Ladenburg

Ladenburg Hanna Fuchs-Brecht, Mutter zweier Kinder, will mit Gleichgesinnten eine eigene Bildungsstätte auf den Weg bringen

Unterricht in der Natur soll stressfrei fürs Leben fit machen

Gestern, 15 Uhr. „Goldener Oktober“. Die Sonne strahlt. „Was für ein schöner Tag“, sagt Hanna Fuchs-Brecht (Bild). „Wie schön, wenn Schüler bei so einem Wetter im Freien lernen könnten? Wie viel Freude würde ihnen das bereiten? Doch die Realität ist leider eine andere“, klagt sie: „Sie müssen drinnen sitzen.“ Das will die junge Mutter aus Ladenburg ändern: Mit Gleichgesinnten macht sie sich derzeit auf den Weg, eine „Draußenschule“ zu gründen.

Die Fotografin hat zwei Kinder, die in einem Waldkindergarten die inzwischen allgemein anerkannten Vorteile der Freiluft-Pädagogik bereits kennenlernen. „Es ist doch nicht nachzuvollziehen, dass dies mit Eintritt in eine Schule abbricht.“

Abfinden will sie sich damit daher nicht. Denn das Lernen im Freien birgt nach ihrer Ansicht und der ihrer Mitstreiterinnen nur Vorteile. „Bewegung ist weit wertvoller als das stundenlange Stillsitzen in einem beengten Raum“, sagt Mitstreiterin Carolin Rückert, studierte Grund- und Hauptschullehrerin und Waldpädagogin: „Und die Geräuschkulisse der Natur tut einfach gut.“

Daher hat die Gruppe ein pädagogisches Konzept entwickelt, das sich an die „Outdoor-Education“ anlehnt und zum Beispiel in Dänemark bereits geltendes schulisches Prinzip ist. Herzstück: Der Großteil des Unterrichts erfolgt im Freien.

Weiteres Kennzeichen: die Auflösung des nach Alters- und Leistungsstufen eingeteilten Klassenverbundes. In der „Draußenschule“ sollen die Altersstufen 1 bis 3 gemeinsam unterrichtet werden, dann jene zwischen 4 und 6, schließlich die von 7 bis 9. Ab Klasse 10 erfolgen die Prüfungen der Sekundarstufe jedoch außerhalb der „Draußenschule“: „Denn wir dürfen ja keine Prüfungen vornehmen“, erläutert Rückert.

Verzicht auf Notendruck

Denn mit Prüfungen verbunden wären Noten, doch der Verzicht darauf ist ein weiteres Kernelement ihres Konzeptes. „Ein System kann doch nicht gut sein, das bei Schülern und Eltern Angst erzeugt und schon bei Kindern zu einem Anwachsen des Konsums von Psychopharmaka führt“, lautet die Argumentation.

Jedoch werden auch hier Lernerfolge abgefragt – nicht in Form von „das Kind bewertenden Rückmeldungen“, sondern vor allem in intensiven Gesprächen mit den Schülern selbst und ihren Eltern. „Denn natürlich halten wir uns an den Bildungsplan des Landes.“

Derzeit sind die Initiatoren dabei, ihr pädagogisches Konzept detailliert schriftlich zu fixieren, um es im Frühjahr 2019 vorzulegen – Grundlage für die behördliche Genehmigung, eine Schule zu gründen. „Diese dauert zwischen zwei und neun Monaten“, weiß Fuchs-Brecht. Wenn also alles gut läuft, könnte der Unterricht zu Beginn des Schuljahres 2019/20 starten, im anderen Fall ein Jahr später. Allerdings nur, wenn eine weitere Voraussetzung hinzukommt: ein passendes Grundstück.

Idealerweise soll das Gelände am Rande eines Waldes oder einer naturnahen Fläche liegen. Und bereits ein Gebäude umfassen. „Denn natürlich benötigen wir auch eine feste Basis für unser Wirken.“ Schon alleine für den digitalen Unterricht, der den Initiatoren ebenfalls wichtig ist.

Gestartet werden soll mit zehn bis zwölf Schülern, am Ende sollen es insgesamt 60 sein. „Mehr ist nicht sinnvoll, will man das Konzept einer individuellen Betreuung umsetzen.“ Drei Lehrkräfte sind zunächst geplant, finanziert aus Elterngebühren und Spenden. „Erst ab dem vierten Jahr gibt es ja Zuschüsse vom Land.“ Getragen werden soll die Schule von einem Verein, der von den vorgeschriebenen sieben Gründungsmitgliedern bereits ins Leben gerufen wurde. Die Satzung wird nun beim Amtsgericht eingereicht, nach Genehmigung der Vorstand gewählt.

Schon jetzt wollen die Aktiven mit einem Pilotprojekt starten: Ab dem 19. Oktober sind sie jeden Freitag von 15.30 bis 17.30 Uhr mit Kindern in der Natur unterwegs. Zwei der sechs Plätze sind übrigens noch frei.

Info: Weitere Infos zum Projekt unter www.draussen.schule