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Marburger Bund Gewerkschaft für Einhaltung der Arbeitszeiten

Ärzte überlastet?

Archivartikel

Stuttgart/Mannheim.Die Ärzte in den Krankenhäusern im Südwesten sind nach Angaben des Marburger Bunds immer stärker überlastet. Die Arbeitsbedingungen in den Kliniken hätten sich massiv verschlechtert, sagte der Landeschef der Gewerkschaft, Frank Reuther, am Mittwoch in Stuttgart. Dahinter stünde etwa der ökonomische Druck, die Verdopplung der Patientenzahlen im stationären Bereich und überlaufende Notaufnahmen. „Die Patienten spüren das natürlich auch“, sagte Reuther. Es sei nachvollziehbar, dass nach einer 24-Stunden-Schicht Fehler und Unfälle passierten.

Der Marburger Bund pocht deshalb auf eine Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes im ärztlichen Dienst in Krankenhäusern. Im Durchschnitt darf die wöchentliche Arbeitszeit von 48 Stunden nicht überschritten werden. Es gibt aber nach Angaben der Gewerkschaft in nahezu allen Tarifverträgen schon Öffnungsklauseln, die deutlich mehr Arbeitsstunden für Ärzte erlauben. Auf acht Stunden Vollarbeit darf demnach ein Arzt maximal 16 Stunden Bereitschaftsdienst pro Tag machen, davon muss er sich aber mindestens acht Stunden ausruhen. Doch auch gegen solche Öffnungsklauseln werde regelmäßig verstoßen.

Uniklinikum wehrt sich

Hans-Jürgen Hennes, Ärztlicher Direktor und Geschäftsführer des Universitätsklinikums Mannheim, wies die Vorwürfe zurück. Auf Anfrage dieser Zeitung sagte er: „Die Dienstzeiten der Krankenhaus-Ärzte werden selbstverständlich so geplant, dass sie die gesetzlichen Vorgaben erfüllen.“ Natürlich sollten Patienten jederzeit von einem ausgeruhten Arzt behandelt werden können, so Hennes weiter. Hennes kritisierte allerdings die „immer enger gefassten tarifvertraglichen Regelungen“, die die Dienstzeitplanung „enorm belasten“ würden. „Hier wünschen wir uns mehr Augenmaß von den Tarifpartnern.“ lsw/was

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