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Corona Jede Schule legt Quarantäne-Regelung anders aus

Ärger über uneinheitliche Vorschriften

Stuttgart.Die Verwirrung bei Lehrern, Eltern und Schülern ist groß. Was tun, wenn es einen Infektionsfall in einer Schulklasse gibt? Wer muss dann außer dem Betroffenen in Quarantäne – nur die Nebensitzer, die ganze Klasse, die Familienmitglieder? Was ist mit den Lehrern? Wo kann man das alles nachlesen? Und warum wird das alles an den Schulen verschieden gehandhabt? Wer in Quarantäne muss, darüber entscheiden nicht die Schulleitungen, sondern am Ende die Gesundheitsämter vor Ort – aber mangels aktueller Vorgabe des Landes je nach Einschätzung, Personalstand und Situation.

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Ein unerträglicher Zustand, befindet Matthias Wagner-Uhl, Landesvorsitzender des Vereins für Gemeinschaftsschulen Baden-Württemberg (GMSBW). „Es gibt landesweit eine große Uneinheitlichkeit und daher eine große Verunsicherung bei allen Beteiligten. Es gibt Schulen, an denen alles exzellent kommuniziert und geregelt ist und sich alle sicher fühlen – und es gibt Schulen, an denen das leider überhaupt nicht der Fall ist und niemand weiß, was zu tun ist.“ Die Eltern, so Wagner-Uhl, fragten sich, wie es sein könne, dass an der einen Schule die ganze Klasse nach Hause muss und an der anderen nur ein Schüler. Durch den Mangel an Transparenz entstünden zudem „unsägliche Drucksituationen“ für die Schulleitungen.

Unklare Zuständigkeiten

Dass es landauf, landab große Irritationen über die Quarantäneregelungen im Schulbetrieb gibt, schlägt auch täglich beim Kultusministerium in Stuttgart auf – via Mail oder bei der Hotline gehen unzählige Anfragen dazu ein. Auf der Homepage des Kultusministeriums sind zwar unter dem Punkt „Informationen zu Corona“ alle bisherigen Schreiben an die Schulleitungen sowie die entsprechenden Handlungsanweisungen zum Umgang mit Erkältungen oder Corona-Infektionen an Kitas und Schulen hinterlegt. Darüber hinaus aber erklärt sich das Haus von Susanne Eisenmann (CDU) für die Detailfragen der schulischen Quarantäne für nicht zuständig.

Man verweist auf das Sozial- und Gesundheitsministerium sowie die örtlichen Gesundheitsämter. „Wir haben auch wahrgenommen, dass es vor Ort sehr unterschiedlich gehandhabt wird“, sagt die Sprecherin des Kultusministeriums auf Anfrage. „Aber was die Quarantäneregeln betrifft, haben wir einfach keine fachliche Expertise.“ Wagner-Uhl hat dafür kein Verständnis. „Letztlich ist das Kultusministerium zuständig für alle Belange rund um die Schule. Ich halte es für unredlich, da mit dem Finger auf andere zu zeigen.

Und wenn man schon erkannt habe, dass es diese Unsicherheit gibt, müsse man doch nachsteuern. „In Krisensituationen braucht es klare Regelungen“, verlangt der GMSBW-Vorsitzende. Das Sozialministerium weiß, dass vor Ort die Hütte brennt. Derzeit würden aktualisierte Handlungshinweise zum Umgang mit Kontaktpersonen in Schulen erarbeitet und mit dem Kultusministerium abgestimmt.

„Noch in dieser Woche soll die Handlungsanweisung an alle Einrichtungen verschickt werden und bei den Betroffenen für mehr Klarheit und Verständnis sorgen“, sagt am Montag ein Sprecher des Sozialministeriums. Darin soll endlich auch die Wirkung von Maskenpflicht im Unterricht und der Lüftungskonzepte berücksichtigt werden. Bei einem Infektionsfall sei eine Quarantäne der kompletten Schulklasse dann nicht mehr immer zwingend notwendig. „Dadurch wird ein landesweit einheitlicher Umgang mit Quarantäneregelungen in Schulen angestrebt“, so der Sprecher.

Letztlich aber liege die Entscheidung über Quarantäne weiter nicht bei den Schulen, sondern bei den Gesundheitsbehörden vor Ort. „Und selbstverständlich haben die Ämter Spielräume. Es gibt eben keine Schablone, die man in allen Fällen immer so anwenden kann.“ In jedem Fall aber kommen die Handlungsanweisungen viel zu spät, befindet Wagner-Uhl. „Das Sozialministerium hat es verpasst, das rechtzeitig zu regeln.“

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