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Wirtschaft Grünen-Politiker stolz auf Bilanz – möchte aber auch in die finanzielle Zukunft des Landes investieren

Al-Wazir will Nachwuchs fördern

Archivartikel

Wiesbaden.Tarek Al-Wazir ist seit nunmehr viereinhalb Jahren der erste Grüne im Amt des hessischen Wirtschaftsministers. Und er erinnert sich noch an die Warnungen vor seinem Amtsantritt im Januar 2014: „Ich wurde als Totengräber jeder wirtschaftlichen Entwicklung und Feind der Industrie beschimpft“, sagt Al-Wazir gestern in seiner Regierungserklärung zum Kernthema seines Ressorts, also der Wirtschaft. Und auch da ist er stolz aufs Erreichte, mindestens so sehr wie auf die ebenso in sein Ressort fallenden Bereiche Energie- und Verkehrspolitik, die in der öffentlichen Wahrnehmung eher mit dem Grünen-Politiker verbunden werden.

„Hessen steht heute besser da denn je“, resümiert Al-Wazir. Beim Beschäftigungszuwachs liege Hessen gleichauf mit Bayern und noch vor Baden-Württemberg. Ende 2017 seien es rund 200 000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze mehr gewesen als bei seinem Amtsantritt 2014. Die Arbeitslosenrate sei so niedrig wie seit 37 Jahren nicht mehr, der Breitbandausbau schreite schnell voran. Zudem seien die Energiewende vorangetrieben und die Verkehrswende eingeleitet worden, schildert er selbstbewusst und verkneift sich auch keine Seitenhiebe auf seine Vorgänger aus der FDP, die eine alles andere als überzeugende Bilanz hinterlassen hätten.

Neue Initiative

Doch Al-Wazir ist auch bemüht, nicht zu überziehen und räumt ein: „Das ist nicht mein Aufschwung. Das ist vor allem ein Erfolg der hessischen Unternehmen und ihrer Beschäftigten.“ Knapp vier Monate vor der Landtagswahl ist Al-Wazir aber klar, dass er nicht nur mit einer Bilanz punkten kann, sondern auch in die Zukunft weisen muss. Er kündigt eine neue Initiative an, um gezielt junge Geschäftsgründer zu fördern. Etwa mit Spendenaktionen und Darlehen, oder ihrer Vernetzung mit Hochschulen und Investoren. „Kein Student soll mehr eine Universität verlassen, ohne im Hörsaal mit dem Thema Start-ups und Gründung konfrontiert worden zu sein“, ruft er aus. Und das Thema Künstliche Intelligenz (KI) soll laut Al-Wazir gerade am Finanzplatz Frankfurt mit einem „KI-Hub“ bundesweit etabliert und mit einem nationalen Masterplan weiterentwickelt werden.

Vom Koalitionspartner erhält Al-Wazir Lob. „Solide Wirtschaftspolitik“ und „Erfolge“ attestiert ihm CDU-Mann Heiko Kasseckert. Sehr viel kritischer sieht es die Opposition. Der Minister sage nichts zur Industrie, und auch bei Start-ups sei Hessen nur Mittelmaß, bemängelt Tobias Eckert (SPD). Janine Wissler (Linke) prangert prekäre Beschäftigung und Niedriglöhne an, der Politikwechsel sei ausgefallen. Unter Start-ups versteht man neu gegründete Unternehmen mit innovativen Geschäftsideen.