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Forst Landwirtschaftsminister Peter Hauk stellt einen Notfallplan zur Rettung auf / Investitionen auch in Wissenschaft und Forschung

40 Millionen Euro für den Wald

Archivartikel

Stuttgart.Wie geht es weiter mit dem Wald im Südwesten? Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) hat einen Notfallplan erarbeitet. Eine Bestandsaufnahme.

Wie groß ist die Waldfläche in Baden-Württemberg?

Im Vergleich zu anderen Bundesländern relativ groß. Rund 38 Prozent des Gesamtfläche macht in Baden-Württemberg der Wald aus. Das sind mehr als 1,37 Millionen Hektar. Etwa 40 Prozent des Waldes gehören Städten und Gemeinden, 36 Prozent sind in Privatbesitz und fast 24 Prozent sind Staatswald.

Wie ist der Zustand des Waldes?

Dürre, Hitze, Unwetter und Borkenkäfer stellen auch die rund 240 000 Waldbesitzer in Baden-Württemberg vor große Herausforderungen. Sie fürchten wegen der klimatischen Bedingungen um den Wald als Wirtschaftsfaktor. Landwirtschaftsminister Peter Hauk (CDU) spricht von Schäden im dreistelligen Millionenbereich. Aus der Antwort von Hauks Behörde auf eine Anfrage des CDU-Forstexperten Patrick Rapp geht hervor, dass geeignete Standorte für Fichten auch bei mittleren Erwärmungsszenarien immer mehr verloren gehen werden. Tannen sollten mittelfristig hingegen nur noch in höheren Lagen mit mehr Niederschlägen angepflanzt werden. Die Buche ist die Baumart, die noch am resistentesten ist. Mehr als 50 Prozent des Baumbestandes in Baden-Württemberg sind Buchen oder Fichten.

Welche größeren Schäden gab es im Südwesten in den vergangenen Jahrzehnten?

In Baden-Württemberg gelten die Orkane Lothar 1999 sowie die Orkane Vivian und Wiebke 1990 als herausragende Schadensereignisse. 1999 gab es eine Schadfläche von rund 50 000 Hektar, 1990 waren es rund 23 000 Hektar. Zwischen den Jahren 2003 und 2018 kam es dann immer wieder zu langen Hitze- und Trockenperioden.

Wie reagiert das Land?

Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) erklärte zuletzt, er wolle das Waldsterben zur Chefsache machen. Hauk kündigte einen Notfallplan an, den er am kommenden Montag mit Vertretern aus Wissenschaft, Umwelt, Naturschutz, Forstwirtschaft sowie der kommunalen Landesverbände und der Bauernverbände diskutieren will.

Was ist zentraler Bestandteil des Notfallplans?

Hauk fordert im Doppelhaushalt 2020/2021 pro Jahr 40 Millionen Euro für den Wald. Dies muss er jetzt erst in den Verhandlungen über den Etat innerhalb der Landesregierung durchsetzen. Da der Klimaschutz in der politischen Agenda momentan weit oben ist, stehen die Chancen hierfür gut. Bei einem Teil der 40 Millionen Euro handelt es sich um eine Kofinanzierung des Landes. Dies ist möglich durch die angekündigten Nothilfezahlungen, die vom Bund kommen. Die Gesamtsumme ist jedenfalls wesentlich höher als ursprünglich vorgesehen. Bislang hatte Hauk für den Doppeletat einen Mehrbedarf von zehn Millionen Euro angemeldet. Mit zwei Millionen Euro jährlich sollen Wissenschaft und Forschung im Bereich „Wald und Klimawandel“ gefördert werden.

Wie stellt sich die Personalsituation dar?

Hauk möchte mit 200 zusätzlichen Stellen die Forstverwaltung auf allen Ebenen stärken. Zudem soll der Pakt für Ausbildung für die Forstwirte vom Land fortgeführt werden. Damit plant der CDU-Landwirtschaftsminister, bis 2024 pro Jahr 100 Forstwirte auszubilden.

Was ist noch geplant?

Laut dem Notfallplan soll neben der Klimaforschung auch das Krisenmanagement besser unterstützt werden. Zudem sollen alle Akteure besser vernetzt und regionalisierte Wald-Erhaltungskonzepte erarbeitet werden. Weiter will das Land die Beratung und Betreuung der Waldbesitzer ausweiten. Bis zum Frühjahr 2020 will Hauk einen „Masterplan Wald“ erarbeiten.

Was sagt der Naturschutz?

Brigitte Dalhbender, Landeschefin des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (BUND), übt Kritik. „Herr Hauk legt nicht dar, wie der Wald mit seinen Baumarten in Zeiten des Klimawandels umgebaut werden soll. Ich bezweifle auch, dass die Personalstellen ausreichend sind“, sagt Dahlbender. Generell sei aber positiv, dass die Politik hier aktiv werde.

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