Ladenburg

Ladenburg/Ilvesheim Aufregende drei Literaturtage erfolgreich zu Ende gegangen / Alle schwärmen von der Atmosphäre

„Wir wollen so weitermachen“

Inmitten blühenden Grüns gesellten sich Bienen zu den Bücherwürmern. Ein Musiker aus Aachen summte in sein Saxofon. Im Gegensatz zu dieser Traumkulisse stand die Geschichte von Trauer und Abschied, welche die Deutsch-Französin Sylvie Schenk im Ladenburger BUND-Garten und im Park der Ilvesheimer Heinrich Vetter-Stiftung erzählte. Trotz oder gerade wegen solcher Kontraste: „Das ist das tollste Literaturfestival der Welt“, jubelte Rainer Döhring vom Kulturzentrum Pflastermühle, das als Lesungsort in der Römerstadt Premiere feierte.

„Wir wollten mutig nicht nur heile Welt-Literatur präsentieren, sondern die ganze Bandbreite“, sagte Rainer Ziegler vom ehrenamtlichen Organisationsteam der 3. Literaturtage. Es müsse nicht alles jedem gefallen. „Wir haben uns und das Publikum nicht geschont und uns die Welt in unser beschauliches Städtchen geholt“, erklärte Mitmacherin Carolin Callies. In der Galerie Linde Hollinger dauerte die Lange Lyriknacht, unter anderem mit der Poetry-Performerin Rike Scheffler, bis zum Sonnenaufgang.

2000 Besucher

Noch viel mehr Aufregendes geschah bei der dritten Auflage von „vielerorts“. Und mit diesmal 2000 Besuchern kamen sogar 600 mehr als im Vorjahr, wie die Veranstalter mitteilten. Allerdings habe man mit 2800 Euro die Spendensumme des Vorjahres (4000 Euro) nicht erreicht. Doch hoffe man, nachträglich noch etwas zu erhalten. Auch 2020 soll der Eintritt dank Sponsoren frei sein.

Nach begeisternden drei Tagen voller hochkarätiger Literatur an herrlichen Örtlichkeiten stand fest: „Wir wollen genauso weitermachen.“ Auch deshalb: „Gespräche und Austausch waren großartig“, so Anne Glombitza vom Orga-Team, zu dem ferner Kristin Wolz, Thomas Nestler, Annette Weber-Wermke, Alexander Spangenberg und Antje Kietzmann zählten. Ein zauberhafter Privatgarten am Bach: „Ludmilla Zwickzwack“ landete einen Volltreffer bei der Familienlesung. „Ich finde die Litertaturtage fantastisch“, sagte Sibyl Stein und bekannte, gerne Gastgeberin für rund 40 ihr teils unbekannte Besucher zu sein. „Diese Literaturtage machen etwas mit Ladenburg – auch aus diesem Grund“, fand Callies.

Die Berliner Kinderbuchautorin Sybille Hein hatte Schlagzeuger Ra´fat dabei. Sie verwandelten den gepflegten Rasen in eine Hexenküche zum Mitmachen – ein Heidenspaß für Kinder. Auch Jugendliche kamen nicht zu kurz: Manja Präkels machte ihnen ein spannendes Angebot, sich mit der jüngeren deutschen Zeitgeschichte und den „Dorfnazis“ in der früheren DDR auseinanderzusetzen. Das kam vormittags im Carl Benz-Gymnasium ebenso gut an wie spätabends beim Pflastermühle-Publikum.

Volles Haus auch im Automuseum Dr. Carl Benz: Die deutsch-argentinische Autorin María Cecilia Barbetta bewegte mit ihrer Geschichte vor dem Hintergrund der Militärdiktatur in Argentinien. Das Publikum hing an ihren Lippen. Moderatorin Wolz glänzte bestens informiert. Dabei musste sie in Rekordzeit 521 Seiten lesen, da die ursprüngliche Autorin abgesagt hatte. Die Kulisse passte perfekt, da der Roman teils in der Autowerkstatt des deutschen Großvaters von Barbetta im Buenos Aires der 70er Jahre spielt. Ebenso am richtigen Ort landete Anselm Oelze, nämlich im voll besetzten Lobdengau-Museum: Ist doch eine seiner Romanfiguren ein Museumsnachtwächter. Erstmals war die Martinsschule Schauplatz: Die Schüler Nina, Kenan und Alexander trugen Gedichte von Kristin Wolz vor. Sie präsentierte ihren neuen Gedichtfotoband „En passant in Ladenburg“ mit dem Pianisten Wolfram Sauer (Seckenheim). „Ich bin sowas von begeistert“, sagte Ziegler. Und Wolz freute sich auch darüber: „Alle, Autoren ebenso wie Besucher von außerhalb, schwärmen von der Atmosphäre.“

Info: Fotostrecke unter morgenweb.de/ladenburg