Ladenburg

Ladenburg Drei CDU-Verbände feiern Tag der Deutschen Einheit mit Bernhard Vogel / Ex-Landesvater in West und Ost

„Unsere Zukunft liegt in der Einigkeit“

Archivartikel

Er gilt als Diplomat. Denn Bernhard Vogel schätzte als aktiver Politiker eher die leisen Töne. Damit steht er zwar im Gegensatz zu seinem älteren Bruder, dem einst für seine Temperamentsausbrüche bekannten früheren SPD-Chef Hans-Jochen Vogel. Das heißt jedoch nicht, dass der frühere CDU-Ministerpräsident zweier Bundesländer in West und Ost nichts zu sagen hätte. Ganz im Gegenteil. Im voll besetzten Ladenburger Domhofsaal fand der in Speyer wohnende Vogel klare Worte zum andauernden Prozess der Wiedervereinigung.

So forderte der 86-Jährige mit fester Stimme, geistig frisch und rhetorisch glänzend: „Wir müssen über die Gründe sprechen, dass die AfD im Osten mehr Wähler findet als im Westen.“ Weniger auf Programm und Führungspersonen der rechtspopulistischen Partei gelte es das Augenmerk zu richten, als vielmehr auf deren Wähler und die Frage, warum diese Denkzettel abgeben. Dass der Slogan der friedlichen Revolution, nämlich „Wir sind das Volk“, der letztlich vor 30 Jahren zum Mauerfall führte, heute von Rechtsgesinnten missbraucht werde, dem trat Bürgermeister Stefan Schmutz „mit Nachdruck entgegen“. Der Hausherr nannte es „Freude und Ehre“, dass sich Vogels Besuch auch mit einem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt verknüpfe.

Sympathiepunkte gesammelt

Als Schmutz dem geschätzten Gast schmunzelnd gestand, das „Parteibuch Ihres Bruders“ zu haben, lachte Vogel vergnügt mit dem Publikum. Er sammelte weitere Sympathiepunkte, als er begründete, warum er der Einladung der drei CDU-Verbände Ilvesheim, Ladenburg und Schriesheim „ausgesprochen gerne“ gefolgt sei: Möge Heidelberg, wo er in den frühen 60ern ja kurz Stadtrat war, auch mehr Bedeutung haben, sei jedoch Ladenburg „das ältere Siedlungsgebiet“. Ein weiterer Lacher, als er Schmutz entgegnete: „Ich freue mich über jeden, der das Parteibuch einer demokratischen Partei trägt, auch wenn es nicht das der meinen ist.“

Ganz im Ernst äußerte der brillante Redner jedoch den Wunsch, dass die SPD ihre gegenwärtige Krise überwinde, denn Deutschland brauche eine handlungsfähige Sozialdemokratie. Auch den Bundestagsabgeordneten Karl A. Lamers, Vogels „später Nachfolger“ als Kreisvorsitzender der CDU von 1985 bis 2003, sprach der frühere Landesvater an: „So lange wie Sie habe ich das nicht geschafft.“ Dafür gelang es Vogel aber als einzigem Politiker, mit Rheinland-Pfalz und Thüringen zwei Bundesländer insgesamt 23 Jahre lang zu regieren.

Die Zuhörer, Jung und Alt, hingen an seinen Lippen, als er zunächst einen Abriss der dramatischen Tage gab, als die Mauer fiel: „Der 9. November 1989 ist einer der ganz wenigen Tage, bei dem alle über 45-Jährigen wissen, wo sie am Abend gewesen sind.“ Er selbst war mit dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl auf Staatsbesuch in Polen. Am 1. Tag der Deutschen Einheit 1990 sei er „dankbar und stolz“ darauf gewesen, dass die CDU stets am Glauben an die Wiedervereinigung festgehalten habe. „Doch ich war immer sehr im Zweifel gewesen, ob ich es selbst erleben würde.“ Wie er dann sogar noch als Ministerpräsident von Thüringen ab 1992 elf Jahre lang am schwierigen „Umbau von Sozialismus auf soziale Marktwirtschaft“ mitwirkte, ergab ein weiteres spannendes Kapitel einer begeistert aufgenommenen Rede.

„Unsere Zukunft liegt in der Einigkeit, aber nicht in einem Einheitsdeutschland“, so Vogel. Für Bastian Schneider, den jungen Chef der Römerstadt-CDU, war dies die Botschaft des allseits gelobten Abends: „Nichts ist stärker als der Wille zur Freiheit, und trotz aller Gegensätze zwischen Links und Rechts, Jung und Alt, Stadt und Land gehören wir alle zusammen.“ Auch in seinem und im Namen ihrer Ilvesheimer Kollegin Sandra Bühler lud die Schriesheimer CDU-Vorsitzende Christiane Haase alle zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung 2020 in den Zehntkeller der Weinstadt ein.

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