Ladenburg

Ladenburg Bagger-Einsatz in der Auenlandschaft am Römerstadion / Team hat damit schon Erfahrung

Tonnenweise Schlamm aus Kandelbach-See wird entfernt

Seit gestern wird fleißig gebaggert in der Ladenburger Bach-Auenlandschaft. Es ist eine Menge Schlamm, die sich in vier Jahren bis zu einem Meter stark am Grund des Teiches gesammelt hat. Zum Grünprojekt im Jahr 2005 war das künstliche Stillgewässer unterhalb des Parkplatzes am Römerstadion und der Neckarstraße angelegt worden. Dieser Bereich dient sowohl dem Hochwasser- als auch dem Naturschutz. Doch vieles, was Kandelbach und Losgraben an Schwebstoffen mit sich führen, setzt sich hier ab und bildet Schlamm.

Deshalb muss alle vier bis fünf Jahre José Carlos Da Silva mit seiner kleinen Truppe ran: Für den Vorarbeiter der in Neuzeilsheim ansässigen Tiefbaufirma Josef Schnell ist es jetzt der dritte Einsatz nach 2010 und 2015 an Ort und Stelle. „Wir wollten eigentlich schon am Montagnachmittag mit dem Ausbaggern anfangen“, berichtet der 54-jährige Großsachsener. Doch erstens hatte es zu stark geregnet und zweitens war am Vormittag ein Wasserrohrbruch in der Heidelberger Straße dazwischen gekommen.

Baustraße eingerichtet

So beginnen er und seine Kollegen am Nachmittag erst mit den vorbereitenden Arbeiten: Eine sogenannte Baustraße zwischen Uferbereich und Promenade ist zu erstellen, damit die Wiese am Teich weniger beschädigt wird. Das hatte man aus der Aktion von 2015 gelernt. Damals war im Gemeinderat die Kritik zu hören gewesen, dass der Rasen über Gebühr gelitten habe.

Zum Schnell-Team gehören auch Joaquin Da Costa Lorenco (Weinheim), der diesen Einsatz ebenfalls zum dritten Mal macht, und der junge Lkw-Fahrer Tim Tschoban (Heddesheim). Tiefbauarbeiter Lorenco ist vor 29 Jahren als junger Portugiese in diese Region gekommen. Und zwar ebenso wie Silva, der bei der früheren Heddesheimer Baufirma Heckmann anfangen hatte und dann zum Unternehmen Warzel gewechselt war. Seit 22 Jahren ist er für die Firma Schnell überwiegend in Ladenburg tätig. „Ich bin insgesamt schon seit 44 Jahren auf dem Bau“, sagt der Vorarbeiter, der im damaligen Portugal bereits nach der sechsten Volksschulklasse arbeiten und die Lehre gegangen war. Während die Kollegen am Montag haufenweise Sandsäcke befüllen, dichtet Da Silva damit die Wassersperre aus Holz ab, um den Teich großenteils trocken zulegen. Zusätzlich wird vorsorglich noch eine Wasserpumpe installiert. Man weiß ja nie.

Nun fließt das gestaute Wasser über den nördlichen Bachzweig ab, der mit einer so genannten Fischtreppe ausgestattet ist, damit Schuppentiere zum Laichen bachaufwärts ziehen können. „Der Gewässerökologe Andreas Becker vom Hydra Institut in Kooperation mit Bioplan Heidelberg begleitet die Arbeiten“, versichert Nicole Ernst-Karch. Die Tiefbau- und Grünflächenchefin im Rathaus hat die Maßnahme mit der Naturschutz- und Wasserbehörde des Rhein-Neckar-Kreises vorbildlich abgestimmt.

„Auf Teichrosen und Vegetation wird Rücksicht genommen“, sagt sie gestern auf der Baustelle. „Ein Schlammeintrag durch die Fließgewässer ist nun einmal natürlich“, führt Ernst-Karch aus. Der Teich müsse regelmäßig ausgebaggert werden, um eine gänzliche Verschlammung zu verhindern. „Das sichert den Lebensraum und hält das ökologische Gleichgewicht aufrecht“, erklärt sie vor Ort. Die mehrtägigen Arbeiten kosten nach Auskunft von Ernst-Karch voraussichtlich rund 20.000 Euro. „Der genaue Aufwand errechnet sich nach der Zeit, die gebraucht wird, und die ist wiederum definiert durch die tatsächliche Masse des Schlamms“, erklärt die Rathausmitarbeiterin.

Abrechnung auf Stundenbasis

Wie viel Kubikmeter Schlamm beim Ausbaggern 2015 entsorgt worden sind, ist nicht bekannt, da die Abrechnung auf Stundenbasis erfolgt und nicht über die Aushubmenge. „Ein halber Kubikmeter“, schätzt Vorarbeiter Da Silva, passt in seine Baggerschaufel. Das wären 500 Liter, also gut und gerne die doppelte Menge einer Badewanne voll Schlamm. Die sandig- bis schmierig-schwarze Schicht ist „80 Zentimeter bis einen Meter dick“, sagt Da Silva. Ausgehend von grob geschätzt 300 Quadratmetern an dreiecksförmiger Teichfläche und 90 Zentimetern an Schlammdicke ergäben sich um die 135 Kubikmeter, die rund 20 Container füllen würden. Dazu kommt die Fein- und Handarbeit an den schmalen Randbereichen. Deshalb baggert Da Silva seit gestern wieder so fleißig in der Auenlandschaft.