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Rathaus Marian Schreier (SPD) strebt in Stuttgart Nachfolge von Fritz Kuhn (Grüne) an

29-Jähriger will OB werden

Archivartikel

Stuttgarter.Ein Durchstarter strebt nach dem Chefsessel im Stuttgarter Rathaus: Der 29-jährige Marian Schreier (SPD), seit vier Jahren Bürgermeister in der 4500-Einwohner-Stadt Tengen (Landkreis Konstanz), will in der Landeshauptstadt Fritz Kuhn (Grüne) als Oberbürgermeister (OB) beerben. „Stuttgart ist meine Heimatstadt. Hier bin ich 1990 geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen“, begründet Schreier seine Kandidatur für die Wahl im November 2020.

Wobei von einer richtigen Kandidatur noch nicht die Rede sein kann. Denn Schreier nennt eine Voraussetzung für diese: Er wolle nur antreten, wenn ihn seine Parteifreunde von der Stuttgarter SPD unterstützen. Doch diese hat noch überhaupt kein Verfahren zur Aufstellung eines Kandidaten für die Wahl festgelegt –und ist damit ein gutes Stück davon entfernt, sich auf eine Person zu einigen. Auch der amtierende OB Kuhn will erst im Januar erklären, ob er sich für eine weitere Amtszeit bewirbt. Schreier jedenfalls ist sich trotz der Ungewissheiten seiner Sache sicher. Er sieht sich in der Pflicht, den nächsten Schritt zu wagen –auch wenn dieser ein gewaltiger ist.

„Gerade meine Generation, die von unseren heutigen Entscheidungen, sei es mit Blick auf den Klimaschutz, die Mobilität oder die digitale Transformation, am stärksten betroffen sein wird, sollte in den kommenden Jahren Verantwortung tragen“, erklärt Schreier, der auch im Landesvorstand der SPD sitzt. Und Stuttgart sei er schließlich bis heute sehr verbunden – so würden dort seine Eltern leben. Schreier gilt als großes politisches Talent. Er ist aufgewachsen am Kräherwald, im Westen der Stadt, er ging aufs Eberhard-Ludwigs-Gymnasium, war dort im Debattierclub und engagierte sich als Jugendrat.

Jüngster Bürgermeister

Dann zog es ihn nach Tengen im Hegau an die Schweizer Grenze, wo er 2015 mit 25 Jahren zum damals jüngsten Bürgermeister Deutschlands gewählt wurde. Erster Windpark im Kreis Konstanz, Digitalisierung der Verwaltung, Gründung einer Genossenschaft zur Sicherung der ärztlichen Versorgung – Schreier zählt seine Erfolge im beschaulichen Tengen auf.

In Stuttgart will er dann am großen Rad drehen. Um die Wohnungsnot zu bekämpfen, schlägt er unter anderem die Gründung einer Stiftung vor. Diese soll Bauland und Gebäude erwerben, um Immobilienspekulationen zu vermeiden. Und zur Umsetzung des Milliardenprojekts Opernsanierung möchte er Konzepte in einem Bürgerforum erarbeiten. Werde er von der SPD nominiert, wolle er „mit einer Art politischem Start-up“ die Bürger digital beteiligen – und so die besten Ideen für die Stadt erarbeiten.

In der Stuttgarter SPD ist man allerdings vom forschen Vorgehen des jungen Mannes wenig begeistert. Laut dem Kreisvorsitzenden Dejan Perc will man erst im Laufe des ersten Quartals 2020 über die Person entscheiden, mit der man ins Rennen gehe. Und die Ankündigung Schreiers? „Das ist ein ungewöhnliches Vorgehen – und eher irritierend als positiv“, so Perc. Aber es stehe natürlich jedem frei, sich für das Amt zu bewerben.

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