Ladenburg

Ladenburg Brasilianischer Liederabend im ausverkauften Glashaus / Hygienemaßnahmen bestens umgesetzt

„Wie schön, dass Ihr hier seid“

Archivartikel

„Es war so schön, wieder auf der Bühne zu stehen.“ Sängerin Jutta Gückel ist auch nach dem Konzert noch ganz begeistert: „Das war unser erstes Konzert seit vier Monaten, das musste raus.“ Das Konzert wirkte für sie nach monatelanger Corona-Pause wie eine Erlösung, wie eine Befreiung: Gückel trat gleich barfuß auf, barfuß an Rio’s Strand, Musik von der Copacabana. Zusammen mit den beiden brasilianischen Musikern Zélia Fonsecca und Angela Frontera trat sie im Glashaus im Ladenburger Waldpark auf für einen musikalischen Streifzug durch die brasilianische und deutsche Kultur.

Und sie waren nicht die Einzigen, die monatelang warten mussten auf ein Live-Konzert. Dem Publikum ging es in den vergangenen Monaten auch nicht besser, so verwunderte es nicht, dass das Konzert restlos ausverkauft war. Und das machte Hanna Fuchs-Brecht, die Vorsitzende der Initiative im Waldpark, ein wenig nervös: „Ich brauch einen Schnaps“, erklärte sie vor dem Konzert, denn, „es ist unsere Premiere, es ist unser Jahresauftakt, es ist unser erstes Konzert dieses Jahr.“ Und dass stellte den Verein vor zusätzliche Herausforderungen, denn die Umsetzung der Corona-bedingten Hygienemaßnahmen war nicht ganz einfach. Es ging Fuchs-Brecht und ihrer Nervosität auch weniger um ihre kurze Ansprache als vielmehr um das praktische Gelingen ihrer Maßnahmen. Aber als alle Zuschauer an ihren Plätzen saßen und sie die Masken abnehmen konnten, als klar war, dass das Konzept funktionierte, war auch sie erleichtert, das Konzert konnte beginnen.

Fürs Publikum alles gegeben

„Wie schön, dass Ihr hier seid, und wie schön, dass wir hier sind“, wie Sängerin Jutta Gückel unter tosenden Applaus die Gäste begrüßte. Die ehemalige Dozentin der Pop-Akademie hatte sichtlichen Spaß, endlich wieder (barfuß) auf der Bühne zu stehen. Sie hätte es nicht sagen brauchen, dass sie für das Konzert alles für das Publikum geben wollen, das kam auch so rüber.

Schon beim ersten Lied war klar, dass dies ein besonderes Konzert werden würde, und da hatte Gückel mit ihrer schönen facettenreichen Stimme einen maßgeblichen Anteil. Sie kam dabei durchaus an die Operndiva Anne Sophie von Otter heran und erinnerte mit ihrem Timbre bisweilen an die bemerkenswerten Pop-Aufnahmen der von Otter. Das galt für ihre eignen deutschen Lieder ebenso wie für die brasilianischen, da war sie eine wahre musikalische Botschafterin der beiden Länder.

Neben ihr stand die Sängerin und Gitarristin Zélia Fonseca, wobei nicht klar war, wer jetzt wen mehr ansteckte, wer jetzt wen mehr inspirierte, zu noch mehr Höhen trieb. Es war jedenfalls eine faszinierende Kombination: Fonseca brachte die brasilianische Kultur nach Ladenburg mit, allen voran ihren geliebten Maracatu-Rhythmus, den sie als den besten Rhythmus hält, noch vor Samba oder Reggae. Leicht brütende Hitze im Glashaus, die Grillen zirpten, mit ihrer Stimme und ihrem Spiel hätte Ladenburg auch südlich des Äquators liegen können.

Ihre Lieder thematisierten die sozialen Probleme Brasiliens, sie zeugten von Angst und von Hoffnung auf bessere Zeiten. Das gab Fonseca auch zwischen den Liedern zum Besten, als sie den brasilianischen Präsidenten Bolsonaro scharf kritisierte. Und dann war noch Angela Frontera auf der Bühne, die Brasilianerin aus Sao Paulo feierte ihre eigene Premiere an diesem Abend: Zum ersten Mal spielte die Schlagzeugerin in dieser Band. Und die musikalische Visitenkarte, die sie abgab, die werden Gückel und Fonseca so schnell wohl nicht mehr hergeben. Der brasilianische Rhythmus liegt ihr einfach im Blut, das war gleich nach den ersten Takten und Liedern schon klar, spätestens aber nach einem Gitarren- und Schlagzeugsolo im Maracatu-Rhythmus, da hatte sie die Herzen der Fans schon erobert.

So mancher Gast konnte da schon kaum das Tanzbein ruhig halten, richtig schmerzlich wurde es aber erst mit Fonsecas Erklärung, beim brasilianischen Tanz solle man wortlos miteinander verschmelzen: Das hätten viele in dem Augenblick und bei der Musik gerne getan, auch in der wunderbaren Tradition des Glashauses, aber Corona fesselte sie als reine Zuhörer auf die Stühle. Und das war vielleicht, trotz allem Schmerz, auch gut so, denn diese bemerkenswerte Musik hat für den vollen Genuss Ruhe und Konzentration gebraucht, die drei Musiker waren einfach zu gut, um ihre Musik zu vertanzen.

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