Ladenburg

Ladenburg Stadt und Polizei starten Kampagne gegen Geschwindigkeitsüberschreitungen in der Altstadt

Zunächst nur Information statt Geldbuße

Archivartikel

„Das ist ein Thema, das die Ladenburger umtreibt“, weiß Bürgermeister Stefan Schmutz aus seinem Alltag. Die Verwaltung will daher den ruhenden und fließenden Verkehr in der Altstadt noch besser kontrollieren. Zu diesem Zweck hat sie bereits einen neuen Mitarbeiter eingestellt und gestern vor Ort gemeinsam mit der Polizei eine Informationskampagne für Autofahrer gestartet.

Was selbst Einheimische nicht immer beachten oder vielleicht auch gar nicht wissen: In der Ladenburger Altstadt herrscht „Schrittgeschwindigkeit“. Und darunter versteht man nicht, wie mancher glauben mag, 30 Stundenkilometer, sondern nur sieben. Das ist natürlich vor allem mit Automatikfahrzeugen nicht einfach zu fahren, wie Autoexperten wissen. Und so wird es denn auch zu wenig eingehalten: „Wir bekommen viele Beschwerden von Anwohnern“, berichtet Schmutz dem „MM“.

Um exaktes Datenmaterial zu gewinnen, wurde vor kurzem die Zahl und die Geschwindigkeit der Fahrzeuge genau gemessen. „90 Prozent waren schneller als Schrittgeschwindigkeit, teilweise um ein Vielfaches“, berichtet der Bürgermeister: „Die Spitze lag bei um die 50 Sachen.“

Eine anschließende Blitzer-Aktion, die vom Landratsamt genehmigt werden musste, brachte nicht viel: Nur zehn Verstöße wurden aktenkundig. „Es hat sich offensichtlich schnell herumgesprochen, wo der Blitzer stand“, vermutet Schmutz. „Die Solidarität der deutschen Autofahrer untereinander ist unübertroffen“, ergänzt Revierführer Peter Oechsler lächelnd.

Und da überzeugen ohnehin besser ist als sanktionieren, entschlossen sich Stadt und Polizei zu einer Informationskampagne. Die Verwaltung erneuerte zu diesem Zweck den bereits 2004 mit dem Bund der Selbstständigen (BdS) aufgelegten Flyer unter dem schönen Motto „Mit Köpfchen auf dem Kopfstein“, der nun erneut verteilt werden soll.

Erste Gelegenheit dazu bestand gestern Vormittag: Mit acht Mann bezog die Polizei zwischen 7 und 11 Uhr am Marktplatz Station – mit der generell vorgeschriebenen schusssicheren Weste angesichts von mehr als 30 Grad übrigens kein Vergnügen. 170 Autofahrer, 50 Radler und 40 Fußgänger wurden angesprochen. „Die Resonanz war ausgesprochen positiv“, bilanziert Oechsler.

Verstöße können teuer werden

Gemessen und geahndet wurde gestern also noch nicht, aber das wird sich in Zukunft ändern. Und Verstöße können unangenehm werden: Tempo 15 kostet hier 15 Euro, und mit 50 Stundenkilometern gibt es bereits zwei Punkte. Und wer mit 70 Sachen rast (was auch schon vorgekommen sein soll), der ist mit 680 Euro und einem Fahrverbot dabei.

Was mancher nicht weiß: Diese Vorgaben gelten auch für Radfahrer. Wer also mit dem Drahtesel zu schnell ist, zahlt nicht nur das gleiche Bußgeld, sondern muss, wenn er einen Autoführerschein besitzt, mit Punkten in Flensburg rechnen.

Doch nicht nur der fließende, auch der ruhende Verkehr macht der Stadt Sorgen. „Wir registrieren regelmäßig Verstöße gegen das Parkverbot, so dass die Feuerwehr nicht mehr durchkommen würde“, berichtet Schmutz. Das soll nun stärker kontrolliert werden, auch abends. Dafür hat die Stadt seit kurzem eine neue Kraft: Bernd Noll-Hussong.

Bauliche Maßnahmen, um Falschparken und Rasen einzudämmen, sind nach Einschätzung von Schmutz ausgeschöpft: „Straßenverengungen und Blumenkübel – da ist nicht mehr drin“, sagt er.

Seit Jahren immer wieder in der Diskussion ist, das Übel an der Wurzel packen, sprich: Die Autos aus der Altstadt fernhalten. Beim Reizbegriff „Fußgängerzone“ hält Schmutz sich bewusst bedeckt: „Das ist eine Frage, die in einem intensiven Dialog gedreht und gewendet werden müsste.“ Klar ist jedoch auch für ihn: „Aufenthaltsqualität und Autoverkehr – das sind zwei gegensätzliche Pole.“