Ladenburg

Ladenburg Mutter, Sohn und Enkel: Drei Angehörige der Familie Ruster sitzen für die Freien Wähler im neuen Gemeinderat

„Wir machten ein Angebot, und die Wähler haben entschieden“

Dass künftig drei Angehörige der Familie Ruster – Mutter, Sohn und Enkel – im Gemeinderat sitzen, ist Gesprächsthema in Ladenburg. Sie haben drei von vier Sitzen der Freien Wähler errungen. Von „Clansystem“ und „Familienherrschaft“ ist manchmal die Rede. Dafür zeigt das Ruster-Trio im Gespräch mit dem „Mannheimer Morgen“ kein Verständnis.

Sven Ruster, im Gemeinderat seit 2014: „Direkt am Wahltag kam eine Gemeinderätin auf mich zu und sagte, wie schlimm das wäre, und das wir jetzt einen Sitz abgeben müssten. Aber das ist doch das Votum der Wähler, dafür brauche ich mich nicht zu entschuldigen.“ Und er fährt fort: „Wenn es rechtlich nicht möglich wäre, hätten wir das natürlich nicht gemacht.“ „Das geht schon länger, dass mehrere Angehörige einer Familie in den Gemeinderat können“, bekräftigt Gudrun Ruster, die der Bürgervertretung seit 1999 angehört: „Früher durften aber noch nicht mal Mann und Frau im Gemeinderat sitzen.“ Nochmals Sven Ruster: „Wir machten ein Angebot, und die Wähler haben entschieden.“

Drei Familienmitglieder im Gemeinderat: Den Rusters ist kein vergleichbarer Fall bekannt. 2005 kam die Änderung, die der Familie die Bahn frei machte. Seither ist es nämlich laut Kommunalwahlrecht in Gemeinden über 10 000 Einwohnern erlaubt, dass nahe Verwandte zusammen im Gemeinderat sitzen. Vorher lag die Grenze bei 20 000 Einwohnern.

Einsatz für Jugendliche

Wer hatte die Idee zur Kandidatur des 20-jährigen Tim Ruster? „Die kam von mir selbst“, antwortet der Student. Im Jugendgemeinderat, wo er als stellvertretender Vorsitzender aktiv war, sammelte er erste Erfahrungen in Sachen Kommunalpolitik. Als junger Stadtrat will sich Tim Ruster für seine Altersgenossen einsetzen: „Wir sind die Jugend, und wir wissen, was Jugendliche in Ladenburg brauchen. Wir wollen die Stadt für die Jugend attraktiver machen.“ Auch künftig will er engen Kontakt zum Jugendgemeinderat halten.

Tim Ruster ist überzeugt davon, dass die Kandidatur junger Ladenburger deren Altersgenossen verstärkt an die Wahlurnen gebracht hat: „Da Jüngere aufgestellt waren, haben auch mehr Jüngere gewählt. Und ich habe viel Resonanz bekommen von Jungen, die sich freuen, dass Jugendliche im Gemeinderat sitzen. Ich habe ihnen angeboten, mich mit ihnen zu treffen, falls es Fragen oder Forderungen gibt.“ Vater Sven Ruster ist froh, dass künftig einige Jüngere im Gemeinderat sitzen: „Wenn man mit fast 44 Jahren der Jüngste war, dann ist es gut, wenn Jüngere kommen.“

Dass die Tätigkeit im Gemeinderat viel Arbeit mit sich bringt, ist Tim Ruster klar. Das weiß er ja auch von Vater und Großmutter. Da er zudem seine Ausbildung zum Physiotherapeuten in Mannheim und sein Fernstudium im Fachbereich Medizinalberufe absolvieren muss, wird die Freizeit knapp werden. Medizinalberufe? „Da geht es um Beratung, zum Beispiel, wie man eine Praxis aufbaut, wie man sie führt und wie man wirtschaftlich arbeitet.“

Könnten es in fünf Jahren noch mehr Rusters im Gemeinderat werden. Sven Ruster lacht: „Wenn überhaupt, dann steht nur mein zweiter Sohn zur Debatte. Gehen würde es, der ist jetzt 18. Aber er hat kein Interesse. Und wir wollen es ja nicht übertreiben.“