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Bildung Pädagogenmangel an den Grundschulen besonders groß / Erhebliche regionale Unterschiede / Opposition kritisiert Versäumnisse

790 Lehrer fehlen zum Schuljahresbeginn

Stuttgart.Wenn der Unterricht am Mittwoch nächste Woche an den Schulen im Südwesten beginnt, werden etwa 790 Lehrerstellen nicht besetzt sein. Dies erklärte Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) am Donnerstag in Stuttgart. Sie gehe allerdings davon aus, dass sich die Zahl bis Ende September auf 500 Stellen reduziere. „Aber natürlich sind wir mit der Situation nicht zufrieden“, sagte sie.

Die meisten Lehrkräfte werden an den Grundschulen fehlen. Das Land hatte zum Schuljahr 2019/2020 insgesamt rund 5800 Stellen zu besetzen. Laut Eisenmann sei dies vor allem deswegen nötig gewesen, weil viele Pädagogen in Pension gegangen seien. Aber auch Ausfälle wegen Beurlaubungen sowie Eltern- oder Pflegezeiten hätten kompensiert werden müssen.

Allerdings gibt es regionale Unterschiede. So ist der Mangel in den Lehrämtern für Grund-, Werkreal-, Haupt- und Realschulen laut Eisenmann in den Landkreisen Esslingen, Rems-Murr, Konstanz, Tuttlingen, Rottweil, Schwarzwald-Baar und Waldshut besonders groß.

Heidelberg und Freiburg gefragt

Man arbeite intensiv daran, diese Regionen abzudecken, und greife auf Maßnahmen wie Versetzungen oder befristete Verträge zurück, so Eisenmann. Allerdings sei es ein Problem, dass jüngere Lehrer oft nicht bereit seien, für eine Stelle außerhalb ihres Wunschortes umzuziehen. Die Einstellungswünsche würden sich in Städten wie Freiburg oder Heidelberg ballen. Viele Lehrkräfte hätten aktuell noch keines der Stellenangebote angenommen. Beim Lehramt Grundschule seien es 220, bei den Gymnasien sogar 1700.

Wie groß das Problem gerade an den Grundschulen ist, zeigt die Tatsache, dass den etwa 1500 zu besetzenden Stellen lediglich rund 1000 neu ausgebildete Lehrkräfte gegenüberstehen. Daher versucht Eisenmann weiterhin, Gymnasialkräfte dazu zu bewegen, nach dem Erwerb einer Zusatzqualifikation an Grundschulen zu unterrichten. Dieses Angebot haben für das kommende Schuljahr bislang rund 100 Lehrkräfte angenommen. Um die Situation zu verbessern, hat die Landesregierung die Zahl der Grundschullehramtsstudienplätze von 970 im Jahr 2016 auf jetzt 1650 erhöht.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) forderte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) dazu auf, den Lehrermangel zur Chefsache zu machen. SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei warf Eisenmann Versäumnisse vor – unter anderem bei der Erhöhung der Krankheitsreserve. Diese „hätte schon zu diesem Schuljahr um 20 Prozent auf 2000 Lehrkräfte aufgestockt werden können“, so Fulst Blei. FDP-Politiker Timm Kern sagte, dass Eisenmann auf Fehler der Vergangenheit verweise, gleiche einem Akt der Verzweiflung.

Der Philologenverband begrüßte hingegen, dass Schulen künftig beim Ausfall einer Lehrkraft schon nach einer Woche Ersatz beim Regierungspräsidium anfordern können. Bisher konnte ein Ersatz erst nach einem Lehrerausfall von mindestens drei Wochen beantragt werden.

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