Ladenburg

Ladenburg 40 Jahre Theaterinitiative unter dem Dach der VHS / Darstellerinnen aus drei Generationen tauschen Erfahrungen aus

„Viel Emotion muss im Spiel sein“

Archivartikel

Es ist Abend. Drei Frauen aus drei Generationen sitzen in Alltagskleidung an einem einfachen Holztisch. Es sind Schauspielerinnen der Theaterinitiative Ladenburg (TiL). Der 40. Geburtstag der Truppe steht an. Die Erfahrenste, Ulrike Christmann, ist seit der Gründung im Jahr 1978 aktiv. Tabea Bühler, mit 21 die Jüngste in der Runde, wirkt erst zum zweiten Mal mit. Anne Glombitza gehört seit 2010 dazu. Die drei bereiten auch die Ausstellung zum Jubiläum vor: In der „Pflastermühle“ des Ladenburger Jugendzentrums „Kiste“, wo die TiL seit 38 Jahren Stücke inszeniert, sichten sie Fotos. Da treffen Presseleute ein. Ihre Fragen lösen Erinnerungen und Reflexionen aus.

Ulrike Christmann: Diese Aufnahmen sind toll. Seht mal: Zu unserem ersten Stück, das war 1980 Brechts „Kleinbürgerhochzeit“, gab es Schmalzbrote. Das konnte man damals eigentlich nur in der „Kiste“ machen, wo alles ein bisschen wild war. Aber wir haben trotzdem noch bis 1988 in der VHS, also der Volkshochschule, geprobt. Damals waren auch Gründungsmitglied Heike Pfisterer sowie Christa Pittner und Rainer Buchinger, die bis heute mitwirken, schon dabei. War das immer eine Schlepperei mit den Bühnenbildern! Doch hat uns die damalige VHS-Leiterin Eva-Maria Scheffel immer schwer gefördert.

Tabea Bühler: Damals war ich noch gar nicht geboren. Als Schülerin am Carl-Benz-Gymnasium hatte ich zwar früher schon etwas Bühnenluft geschnuppert. Aber dass ich bei meiner erst zweiten Inszenierung mit der TiL 2018 die Hauptrolle der „Anne Frank“ übernehmen darf, freut mich sehr. Es fällt mir leicht, in diese zwiespältige Rolle zu schlüpfen. An der TiL begeistert mich das hohe Niveau und dass an jeder Szene lange gefeilt wird, damit es beim Publikum gut ankommt.

Christmann: Ich habe schon als Kind, Jugendliche und Studentin gerne Theater gespielt, sogar an meinem Studienort in Frankreich.

Anne Glombitza: Ich war schwanger und schon Lehrerin, als ich noch eine Theaterausbildung absolviert habe. Vor acht Jahren bin ich zunächst als Regieassistentin zur TiL gestoßen. 2011, bei Büchners „Maria Tudor“, musste ich für eine Wettbewerbsaufführung in der Pfalz einmal als Livezeichnerin an einem Overheadprojektor für den Mannheimer Künstler Mehrdat Zaeri einspringen, weil er terminlich verhindert war. Davor hatte ich dermaßen Schiss, aber es hat geklappt. Danach wollte ich als Schauspielerin auch die andere Seite kennenlernen.

Christmann: Wir haben früher alles selbst gemacht. Am liebsten hätte ich auch noch Stücke geschrieben. Besonders gerne spiele ich Charaktere, die nicht eindeutig sind. Ich hatte oft Rollen wie die eifersüchtige Titania in Shakespeares „Sommernachtstraum“ von 1991, bei denen ich nicht sehr sympathisch war.

Glombitza: Meine bisherige Lieblingsrolle war die der „Barb“ in „Eine Familie: Im August in Osage County“ von 2015, ein tolles Stück.

Bühler: Bei den aktuellen Proben zu „Das Tagebuch der Anne Frank“ musste ich weinen, weil mich das Stück so bewegt.

Christmann: Es muss immer möglichst viel Emotion im Spiel sein.

Bühler: Emotionen, wie man sie aus dem echten Leben kennt, in die Rolle zu bringen, das ist für mich auch das Faszinierende am Theater spielen. Ich staune oft, was da aus mir herauskommt.

Christmann: Gut, dass jetzt Jüngere kommen. Wenn ich bedenke, dass wir in den 90er Jahren mal kurz vor dem Ende standen.

Bühler: Die Mischung aus Jüngeren und Älteren macht es doch aus: Wir profitieren alle voneinander. Ulrike Christmann ist zum Beispiel total der Ruhepol für mich.

Glombitza: Ich schätze das Generationenübergreifende bei der TiL sehr. Schön, dass nach Fabienne Dursy ebenso Tabea Bühler aus meiner früheren Literatur- und Theater-AG am CBG bei der TiL gelandet ist. Auch David Schmidt gehört zu den ganz jungen und steht jetzt schon vor seiner vierten Premiere mit der TiL am Samstag, 28. April.