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Umwelt Regionalversammlung Südhessen beschließt Bebauung von Waldflächen mit Windrädern / Odenwald, Rheingau und Taunus besonders betroffen

Aktivisten kündigen weitere Proteste an

Frankfurt.Befürworter setzen auf erneuerbare Energien, Gegner fürchten um Landschaft und Natur: Seit Jahren tobt in Hessen ein Streit um Windkrafträder. Besonders im Odenwald sind die Fronten verhärtet. Nun hat die Regionalversammlung Südhessen im Frankfurter Römer einen Beschluss über die Flächen gefasst.

Was hat es mit dem beschlossenen „Teilplan Erneuerbare Energien“ auf sich und warum war der Weg so lang?

Künftig sollen 1,4 Prozent der Fläche Südhessens zu sogenannten Vorranggebieten erklärt werden. Das bedeutet, diese kann für die Gewinnung von Windenergie genutzt werden. In einigen Gebieten sind schon Anlagen im Betrieb. Hinzu kommen 0,8 Prozent „Weißfläche“ über die künftig noch zu entscheiden ist. Es ist aber davon auszugehen, dass davon nur ein kleiner Teil ebenfalls zu Vorranggebieten erklärt wird, wie es beim Regierungspräsidium Darmstadt heißt. Seitdem die Regionalversammlung Südhessen das Thema 2010 auf die Agenda genommen hat, brodelt dort ein zäher Streit. Zweimal hatten die Bürger Gelegenheit, sich zu Entwürfen zu äußern. Zehntausende Stellungnahmen gingen ein und es kam zu erheblichen Verzögerungen.

Welche Regionen sind besonders betroffen?

Zur Erzeugung von Windkraft sind vor allem die Höhenzüge im Odenwald, im Taunus oder im Rheingau geeignet. Laut der jüngsten Pläne sollen etwa im Odenwaldkreis 2,7 Prozent Fläche dafür genutzt werden. Dass eher dort Anlagen gebaut werden, als in Frankfurt oder Wiesbaden, liegt etwa daran, dass in höheren Regionen mehr Wind weht. Zudem sind dichtbewohnte Regionen ungeeignet, weil Abstände zu Siedlungen eingehalten werden müssen.

Was sagen die Gegner zu dem Projekt?

Zahlreiche Anwohner und Aktivisten kämpfen gegen die Windkrafträder. Sie argumentieren, dass die Geräusche den Menschen den Schlaf raubten, die Geräte die Landschaft verschandelten oder Flora und Fauna bedrohten. Die Initiative „Rettet den Odenwald“ sprach von einer „bevorstehenden Katastrophe“. Mehrere Dutzend Aktivisten protestierten am Freitag am Frankfurter Römer. „Wir sind nicht gegen Windkrafträdern, aber sie gehören in Industriegebiete und nicht in den Wald“, sagte Demonstrantin Vera Krug.

Wie geht es nach dem Beschluss nun weiter?

Das Ergebnis wird jetzt noch der Landesregierung zur Genehmigung vorgelegt. Diese müsse noch ihr Häkchen dahinter setzen, sagt Christoph Süß, Pressesprecher des Regierungspräsidiums Darmstadt. Man kann wohl eher von einer Zustimmung ausgehen, zumal der grüne Energieminister Tarek Al-Wazir den Beschluss von Freitag bereits begrüßt hat. Wie viele Windräder danach wann und wo genau gebaut werden, sei derzeit noch nicht bekannt. Die Gegner bekräftigen, nicht aufgeben zu wollen. „Wir werden weiter demonstrieren und weiter klagen“, sagt Aktivistin Krug.

Wie sieht es im restlichen Hessen aus?

In Mittelhessen wurde 2017 entschieden, dass auf etwa 2,2 Prozent der Fläche Windräder aufgestellt werden dürfen, rund 130 solcher Gebiete zur Nutzung von Windenergie wurden ausgewiesen. Da der Plan geringfügig geändert wurde, soll er in Teilen noch einmal für Anwohner, Verbände oder Kommunen offengelegt werden, wie das Regierungspräsidium Gießen am Donnerstag bekannt gab. In Nordhessen sieht der Teilregionalplan Energie Windkraftanlagen auf zwei Prozent der Regionsfläche vor. Das umstrittenste Gebiet ist der Reinhardswald ganz im Norden. Die Region vermarktet sich touristisch als Märchenland. Kritiker kämpfen seit Jahren erbittert gegen die Anlagen. Verschärft hat den Konflikt besonders, dass einige Kommunen in Kooperation mit Energieversorgern selbst Windräder bauen wollen.

Wie viel Wald verbraucht eine Windkraftanlage?

Wird ein Windrad errichtet, geht Waldfläche verloren. Neben dem eigentlichen Standort braucht es auch Platz für Zufahrtswege. Nach Daten des hessischen Wirtschaftsministeriums müssen für ein Windrad im Schnitt etwa 2000 bis 4000 Quadratmeter (0,2 bis 0,4 Hektar) Wald dauerhaft gerodet werden.