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Alle setzen auf den Klimaschutz

Mainz.Der Start in den Wahlkampf ging für Tabea Rößner erst einmal schief: Die 52-Jährige Grünen-Politikerin hatte just am Vorabend ihrer großen Pressekonferenz zur Verkündung der Kandidatur als Mainzer Oberbürgermeisterkandidatin Mitte August einen Fahrradunfall und brach sich den Arm. Mit zwei Schrauben im Ellbogen und dem Arm in der Schlinge kam sie dann mehr oder weniger direkt vom Krankenhaus zu dem Termin.

Doch die Bundestagsabgeordnete sagt heute: „Mich kriegt so leicht nichts unter“, und lässt sich durch das Missgeschick nicht entmutigen. Unablässig kämpft sie vor der Wahl für zwei Ziele: Sie will die erste Frau auf dem Chefsessel im Mainzer Rathaus werden und zugleich die erste grüne Oberbürgermeisterin in ganz Deutschland.

Obwohl sie mit Amtsinhaber Michael Ebling (SPD, Bild oben) und dem von der CDU nominierten Parteilosen Nino Haase (Bild unten) zwei starke Mitbewerber hat, werden der gelernten Journalistin durchaus Chancen eingeräumt. Schließlich waren die Grünen bei der Kommunalwahl am 26. Mai erstmals stärkste Partei im Mainzer Rathaus geworden: Mit 27,6 Prozent lagen sie deutlich vor der CDU (23,4) und der SPD (20,5 Prozent) und stellen damit jetzt die größte Fraktion im Stadtparlament der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt. „Tabea wählen“, heißt es kurz und bündig auf den Wahlplakaten in der Mainzer City. Und wie es sich für eine Grüne gehört, spielt der Klimaschutz natürlich eine ganz große Rolle bei ihren Wahlkampfthemen. Dafür sei auch „kommunales Handeln gefragt“, betont sie bei einer Diskussion der drei aussichtsreichsten OB-Kandidaten auf Einladung der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. So könnte der etwas trostlos wirkende Platz vor dem Rathaus am Jockel-Fuchs-Platz eine grüne Wiese vertragen, schlägt sie vor.

Angriffe souverän pariert

Doch der amtierende Oberbürgermeister Ebling, mit dem sich Rößner auch bei dem Wahlkampfauftritt duzt, gibt sich noch lange nicht geschlagen. Souverän pariert der ebenfalls 52 Jahre alte Sozialdemokrat die Angriffe seiner beiden Konkurrenten bei der Veranstaltung auf der Mainzer Zitadelle. Der ehemalige Staatssekretär und bis heute aktive „Protokoller“ des Karnevalsvereins „Die Bohnebeitel“ verweist auf Erfolge seiner Amtszeit wie mehr Wohnungsbau, Inbetriebnahme der Mainzelbahn und Sanierung der Stadtfinanzen. Und Herausforderin Rößner versucht er, mit einer Idee das ureigenste Terrain der Grünen streitig zu machen: Er tritt für die Begrünung der Schulhöfe in Mainz ein. „Das sind immerhin über 400 000 Quadratmeter“, wirbt er für seinen Vorschlag der „grünen Oasen“.

Die wohl schwerste Niederlage in der jetzt gut siebenjährigen Amtszeit des Oberbürgermeisters brachte ihm der heute 36 Jahre alte Chemiker Nino Haase bei, indem er bei einem Bürgerentscheid eine Mehrheit gegen den von der Stadt zur Erweiterung des Gutenberg-Museums geplanten Bibelturm in der Innenstadt zustandebrachte. Bekannt geworden war er zuvor schon, als er – noch als Student – in der Sendung „Schlag den Raab“ drei Millionen Euro gewann und sich somit finanzielle Unabhängigkeit sicherte. Ohne Verwaltungserfahrung tritt Haase mit Unterstützung von CDU, Freien Wählern und ÖDP als Unabhängiger für den Posten des OB an. Beim Kandidatenduell erweist sich Haase als rhetorisch gut in Form. Auch er lässt das Klimathema nicht außen vor und hat 7500 Euro zum Pflanzen neuer Bäume in der Stadt gesammelt. Haase verspricht „frischen Wind“, plädiert für einen neuen Stadtteil am Leyenhof und macht Front gegen die geplante Tramlinie Citybahn zwischen Mainz und Wiesbaden. Die Frage bei der Wahl am 27. Oktober ist erst einmal, wer von den dreien es in die Stichwahl zwei Wochen später schafft.