Ladenburg

Ladenburg 15 Stellungnahmen zum Nordstadt-Bebauungsplan / Anwohner befürchten Lärm und Schadstoffe / Liste mit 71 Unterschriften

Widerspruch aus Weihergärten wegen Heizwerk und Verkehr

Ein Bewohner des Ladenburger Wohngebiets Weihergärten erhebt ernst zu nehmende Einwände gegen den Bebauungsplan für das geplante Neubauviertel Nordstadt. Stein des Anstoßes ist vor allem die vorgesehene Heizzentrale zur Versorgung des Plangebiets entlang der Weinheimer Straße mit Wärmeenergie. Der promovierte Ingenieur befürchtet in seinem Widerspruch, der dieser Zeitung vorliegt, aufgrund der „Lage und Art“ des Heizwerks erhebliche Belastungen durch Schadstoffe und Lärm. Dies sieht er bei der Planung nicht ausreichend berücksichtigt.

Allerdings ist zum jetzigen Zeitpunkt noch offen, mit welchen Medien die Wärmeerzeugung erfolgt: „Die konkrete Ausschreibung der Wärmeversorgung und das Betreiberkonzept müssen noch vom Gemeinderat entschieden werden“, teilt Stadtbaumeister André Rehmsmeier auf Anfrage des „Mannheimer Morgen“ mit. Wie er betont, spricht sich die Stadtverwaltung für einen Betreiber aus, der langfristig den günstigsten Preis für die Abnehmer gewährleisten könne. In jedem Falle sei ein höherer Umweltstandard als in der aktuell gültigen Energie-Einsparverordnung anzustreben.

Einspruchsfrist endet heute

Doch vorsorglich teilen laut einer Unterschriftenliste bereits 71 Nachbarn die aufgeführten Einwände. Denn der geplante Standort des Heizwerks oberhalb des Pferdehofs befindet sich kaum 100 Meter entfernt von den Häusern, die am gegenüberliegenden Stahlbühlring und Am Bildstock in der Hauptwindrichtung stehen. Zudem befürchten diese Anwohner erhöhte Lärmpegel aufgrund der gutachterlich vorhergesagten Zunahme der täglichen Autofahrten vor allem auf dem nördlichen Teil der Weinheimer Straße. Es wird deshalb ebenso angeregt, eine Schallschutzwand an der Kreisstraße zu errichten oder eine direkte Anbindung des Wohngebiets an die nördliche Umgehungsstraße L597 herzustellen.

Seit dem 4. Dezember liegt der Entwurf zum Bebauungsplan des Büros Sternemann und Glup öffentlich aus. Heute, 12. Januar, endet die Einspruchsfrist. Auf Anfrage teilte die Stadtverwaltung am Mittwoch mit, dass bislang 15 Stellungnahmen von Bürgern, Fachverbänden und Behörden vorliegen. Jedoch hätten einige Fachbehörden um Fristverlängerung gebeten. „Inhaltlich geht es um die Themen bauliche Ausnutzung, Anregungen zur barrierefreien Gestaltung, Verkehr, Immissionsschutz, Nahwärmeversorgung sowie Arten- und Naturschutz“, fasst Rehmsmeier zusammen.

Für die Bedenken aus den Weihergärten sind neben dem Verkehr vor allem Standort und Betrieb des vorgesehenen Heizwerks am nordöstlichen Rand des Plangebiets ausschlaggebend. Zwar sei die Abgasbelastung einer solchen zentralen Anlage im Vergleich zu Einzelheizungen insgesamt niedriger einzuschätzen. Doch je nach Windrichtung fielen die zu erwartenden Immissionen in einzelnen Bereichen der Weihergärten höher aus. Laut Erläuterungen zum Planentwurf sind „weitestgehend regenerative Brennstoffe und eine Unterstützung durch Solarthermie“ vorgesehen. Der Standort des Heizwerks wurde so gewählt, dass dieser für die „Anlieferung von Brennstoffen mit Lastzügen anfahrbar“ ist.

Werde womöglich mit Holzschnitzeln- oder -Pellets geheizt, sei zusätzlich eine erhebliche Belastung an Feinstaub und weiteren spezifischen Schadstoffen zu befürchten, so die Sorge der Anwohner. Eine dann zwingend erforderliche Entstaubungsanlage gehe mit zusätzlichem Lärm einher. Dies berücksichtige die schalltechnische Untersuchung zum Bebauungsplanverfahren aber nicht. Als akzeptable Alternative kämen Erdgas oder ein Blockheizkraftwerk in größerer Entfernung von der bestehenden Bebauung in Betracht.

Gemeinderat berät Vorschläge

Als nächstes werden alle Stellungnahmen ausgewertet. „Der Gemeinderat erhält zu jeder Anregung einen Abwägungsvorschlag seitens der Verwaltung“, erklärt Rehmsmeier das weitere Prozedere. In einer öffentlichen Sitzung werden diese Abwägungs- und gegebenenfalls Änderungsvorschläge beraten und entschieden. Dann erst beschließt der Gemeinderat den Bebauungsplan endgültig in Form einer Satzung.