Ladenburg

Ladenburg Erzählernachmittag des Heimatbunds zum 175. Geburtstag von Carl Benz am 25. November

Winfried Seidel geht Sprit nie aus

Archivartikel

Wenn der Technikpionier Carl Benz wüsste, dass heute vielen Deutschen sogar Tempo 130 auf Autobahnen noch zu langsam wäre... Als seine Frau Bertha und die beiden Söhne bei der ersten Überlandfahrt mit einem motorisierten Dreirad gemächlich unterwegs auf Feldwegen die Pferde scheu machten, dachte der Erfinder nämlich so: „Geschwindigkeiten von mehr als 50 Stundenkilometern würden Menschen Schaden zufügen.“ Es bleibt nicht der einzige Einblick in die Benz-Welt, den Winfried A. Seidel in der Alten Kochschule in Ladenburg gewährt.

Wir sind zu Besuch beim jüngsten Erzählernachmittag des Geschichtsvereins Heimatbund. Einen Katzensprung von der einstigen Benz-Villa am Wasserturm entfernt, duftet es nach Kaffee und Gebäck. Erinnerungen werden ausgetauscht. Regelmäßig dreht es sich hier um lokalgeschichtliche Themen, zu denen sich Zeitzeugen und Fachleute äußern, um ihr Wissen für die Nachwelt aufnehmen zu lassen. Anlässlich des 175. Geburtstages von Benz am 25. November spricht Seidel und damit der Benz-Experte schlechthin: Er betreibt das Automuseum in der historischen Benz-Fabrik unweit der nahe gelegenen Eisenbahnbrücke.

Als einige der knapp 30 Zuhörer zur Kaffeemilch greifen, erinnert Seidel an die „Lackerts Lis“: Elisabeth Trill-Lackert, die 2012 mit 97 Jahren gestorben war, belieferte als jugendliche Landwirtstochter noch die Familie Benz mit frischer Milch. Denn der elterliche Bauernhof befand sich ja nahezu an Ort und Stelle. Wie Seidel fühlt sich auch Helmut Brand der Familie Benz „eng verbunden“: Der frühere Realschulrektor ist der Enkelsohn der früheren Kantinenwirtin der damaligen Römerstadtfirma C. Benz Söhne. Brandts Großvater mütterlicherseits war bereits bei Benz in Mannheim Maschinist gewesen und hatte für diesen Job in der angesagten Boomtown das Provinznest seiner Frau bei Karlsruhe verlassen. Über diese und etliche weitere Details staunt selbst Seidel nicht schlecht.

Eigene Rundfunksendung

Wie Benz als Fabrikant voraussah, dass das ursprüngliche Werksgelände in der Quadratestadt bald zu klein werden würde, wie er von der Bevormundung durch seine Partner mehr und mehr genug hatte und in Ladenburg schon ab 1898, also sechs Jahre vor seinem Zuzug, mehrere Grundstücke kaufte, schildert Seidel kenntnisreich.

Heimatforscher Horst Müller steuert bei, dass seinem Großonkel Ignaz Vogel einst der Bauernhof gehörte, aus dessen Bruchsteinen die heute älteste Garage der Welt wurde. Doch im Mittelpunkt stehen zahllose Erlebnisse rund um historische Benzfahrzeuge, die Seidel auch in seiner eigenen Rundfunksendung „Radio Oldtimer“ im Internet zum Besten gibt. Seine Recherchen haben ergeben, dass der legendäre Medizinprofessor Sauerbruch einst in einem Benz-Söhne-Wagen aus Ladenburg in der Schweiz unterwegs war. Gerade hat Seidel in Wien 1000 Briefe und Karten aus dem Benz-Nachlass erworben: „Das wird spannend auszuwerten.“ Es gibt also noch genügend Stoff für viele weitere Erzählernachmittage zum Thema Benz in Ladenburg. pj

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