Ladenburg

Ladenburg Junge Frau berichtet über Erfahrungen mit den Notrufnummern 110 und 112 nach einem Unfall

„Wenn es brennt und keiner abnimmt, das wäre fatal“

Archivartikel

Montag, 21. Januar, etwa 21.30 Uhr: Zwei Autos kollidieren an der Kreuzung Wallstadter Straße / Jahnstraße. Es gibt keine Verletzten, nur Blechschaden. Trotzdem möchten die Beteiligten, dass die Polizei den Unfall aufnimmt. Barbara Merkel (Name auf Wunsch der jungen Frau von der Redaktion geändert) wählt per Handy die 112, denn: „So habe ich es in der Schule gelernt.“ Doch vergebens: „Es hat über eine Minute geklingelt, aber keiner ging ran“, berichtet sie dem „MM“.

Einer der beiden Unfallgegner aus dem anderen Auto wählt nach Erinnerung von Barbara Merkel die 110, hundertprozentig will sie sich aber darauf nicht festlegen. „Auch da ging niemand ran.“ Dann ruft einer der beiden Männer das Polizeirevier Ladenburg an. Dort wird abgenommen, wobei die junge Frau das Gespräch selbst nicht mithört. Der Mann erzählt ihr: Der Polizist habe gesagt, man sei beschäftigt, habe anderweitig zu tun und könne frühestens in eineinhalb Stunden vor Ort sein. Barbara Merkel: „Es war minus sechs Grad. Und wir wollten nicht eineinhalb Stunden lang in der Kälte stehen.“ Deshalb machte das Trio Bilder von der Unfallstelle, tauschte die Personalien aus, und beschloss, alles selbst mit den Versicherungen zu regeln.

Doch eins beschäftigt Barbara Merkel nach wie vor: „Es war für mich erschreckend, dass wir weder auf der 112 noch auf der 110 Antwort bekamen. Denn wenn es brennt und keiner abnimmt, dann wäre das fatal.“

Was ist schiefgelaufen? Jürgen Wiesbeck, Chef der Integrierten Leitstelle Rhein-Neckar in Ladenburg, hat Barbara Merkels Handynummer zur Prüfung erhalten und das Ergebnis seiner Nachforschungen dem „MM“ übermittelt: Das Telefonsystem weise keinen Anruf mit der fraglichen Handynummer aus. Dabei: „Jeder an der Anlage eingegangene Ruf, auch wenn er nicht angenommen würde, wird dort regelhaft aufgezeichnet.“ Das Fazit von Jürgen Wiesbeck: „Für uns ist deshalb der geschilderte Vorgang am 21. Januar nicht plausibel erklärbar.“ Eine weitere Prüfung könnte eventuell durch den Provider von Barbara Merkel erfolgen.

Anrufe unter der 110 kommen bei der Polizei an. Dennis Häfner, Pressesprecher des Präsidiums Mannheim: „Vielleicht haben viele Menschen angerufen, dann dauert es eine Weile, bis es eine freie Leitung gibt.“ Allerdings arbeiten in der Notrufzentrale zwischen acht und zwölf Personen. Und wenn trotzdem alle besetzt sind, werde ihnen digital der Eingang eines weiteren Notrufs angezeigt. „Wir prüfen den Fall gern nach“, so Dennis Häfner. Allerdings benötige man dazu die Telefonnummer des Mannes, der angerufen hat. Der aber will sich zu der Angelegenheit nicht äußern, erzählt Barbara Merkel.

Bleibt der Anruf beim Polizeirevier Ladenburg. Dessen Chef Peter Oechsler bestätigt den Eingang des Telefonats. Seinen Angaben zufolge waren die Streifenwagenbesatzungen wegen der Suche nach einer vermissten Person und wegen eines Brandes unterwegs. „Das hat höhere Priorität als ein Unfall mit Sachschaden.“ Und es handle sich um zeitaufwendige Einsätze. Deshalb habe der Dienstgruppenleiter darauf hingewiesen, dass es länger dauern könne, bis jemand zur Unfallaufnahme komme.