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Auszeichnung Engagement für Frieden und Menschenrechte

Ärztin erhält Friedenspreis

Archivartikel

Wiesbaden.Eine türkische Ärztin und Gerichtsmedizinerin, die Vorbildliches im Kampf gegen die Folter leistet, erhält in diesem Jahr den Hessischen Friedenspreis. Die 1959 in Istanbul geborene Sebnem Korur Fincanci wird am 28. November im Wiesbadener Landtag „für ihr großes Engagement für den Frieden, die Wahrung der Menschenrechte und ihren Beitrag zu Wiedergutmachung und Konfliktbewältigung“ ausgezeichnet, wie Landtagspräsident Norbert Kartmann (CDU) namens der Jury erklärte.

Einsatz für Folteropfer

Zum dritten Mal hintereinander geht der Friedenspreis damit an eine Frau. Im vergangenen Jahr wurde er der ehemaligen Chefanklägerin vor dem Den Haager Internationalen Gerichtshof für die Kriegsverbrechen im vormaligen Jugoslawien, Carla del Ponte, zuerkannt. Im Jahr davor der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini.

Mit der Ärztin Fincanci folgt jetzt eine nicht so bekannte Persönlichkeit, die den Preis aber kaum weniger verdient haben dürfte. Sie ist Professorin an der Universität Istanbul und zugleich Vorsitzende der türkischen Menschenrechtsstiftung. Weil sie einen Aufruf zur Verteidigung der Pressefreiheit unterzeichnet hatte, war sie in der Türkei sogar selbst vorübergehend inhaftiert worden.

Vor allem aber setzt sie sich für die Behandlung von Folteropfern und die Dokumentation der Folterspuren ein, wie Professorin Nicole Deitelhoff von der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktforschung erläuterte.

Fincanci gehört auch zu den Hauptautorinnen des sogenannten Istanbul Protokolls, das als internationales Standardwerk für Behandlung und Dokumentation von Folterspuren gilt. Deitelhoff wies darauf hin, dass Folter nicht nur physische Schäden bei den Opfern verursacht, sondern vor allem auch sehr langwierige psychische Folgen.

Fincanci ist die 24. Trägerin des 1993 vom ehemaligen Ministerpräsidenten Albert Osswald gestifteten Friedenspreises. Zu dessen 100. Geburtstag im Mai 2019 wird der Preis dann zum 25. Mal vergeben, wie Kuratoriumsvorsitzende der Albert-Osswald-Stiftung, Karl Starzacher, sagte. kn