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Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel feiert beim traditionellen Hessenfest / Eintracht-Frankfurt-Fans bekommen Besuch

Ahle Worscht statt Asylstreit

Berlin.Gerade von der nicht einfachen Sitzung der Unionsfraktion zum Thema Umgang mit Flüchtlingen an der Grenze gekommen, wollte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel am späten Abend nicht mehr mit allzu tiefgründiger Politik beschäftigen: In ihrem kurzen Grußwort beim traditionellen Hessenfest in Berlin sprach die CDU-Chefin am Dienstag lieber von ihrer geliebten „Ahlen Worscht“ und Sauerkirschen aus diesem Bundesland als über Asylpolitik. Doch die Teilnahme an dem von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) ausgerichteten Fest in der Hessischen Landesvertretung mit rund 2000 Gästen lässt sich die Kanzlerin auch in politisch schwierigen Zeiten nicht nehmen.

Gut eine Stunde saß die im cremefarbigen Oberteil gekommene Merkel an diesem Abend am Tisch Bouffiers und ließ sich die nordhessische Wurstspezialität schmecken, die sie – auf eigenen Wunsch – alljährlich bei dem Fest serviert bekommt. Es wird kolportiert, dass Bouffier versuchen will, zwischen Merkel und CSU-Chef Horst Seehofer zu vermitteln, der auf seiner Forderung beharrt, aus anderen Drittstaaten kommende Flüchtlinge an der deutschen Grenze zurückzuweisen. Die Kanzlerin besteht dagegen auf einer europäischen Lösung. Immerhin hat Bouffier ja schon bei den Koalitionsverhandlungen das Thema Flüchtlinge beackert. Doch wie immer seine Vermittlungsbemühungen aussehen sollen: Beim Hessenfest dürften sie bestenfalls ganz am Rande zur Sprache gekommen sein.

Dichtgedrängt auf der Holzbank sitzend sprach Merkel zwar auch mit Bouffier und dem ihr gegenübersitzenden hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen, aber eben auch dem UBS-Vorstandschef und Bischof Martin Hein von der Evangelischen Kirche in Kurhessen und Waldeck in Kassel.

Ob es auch dabei um Ahle Worscht ging, ist nicht überliefert. Jedenfalls gab Merkel zum Besten, dass sie nicht nur diese als hessische Spezialität schätzt, sondern auch Sauerkirschen „und gutes Brot“. Inmitten einer Runde von Trachtenpaaren aus Hessen kam aber auch die in Mecklenburg-Vorpommern beheimatete Kanzlerin nicht umhin, dem eigentlichen Star des Hessenfests Tribut zu zollen: dem DFB-Pokal, den Eintracht Frankfurt vor dreieinhalb Wochen ebenfalls in Berlin gewonnen hatte, wozu sie herzlich gratulierte.

Anstehen für ein Foto

Den Originalpokal hatte Eintracht-Vorstandsmitglied Axel Hellmann im gesicherten Koffer aus Frankfurt mit eingeflogen. Er wurde – streng bewacht – gleich am Eingang zur Landesvertretung aufgestellt, und die Festbesucher standen Schlange für ein Foto mit DFB-Pokal. Schließlich ist es 30 Jahre her, dass der hessische Bundesligist zuvor einen solchen Erfolg auf dem Spielfeld errungen hatte.

Viele Gäste des Hessenfests trugen denn auch einen Eintracht-Schal, darunter FDP-Generalsekretärin Nicola Beer, die ja selbst in Frankfurt wohnt. Bis nachts um 1 Uhr dauerte die rauschende Festnacht, zu der wie üblich nicht nur fast alle Landesminister, Fraktionschefs und sonstigen Landtagsabgeordneten aus Wiesbaden nach Berlin gereist waren. Neben Merkel kamen Gesundheitsminister Jens Spahn, Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner und Kanzleramtsminister Helge Braun (alle CDU). Spahn diskutierte – vor dem Eintreffen der Kanzlerin – mit Bouffier, Klöckner plauderte mit Al-Wazir, neben dem sie am Tisch von Merkel und Bouffier Platz fand. kn