Ladenburg

Neckar-Bergstraße Kultusministerin Susanne Eisenmann zu Gast beim "Sportpolitischen Frühschoppen" in Ladenburg / Zuständigkeit nicht nur beim Land

Vereine und Schulen rufen laut um Hilfe

Der Hilferuf der Vereine ist unüberhörbar: "Die Sportstättensituation ist katastrophal, aber wir haben eine ganz schlechte Lobby." Dies erklärte Andreas Hänssler (TSG Seckenheim). Das Vorstandsmitglied hielt eine richtige "Ruck-Rede": "Ich suche jemanden aus der Politik, der sich kümmert und sagt: Das ist mein Thema." Es gehe um nicht weniger als "gesunde Kinder".

Um das komplexe Thema "Schule und Verein" drehte sich der 2. Sportpolitische Frühschoppen des Sportkreises Mannheim. Prominenter Gast im Ladenburger Restaurant "Zum Steintrog": Susanne Eisenmann, Baden-Württembergs Ministerin für Kultus, Jugend und Sport.

"Mehr auf die Pauke hauen"

Doch dürften weniger ihr die Ohren geklingelt haben, als Bürgermeistern und Gemeinderäten: "Wir Sportvereine sind schlafende Riesen und sollten in den Städten und Gemeinden selbst mehr auf die Pauke hauen", fand nämlich auch Walfried Hambsch (Waghäusel), der Ehrenvorsitzende des Sportkreises Bruchsal, denn die Vereine leisteten Bildungs- und Erziehungsarbeit. Eisenmann sah für vieles, was die Vereine beklagten, nicht das Land als zuständig an. So sei es bedauerlich, wenn Kommunen ihre Hallen den Vereinen nicht auch in Ferienzeiten zur Verfügung stellten. Der Ladenburger Bürgermeister Stefan Schmutz drängte indes darauf, dass die geplante Investitionsförderung des Landes auch dem Neubau von kommunalen Sporthallen zu Gute kommen sollte.

Zur Frage von Sportkreis-Chef Michael Scheidel nach einer besseren Kooperation zwischen Schulen und Vereinen in Zeiten zunehmenden Ganztagsunterrichts stellte die Ministerin fest: "Manche Schule hegen Vorbehalte, externe Partner wie Sportvereine zu integrieren, was mir ein Rätsel ist." Darauf Einfluss zu nehmen, sei angesichts der Autonomie von Schulen nur begrenzt möglich. Man arbeite aber an diesem Thema, wobei es in der offenen Form der Ganztagsschule oft besser laufe als in der gebunden.

Eine Lanze für die Schulleitungen brach der Ladenburger SPD-Landtagsabgeordnete Gerhard Kleinböck: Eine derart große Organisationsleistung mit nur einer zusätzlichen Deputatsstunde zu bewältigen, sei schwierig.

"Die Ausstattung durch den Schulträger, die Kommune, ist das Problem", erklärte Direktor Holger Reusch vom Mannheimer Ludwig-Frank-Gymnasium die Lage aus Sicht einer Eliteschule des Sports. Als solche sei man offen für Kooperationen mit Vereinen, um Talente noch besser zu fördern. Dass die Eliteschulen des Sports "ein starkes Gut" seien, das man als Land weiter mittragen wolle, unterstrich Eisenmann.

Von Scheidel auf die zunehmende Anzahl von Nichtschwimmern unter Grundschülern und immer weniger Bäderfläche angesprochen, sagte sie jedoch: "Die Sorge ist sicher berechtigt, doch wird das Land nicht anfangen, Bäder zu bauen." Hier seien die Kommunen gefragt. Grundsätzlich stünden Eltern in der Verantwortung, ihren Kindern Schwimmunterricht zu ermöglichen, denn Schule sei "kein Reparaturbetrieb der Gesellschaft".

Erst als sich Rainer Bade (Integrierte Gesamtschule Mannheim-Herzogenried) wünschte, "stärker schulbezogen Stellen auszuschreiben", konnte Eisenmann zustimmen: "Das ist nachvollziehbar, da werde ich mich drum kümmern." pj