Ladenburg

Ladenburg Sommerfest des Türkisch-Islamischen Kulturvereins / SPD-Stadträtin Ilse Schummer kritisiert türkische Ansprache

Tradition und Brauchtum nähergebracht

„Ein Hauch von Türkei auf der Festwiese“: So empfand wohl nicht nur die stellvertretende Vorsitzende und Moderatorin Sevenay Beyazal die Atmosphäre beim Sommerfest des Türkisch-Islamischen Kulturvereins (TIKV) in Ladenburg. Viele Besucher zeigten sich begeistert. Zur 10. Auflage hatten die Gastgeber unter dem Dach des türkischen Religionsverbands DITIB ein „hervorragendes Programm für die ganze Familie“ auf die Beine gestellt, wie Beyazal hervorhob. Deren Kindertanzgruppe erfreute ebenso wie weitere Darbietungen und türkische Spezialitäten.

Leider fehlte der Bühne am Wasserturm noch immer die gewohnte Plane als Dach. Der von der Stadtverwaltung bestellte Ersatz für das beschädigte Vorgängermodell ist noch nicht da, hieß es seitens der Organisatoren. Doch gegen den Gewittersturm am ersten Nachmittag der diesmal dreitägigen Feier hätte freilich auch das Sonnensegel über der Bühne nichts geholfen. „Eines der Zelte ist bei dem Unwetter zerstört worden“, sagte TIKV-Sprecher Taner Kayaalp. „Insgesamt sind wir aber sehr zufrieden, auch wenn wir uns ehrlich gesagt einen anderen Termin als das Pfingstwochenende gewünscht hätten“, zog er Bilanz.

Glasbläser aktiv

Davon jedoch unbeirrt sagte TIKV-Chef Sabit Uzun am Sonntagnachmittag: „Es war super.“ Hochzufrieden war Kayaalp mit dem erneut von ihm organisierten Kinderflohmarkt am Samstag. An allen drei Tagen zeigte ein Glasbläser aus der Türkei seine Kunst. Er hatte seinen Laden am Bosporus eigens geschlossen, um in die Römerstadt zu kommen. Ein Zuschuss des Dachverbands zur Kulturpflege machte auch weitere solcher Programmpunkte möglich.

„Um das Land, in das wir eingewandert sind, als unsere Heimat sehen zu können, müssen wir frei unsere Kultur und Religion leben können“, sagte Uzun in seiner Ansprache am Sonntag. Akzeptanz und Toleranz seien Grundsteine einer gesunden Gesellschaft: „Deshalb haben wir dieses Fest der Offenheit organisiert“, erklärte der örtliche TIKV-Vorsitzende. Seine Stellvertreterin und Tochter übersetzte die auf Türkisch gehaltene Rede anschließend ins Deutsche.

Dieses Vorgehen störte SPD-Stadträtin Ilse Schummer aus den Reihen der Ehrengäste: „Ich würde mich freuen, in der Ansprache des Vorsitzenden wenigstens drei Sätze auf Deutsch zu hören, um zu zeigen, dass die Integration erfolgt ist“, wandte sie sich an diese Zeitung. „Es hat mich nicht so sehr gestört wie Ilse Schummer, aber ich fände es schon gut, wenn die Ansprache in Deutsch stattfinden oder wenigstens simultan übersetzt würde, zumal Sabit Uzun sehr gut Deutsch spricht“, sagte auf Anfrage dieser Zeitung der Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck (SPD).

„Unser türkischstämmiges Publikum wünscht sich das so“, sagte Uzun zu der schon länger geübten Praxis, die Begrüßung im Anschluss übersetzen zu lassen. Auch Sprache sei Ausdruck von Kulturpflege. Immerhin habe Imam Menaf Sen zur Begrüßung einige Sätze auf Deutsch gesagt.

Vielfältiges Programm

Als Stellvertreterin des aus familiären Gründen verhinderten Bürgermeisters Stefan Schmutz hielt auch Gudrun Ruster eine Rede. „Sie haben sich dieses Jahr selbst übertroffen mit einem vielfältigen Programm, das den Besuchern Tradition und Brauchtum näherbringt: Mein Kompliment“, sagte die Stadträtin der Freien Wähler. Die Bereitschaft, die eigene Kultur zu pflegen und offen für die Kultur des anderen zu sein, bringe einander näher. pj