Ladenburg

Ladenburg/Schriesheim Schulabschlussfeiern in der Corona-Krise / Wunsch nach Alternativen / Erstmal stehen Prüfungen bevor

Umzug, Abi-Scherz und Ball – fällt das diesmal alles flach?

Archivartikel

Auch das ist Teil der Corona-Krise: Abschlussfeiern an den Schulen fallen aus. Das heißt: Keine Abi-Scherze und keine Sommer-Party nach dem Prüfungsstress. Ab Montag, 18. Mai, beginnen die Prüfungen, auch an anderen Schularten. Ob Zeugnisse irgendwie mit Abstand feierlich übergeben werden können, steht noch in den Sternen.

„Das ist total schade, aber im Moment ist das überhaupt kein Thema.“ Das sagt Hannelore Buchheister. Die Chefin des Carl-Benz-Gymnasiums (CBG) in Ladenburg hat der Jahrgangsstufe 2 schon zu Beginn der Krise signalisiert, dass die Abi-Feier ausfällt.

Jahrgangs-Motto steht schon fest

Anfangs sei die Enttäuschung groß gewesen. Die CBG-Direktorin hat inzwischen aber den Eindruck, dass die Schüler derzeit andere Probleme haben: „Einige finden es unter den gegenwärtigen Bedingungen sogar unzumutbar, das Abitur überhaupt zu schreiben“, weiß sie.

Buchheister geht jedoch davon aus, dass die Frage nach Alternativen zum bislang gewohnten Feiern „noch einmal zum Thema werden könnte, wenn alles geschrieben ist“. Zu einer etwas anderen Einschätzung kommt CBG-Schülerin Sophie Frank, die am 18. Mai mit Spanisch in die Abiturprüfungen startet: „Ich will es jetzt hinter mich bringen, und es ist blöd, dass der ganze Spaß danach ausfallen muss!“ Deshalb wünsche sich „eigentlich jeder an der Schule“, dass es in irgendeiner Form eine Zeremonie zum Abschluss geben möge.

Die 18-jährige Ladenburgerin gehört zum Vorstand der Schülermitverantwortung (SMV), war Schulsprecherin und wirkte im Abiballkomitee mit. Sie hat sich mit vielen Mitschülern über das Thema geplatzte Schulfeiern unterhalten und festgestellt, dass die meisten vollkommen einsehen würden, dass es Corona-bedingt unmöglich und jetzt erst einmal das Abitur hinzubekommen sei.

Zugleich bedauerten viele die Absage: „Man hat dem doch die ganze Schullaufbahn lang entgegengefiebert: dem Abi-Scherz, dem Umzug durch die Stadt, dem Wasser spritzen, den feierlichen Reden und der Zeugnisübergabe – und jetzt fällt es einfach weg.“

Trotz allem steht das Motto des Jahrgangs: „Abios Amigos – 12 Jahre Siesta, jetzt Fiesta!“ Denn auch, wenn aus dem Fest zum Abschluss der Schulzeit vorerst wohl nichts wird: Der schon längst ausgedachte Abschiedswunsch soll auf jeden Fall die Pullis des Jahrgangs schmücken. „Wenigstens das ist möglich“, seufzt Sophie und hofft, dass es doch eine Gelegenheit gibt, in einheitlichem Look den Triumphruf „Abi? 2020!“ erschallen zu lassen.

Ganz ähnlich ergeht es Kilian Wachter am Kurpfalz-Gymnasium Schriesheim (KGS). Unter Bezug auf die Schulsanierung lautet dort das Abi-Motto nach wie vor „ABIrissparty“. Man habe sich dafür entschieden, es nicht zu ändern: „Ich bin sicher, dass dieser besondere Abi-Jahrgang 2020 auch ohne Corona-Motto in Erinnerung bleiben wird.“

Auch der 18-jährige Schriesheimer Abiturient sagt im Gesrpäch: „Wir sind äußert traurig darüber, auf das bislang gewohnte Begleitprogramm zum Abschluss aller Wahrscheinlichkeit nach verzichten zu müssen.“ Viele hätten sich schon auf eine Abi-Reise gefreut, doch auch das sei nun hinfällig. Deshalb bemühen sich die Abiturienten jetzt, noch Mögliches fertigzustellen, wie beispielsweise das Abi-Buch. Ebenso wie Sophie Frank hofft Kilian Wachter, „irgendwann in Zukunft den Abiball möglicherweise nachholen“ zu können.

„Vielleicht hat man ja die Möglichkeit, im kleinen Kreis mit engsten Freunden zu feiern“, baut auch Leonie Neu auf eine Alternative. Die 15-jährige steht wie ihre Schulsprecherin Nike Sacher vor der Mittleren Reifeprüfung an der Merian-Realschule (MRS) Ladenburg.

Auch Realschule betroffen

Dort finden Motto-Woche und Abschlussfeier ebenfalls nicht statt. „Das finden wir persönlich sehr schade, denn es wäre noch einmal eine schöne Möglichkeit gewesen, mit allen zusammenzukommen und mit unseren Freunden einen letzten Blick auf die Zeit an der (Real-)schule zu werfen“, schreiben die beiden Jugendgemeinderätinnen gemeinsam per E-Mail. Doch räumen sie ebenso ein, dass „viele von uns auch einfach froh wären, vor allem die Prüfungen erfolgreich zu meistern“.

Doch zunächst sind sicher alle gespannt, wie der Wiedereinstieg in den Präsenzunterricht in diesen Tagen abläuft. Sophie findet es „seltsam“, dass nicht generell an allen Schulen eine Maskenpflicht gilt. Es sei aber „kurz vor den Prüfungen gut, in persönlichem Kontakt zu den Lehrern zu stehen“. Sie könne nachvollziehen, dass sich einige Sorgen machten wegen der Prüfungsumstände in Zeiten von Corona, aber „ich habe das nicht so oft gehört“, sagt Sophie.

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