Ladenburg

Ladenburg AG Barrierefrei setzt sich aktiv für Ruhebänke mit Aufstehhilfe ein / Stadt: Bushalte und Bibliothekszugang in Arbeit

Wichtige Impulse zu mehr Mobilität

Archivartikel

Keine Ruhebank wie jede andere: Die Sitzfläche kippt beim Zurücklehnen leicht nach hinten und bewegt sich wieder nach vorne, sobald man sich erheben möchte. Das neue Stadtmöbelstück mit Aufstehhilfen, Armlehnen und Fußauflagen im Wert von 2800 Euro tut besonders Menschen mit körperlichen Einschränkungen gut. „Die ersten Rückmeldungen sind sehr positiv“, sagt Wiebke Ullrich von der Arbeitsgruppe (AG) Barrierefrei beim Pressetermin. Sie und weitere Aktive haben fleißig Spenden gesammelt.

So konnten – Halbe-Halbe mit der Stadt Ladenburg – insgesamt drei solcher Bänke angeschafft werden. Das erste Exemplar steht bereits an der Stadtmauer nahe des Parkplatzes Neue Anlage und der Bushaltestelle Am Graben. Die beiden anderen werden nach Angaben der Stadtverwaltung an der Bachauenlandschaft und am Waldparkzugang in der Schriesheimer Straße platziert. Weitere sollen folgen. „Wir bitten deshalb um weitere Spenden auf das Konto der Stadt“, ruft Ullrich zum Mitmachen auf. Nach Auskunft der Pressestelle im Rathaus wurden ergänzende Mittel in den städtischen Haushalt eingestellt. Als wünschenswert erachtet die AG Sitzbänke mit Aufstehhilfe auch an Neckarfähre und Hexenturm sowie auf Friedhof und Marktplatz.

Sitzgelegenheit für alle

„Es geht darum, immobilen Menschen, die sich zum Beispiel auf dem Weg zum Einkaufen hinsetzen müssen, die Chance zu geben, sich auszuruhen“, erklärt Ullrich. „Daumen hoch für die ergonomisch geformten Sitzplätze“, kommentiert Joachim Weber auf Anfrage dieser Zeitung das Angebot. „Das Holz ist sehr schön und der Sitzkomfort angenehmer als bei Drahtgitter“, stellt Ingrid Tischler Vorzüge heraus. Diese seniorenfreundlichen Bänke seien für alle Bürger da. „Es steht auch keine Altersangabe dran“, fügt Weber schmunzelnd hinzu.

Für Beratung und finanzielle Unterstützung dankt Bürgermeister Stefan Schmutz der AG Barrierefrei, die zuverlässig dabei helfe, diesem Anspruch gerecht zu werden: „Wir haben das Ziel, unseren Bürgern so viel öffentliche Teilhabe wie möglich zuzugestehen.“ Deshalb sollen bis 2022 auch alle Bushaltestellen in Ladenburg schrittweise umgebaut werden, sodass Ein- und Ausstieg auf einer Ebene möglich sind, wie Schmutz bei dieser Gelegenheit ankündigt. Bislang sei erst der Stopp an der Benzstraße soweit. Den Ausbau der Bushalte Carl-Benz- sowie Ankerplatz habe der Rhein-Neckar-Kreis gerade genehmigt.

Auch ein bequemerer Zugang von der Hauptstraße zur Stadtbibliothek ist in Planung: „Eine technisch machbare Variante wird derzeit ausgearbeitet, weil der bisherige Weg für Rollstuhlfahrer umständlich ist“, erklärt Schmutz. „Wir haben weitere Barrieren in der Altstadt aufgelistet und wollen erreichen, dass bis zu zwei Stufen in Geschäfts- und Lokaleingängen mit beweglichen Rampen ausgestattet werden, die um die 180 Euro kosten“, schildert AG-Sprecherin Ullrich weitere Initiativen. Sie hat recherchiert, dass 22,5 Prozent der Ladenburger, also fast ein Viertel, über 60 ist. Mehr als jeder Zehnte gilt als gehandicapt.

„Die AG ist ein wichtiger Impulsgeber für eine Bevölkerungsgruppe, die wächst“, weiß Schmutz. Deshalb hat er ein offenes Ohr für ein weiteres Anliegen aller, die auf Rollstuhl, Rollator oder Kinderwagen angewiesen sind: „Das Kopfsteinpflaster sollte überall so beschaffen sein wie im renovierten Teil der Kirchenstraße“, findet Ullrich. Vor allem in der Eintrachtgasse sei es dringend nötig, bekräftigt Pia Weber. Für Schmutz dürfen Denkmalschutz und Barrierefreiheit „kein Widerspruch“ sein. Doch seien diese Maßnahmen mit großem Aufwand verbunden und ließen sich nur schrittweise abarbeiten. „Es hat sich ja schon einiges getan“, findet Ingrid Tischler.