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Bauen Studie ergibt nahezu flächendeckenden Mangel im Südwesten

88 000 Wohnungen zu wenig

Stuttgart.In Baden-Württemberg wächst der Wohnungsmangel. Allein in den letzten fünf Jahren bis 2015 wurden 88 000 Wohnungen zu wenig gebaut. Zu diesem Ergebnis kommt das Forschungsinstitut Prognos, das den Wohnungsmarkt im Auftrag des Stuttgarter Wirtschaftsministeriums untersucht hat. Um diese Lücke zu schließen und die weiter wachsende Nachfrage zu befriedigen, müssten in den nächsten Jahren jeweils 65 000 Wohnungen gebaut werden. Dazu wäre eine Verdopplung der Bautätigkeit notwendig. Denn für 2016 weist die amtliche Statistik nur 32 750 Neubauwohnungen aus, was ein leichter Rückgang gegenüber den 33 500 Fertigstellungen im Jahr 2015 war.

Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) will die brisante Studie am kommenden Montag bei einem Treffen der Wohnraum-Allianz mit Vertretern der Kommunen und der Bauwirtschaft diskutieren. Gestern hat die CDU-Ministerin eine Zusammenfassung der Ergebnisse an die Beteiligten verschickt.

Der Wohnungsmangel verteilt sich nach Ansicht der Experten regional sehr ungleich. Allein ein knappes Drittel der 88 000 nicht gebauten Wohnungen würden auf die Region Stuttgart entfallen. Gemessen am Wohnungsbestand sei die Lücke in den Groß- und Universitätsstädten am größten. In Freiburg würden fünf Prozent Wohnungen fehlen, in Stuttgart 4,2 Prozent, in Mannheim 3,3 und in Heidelberg 2,8 Prozent. Betroffen seien aber auch viele ländliche Regionen. "Der Mangel an Wohnraum ist in Baden-Württemberg aufgrund der breiten Wirtschaftsstärke sehr flächendeckend ausgeprägt", heißt es in der zehnseitigen Zusammenfassung.

Die Prognos-Experten sehen niedrige Bau- und Grundstückskosten als "entscheidenden Hebel für mehr bezahlbaren Wohnraum". Gegenüber der finanziellen Förderung erhalte in der Niedrigzinsphase die Flächengewinnung wachsende Bedeutung. Es müssten mehr Bauplätze in Orten mit guten Betreuungsangeboten, vielen Arbeitsplätzen und guter Verkehrsanbindung erschlossen werden. Land und Kommunen sollten den Investoren Vorgaben für die Berücksichtigung von Familien und Geringverdienern bei der Wohnungsvergabe machen.

Die Experten halten eine schnellere Planung und Genehmigung von Bauanträgen für erforderlich und empfehlen dazu eine Reform der Landesbauordnung. Eine Vereinfachung der Prozesse könne auch die Kosten senken. Bisher sperren sich die Grünen gegen Absenkungen von Standards, etwa die Vorgaben für Fahrradstellplätze.