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Langzeitarbeitslosigkeit Studie soll Aufschluss über Gründe und Lösungsansätze geben

54 000 Menschen ohne Aussicht auf Anstellung

Wiesbaden.Trotz eines stetigen Rückgangs der Menschen ohne festen Job bleibt die Zahl der Langzeitarbeitslosen unverändert hoch. Die Experten der hessischen Regionaldirektion der Arbeitsagentur haben in einer Studie versucht, den Ursachen auf den Grund zu gehen und Lösungsansätze zu formulieren. Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:

Wann wird von Langzeitarbeitslosigkeit gesprochen?

Eine Person wird dann als langzeitarbeitslos eingestuft, wenn sie ein Jahr und länger ohne feste Anstellung ist.

Welche positiven Erfahrungen haben Betriebe mit Langzeitarbeitslosen gemacht?

Die Personalleiterin des Globus SB-Warenhauses in Limburg, Sina Walsch, berichtet von positiven Erfahrungen. Sechs Langzeitarbeitslose wurden seit 2015 bei dem Warenhaus für das Einräumen der Waren in die Regale eingestellt – vier sind noch im Unternehmen beschäftigt. Die Leute seien sehr motiviert und nach vielen gescheiterten Bewerbungen einfach glücklich, endlich wieder eine feste Anstellung zu haben. Es dauere zwar unterschiedlich lange, bis sie eine volle Arbeitskraft seien. Die Leute seien aber selbst bei höherem Betreuungsbedarf von Anfang an voll in die Teams integriert.

Berichten Betriebe auch über negative Erfahrungen?

Braumeister Manfred Kolbeck von der Darmstädter Privatbrauerei Braustübl berichtet hingegen von einer schwierigen Integration eines 46-jährigen Langzeitarbeitslosen, der als Maschinenbediener und Flaschensortierer eingestellt wurde. Seit seinem Start im April habe er bereits mehr als vier Wochen gefehlt; teils entschuldigt, teils unentschuldigt. Der Mann habe Probleme, sich an Strukturen zu halten und auch Ratschläge anzunehmen. Das bringe Unruhe in das bestehende Team. Ob die Probezeit verlängert werde, sei daher noch ungewiss.

Wo muss im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit angesetzt werden?

„Ein Schulabschluss und eine erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung bleiben eine Versicherung vor Arbeitslosigkeit“, versichert Behördenleiter Frank Martin. Mehr Berufspraktika in den Abschlussklassen der Hauptschulen und ein stärkerer Datenaustausch mit den Schulen bei potenziellen Schulabbrechern würde sich der Experte wünschen. Er macht sich auch für finanzielle Anreize stark, damit Menschen auch nach einer mehrjährigen Zeit ohne Arbeit etwa eine Ausbildung absolvieren. Die Lücke zwischen diesem Verdienst und Hartz IV sollte ausgeglichen werden. Dazu wäre jedoch eine gesetzliche Regelung auf Bundesebene nötig. Der DGB fordert die Landesregierung auf, aktiv zu werden und den Ausbau von öffentlich geförderter Beschäftigung auf den Weg zu bringen.

Was ist das größte Problem im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit?

Je länger die Zeit ohne Arbeit dauert, desto geringer wird die Chance auf einen geregelten Job. Laut der Studie liegt die Wahrscheinlichkeit, im nächsten Monat Arbeit zu finden, für jene, die vier Jahre oder länger arbeitslos sind, bei einem Prozent.

Wie hoch ist der Anteil derer, denen geringe Chancen auf eine Eingliederung zugetraut wird?

Die Zahl der Menschen ohne Job lag im Juni in Hessen bei fast 152 000, 54 000 davon gelten als langzeitarbeitslos. Mehr als neun Prozent der Betroffenen sind seit länger als 48 Monate ohne Anstellung. lhe