Karsten aus Feudenheim. Der Werkrealschüler gehörte zu 80 Jugendlichen aus allen weiterführenden Ladenburger Schulen, die auf Einladung der TiL ganz überwiegend hochaufmerksam die gelungene Vorpremiere verfolgten und viel Beifall spendeten.