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Innenministerium Zahl der Delikte steigt um sieben Prozent / Polizeipräsidium Mannheim landesweit am stärksten betroffen

960 Diebstähle im Südwesten

Archivartikel

Stuttgart.In Baden-Württemberg wurden im vergangenen Jahr 960 Autos gestohlen – mit 130 die meisten davon im Gebiet des Polizeipräsidiums Mannheim. Das geht aus einer Landtagsanfrage von FDP-Rechtsexperte Nico Weinmann an das Stuttgarter Innenministerium hervor, die dieser Zeitung vorliegt. Weinmann fordert, die Koordination bei der Jagd nach den Dieben zu verbessern. Die besten Präventionsmaßnahmen nützten wenig, „solange sich die Hintermänner besonders im osteuropäischen Ausland vor einer Strafverfolgung und einer Auslieferung nach Deutschland in Sicherheit wähnen“, sagt der Heilbronner FDP-Politiker. Deswegen sei eine konsequente Strafverfolgung nötig.

Laut Innenministerium gab es im Südwesten in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt jeweils 1042 Autodiebstähle. Im Jahr 2018 lag die Zahl mit 960 Fällen zwar etwas unter dem Fünf-Jahres-Schnitt, stieg aber im Vergleich zu 2017 um sieben Prozent an, als mit 896 Delikten ein Tiefstand bei den Autodiebstählen im Südwesten erreicht wurde. Der Schaden lag in den vergangenen fünf Jahren zwischen 15 und 21 Millionen Euro pro Jahr – im Schnitt waren es knapp 17,7 Millionen Euro jährlich.

Große regionale Unterschiede

In Baden-Württemberg gibt es beim Autodiebstahl große regionale Unterschiede: Auf das Polizeipräsidium Mannheim, das die meisten Delikte im vergangenen Jahr vermeldet hat, folgt laut Innenministerium das Polizeipräsidium Freiburg mit 116 Delikten, Karlsruhe mit 95 und Heilbronn mit 91. Im Schnitt der Jahre 2014 bis 2018 wurde in der Zuständigkeit dieser vier Polizeipräsidien die meisten Fahrzeuge gestohlen. In anderen Regionen ist das Problem geringer. So meldet das Polizeipräsidium Konstanz für 2018 insgesamt 58 Fälle – oder auch das Präsidium in Stuttgart lediglich 50. Den höchsten Schaden im vergangenen Jahr meldet das Heilbronner Polizeipräsidium mit einer Summe von mehr als 2,5 Millionen Euro. Das heißt, in Heilbronn verursachte jeder Autodiebstahl im Schnitt einen Schaden von rund 28 300 Euro – der höchste Wert im Landesvergleich.

Als Grund nennt das Präsidium vor Ort eine Reihe von hochwertigen Fahrzeugen mit Keyless-go-Funktion, die in jüngster Vergangenheit gestohlen wurden. Weinmann pocht hier allerdings darauf, exaktere Kenntnisse über die Diebstähle zu erhalten – und fordert, mehr Informationen über die Hintergründe der Delikte zu bekommen.

Das Innenministerium verweist in der Antwort darauf, dass es vor allem darum gehe, die Hintermänner internationaler Diebesbanden zu ermitteln. „Hierzu bestehen seitens des Landeskriminalamts enge Verbindungen zu Europol, den gemeinsamen Zentren der Polizei- und Zollzusammenarbeit in Swiecko (Polen) und Petrovice (Tschechien) sowie direkte Kontakte zu tschechischen, polnischen beziehungsweise litauischen Polizei- und Justizbehörden“, schreibt Wilfried Klenk, Staatssekretär im Haus von Ressortchef Thomas Strobl (beide CDU). Hintergrund der Intensivierung der Zusammenarbeit mit Litauen und Polen seien „Ermittlungserkenntnisse, wonach litauische und polnische Staatsangehörige für eine Vielzahl von Kfz-Diebstählen verantwortlich sein könnten und eine Verschiebung gestohlener Kfz nach Osteuropa als wahrscheinlich angesehen wird“, so Klenk weiter.

Fast 200 Täter ausgeliefert

Darüber, wie viele mögliche Autodiebe tatsächlich nach Deutschland ausgeliefert wurden, gibt es allerdings nur ältere Angaben. Hier verweist das Bundesjustizministerium in der Anfrage auf Zahlen von 2016. Laut denen konnten über alle Kriminalitätsbereiche hinweg 39 mögliche Täter aus Litauen und 155 aus Polen nach Deutschland zur Strafverfolgung ausgeliefert werden. Eine Aufgliederung nach Bundesländern gibt es nicht.

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