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Immobilien Mit dem „Grand Tower“ entsteht in Frankfurt das derzeit höchste Wohngebäude Deutschlands / Fast alle Einheiten verkauft

19 000 Euro pro Quadratmeter

Archivartikel

Frankfurt.Gerade hat das deutsche Finanzzentrum mit großem Aufwand die Einweihung der neuen Altstadt mit seinen 15 Rekonstruktionen und 20 Häusern in historischem Stil am Frankfurter Römer gefeiert. Das Ensemble – Kostenpunkt rund 200 Millionen Euro – gibt den Blick frei in die Vergangenheit der Stadt. Währenddessen eröffnet sich an anderer Stelle die Zukunft: Die Skyline Frankfurts wird immer dichter, die Zahl der futuristischen Gebäude mit mehr als 150 oder 200 Metern Höhe wird immer größer.

Erst kürzlich haben rund 700 Gäste das Richtfest für eines der spektakulärsten Objekte gefeiert, das die Investoren und Bauherren folgerichtig auf den Namen „Grand Tower“ getauft haben. Unweit der Frankfurter Messe im Stadtteil an der Europa-Allee – dort wo früher Güterzüge rollten – entsteht das derzeit höchste Wohngebäude Deutschlands.

172 Meter ragt der Turm mit insgesamt 51 Etagen in den Frankfurter Himmel. Jede der 418 Wohnungen hat einen Balkon. Sie kleben wabenförmig am Gebäude. Schon jetzt ist der Grand Tower ein weiteres Wahrzeichen der Stadt. „Das Gebäude hat Landmark-Potenzial“, schwärmte Jürgen Blankenberg, Geschäftsführer des Projektentwicklers gsp Städtebau. Offizielle Angaben über die Investitionssumme gibt es nicht – es dürften stattliche, mehrere 100 Millionen Euro sein.

2019 sollen die Ersten einziehen

Ein Investment, das sich offenbar lohnt. „94 Prozent der Wohnungen sind verkauft“, sagt Wilhelm Brandt von der Agentur Markenguthaben, die das Objekt betreut. Durchschnittspreis pro Quadratmeter: 8700 Euro. Derzeit ist unter anderem noch eine „Traumwohnung“ mit zwei Zimmern und „großem“ Balkon zu haben, 60 Quadratmeter für jeweils 11 000 Euro, also insgesamt 666 000 Euro.

Am teuersten war es im großen Turm logischerweise ganz oben in fast 170 Metern Höhe. Für ein Appartement in Etage 47 mit einer Fläche von 574 Quadratmetern dürfte der Käufer bei einem Quadratmeterpreis von 19 000 Euro knapp elf Millionen Euro auf den Tisch gelegt haben. Am günstigsten ist es ganz unten im ersten Stock. Da kostet der Quadratmeter „nur“ 5700 Euro.

Fast 60 Prozent der Wohnungskäufer sind Deutsche, 18 Prozent kommen aus Asien, elf Prozent aus dem arabischen Raum. Wie viele Banker darunter sind, ist unbekannt. Der Brexit und ein möglicher Umzug von Investmentbankern von der Themse an den Main spielt nach Angaben von Brandt beim Grand Tower keine Rolle.

Den künftigen Bewohnern wird Luxus satt geboten, nicht nur in den Appartements. In 141 Metern Höhe gibt es ein Sonnendeck, in der siebten Etage einen großzügigen privaten Garten und ganz oben in 172 Metern Höhe eine Aussichtsplattform. 2019 sollen die ersten Bewohner in den mit Glas und Aluminium verkleideten Turm einziehen können.

Sie können dann täglich einen Blick werfen auf die in Deutschland einmalige Skyline mit derzeit rund 30 Türmen von mehr als 100 Metern Höhe – an der Spitze die Zentrale der Commerzbank mit 259 Metern (plus eine Antenne von 41 Metern) und der Messeturm mit knapp 257 Metern. Rund 20 weitere Türme sind aktuell im Bau, für Bürozwecke und für teure Appartements.

Zwei Dutzend sollen zudem in Planung sein. Bis zu 200 Meter wird es dabei in den Frankfurter Himmel gehen. „Global Tower“, „Omniturm“, „One Forty West“, „Blue Horizon“ und „Four Frankfurt“ lassen Mainhattan dem Vorbild jenseits des Atlantiks schon in den nächsten Jahren wieder ein kleines Stück ähnlicher werden. Am spektakulärsten dürfte derzeit „Four Frankfurt“ sein, ein Komplex mit vier Hochhäusern, der dort für rund eine Milliarde Euro hochgezogen wird, wo einst die Deutsche Bank ihre Investmentbanker untergebracht hatte. Deren Bau ist längst abgerissen.

Kontrast zur historischen Altstadt

Der spektakulärste Turm des Ensembles direkt im Zentrum mit 72 Etagen wird 228 Meter in die Höhe ragen. 600 Wohnungen für rund 1000 Menschen entstehen in den Türmen – Motto „Wolken werden zu Nachbarn“. Büros für 4000 Beschäftigte, zwei Hotels und 25 Bars und Restaurants runden den Komplex als Kontrast zur gerade unweit eröffneten neuen historischen Altstadt ab. 2023 soll „Four Frankfurt“ fertig sein.

Der Commerzbank-Tower direkt gegenüber wird auch dann den derzeitigen Plänen zufolge der höchste Turm der Frankfurter Skyline bleiben. In den neunziger Jahren sollte es in Mainhattan eigentlich mal deutlich höher hinaufgehen – auf 369 Meter beim damals geplanten Millennium-Tower. Investieren wollte ein gewisser Donald Trump aus New York. Kaum zu erwarten, dass die Pläne wieder aus der Schublade geholt werden.