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Verschmutzung Tagelang lief Klinik-Flüssigkeit über einen Kanal in das Gewässer / Badeverbot bis Montag / Jugendlicher leidet offenbar an Norovirus

Abwasser im Bodensee: 133 Krankheitsfälle

Archivartikel

Friedrichshafen.Die Zahl der Menschen, die nach dem Baden im Bodensee am Fischbacher und Manzeller Ufer krank wurden, steigt weiter an. Bis Freitagmittag lagen dem Landratsamt 133 Meldungen vor, berichtet Pressesprecher Robert Schwarz. „Wir gehen davon aus, dass weitere Fälle dazukommen und eine große Menge von Menschen betroffen ist.“ Am Mittwochnachmittag wurde der Strand am Freizeitgelände, später das Ufer bis zur Brunnisach, gesperrt, weil viele Menschen nach dem Baden seit Sonntag vor allem unter starkem Durchfall und Erbrechen litten. Ein Jugendlicher erkrankte laut Schwarz am Norovirus.

„Unsere Hypothese ist, dass wir es mit einem Virus zu tun haben. Das passt auch zu den Symptomen“, so Schwarz. Der Norovirus wird üblicherweise per Schmierinfektion übertragen, aber auch eine Übertragung durch pures Wasser sei bei einer entsprechend starken Virenlast möglich. Hinweise auf andere Schadstoffe gebe es derzeit nicht.

Im Klinikum Friedrichshafen wurden bis Freitagvormittag „weder in der Klinik für Kinder und Jugendliche noch in der Notaufnahme vermehrt Patienten mit Brechdurchfall behandelt, die auf die Verunreinigung des Bodensees zurückzuführen sind“, teilte Pressesprecherin Susann Ganzert auf Nachfrage mit.

Die Keime gelangten über den Buchenbach ins Wasser, der direkt in den Bodensee mündet. Hier floss direkt aus der Kanalisation über mehrere Tage eine braune, stinkende Brühe in den See. Die Rede ist von „Problemen im Bereich eines Regenüberlaufbeckens als Teil der städtischen Kanalisation“, erklärte Stadtsprecherin Monika Blank auf Nachfrage. Tags zuvor war von einem „verstopften Mischwasserkanal“ die Rede. Was genau passiert ist, ermittle die Polizei. In einem internen Papier von Mittwoch hieß es, dass das „Rückhaltebecken volllief“ und die Abwässer aus Manzell, Spalteinstein und dem Klinikum über einen weiteren Kanal in den Buchenbach und weiter in den Bodensee flossen.

Meldung ausgefallen

Die Stadt kontrolliere die Abwassersysteme regelmäßig, erklärt Sprecherin Monika Blank. Fast alle Regenüberlaufbecken (RÜB) seien bereits mit einer Messtechnik ausgerüstet, die Störungen automatisch meldet – nur das in diesem Fall wohl übergelaufene RÜB 4 nicht. Der Umbau sei bereits geplant und für 2020 vorgesehen.

Die beiden Autorinnen arbeiten für den in Konstanz erscheinenden „Südkurier“.

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