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Bauprojekt Bepflanzung der S-Bahn-Trasse als Ausgleichsmaßnahme für die gerodeten Bäume

„Alles muss aufgeforstet werden“

Archivartikel

Frankfurt.Noch fahren die S-Bahnen und Züge auf dem herkömmlichen Schienenstrang zwischen dem Frankfurter Stadion und dem Regionalbahnhof des Flughafens. In einer Woche ist Schluss damit – bis zur Eröffnung der neuen S-Bahn-Station Gateway Gardens im Dezember fahren die Züge den Frankfurter Fernbahnhof an. Katja Unterköfer, zuständig für die umweltfachliche Bauüberwachung des Großprojekts, plant schon an der grünen Zukunft der alten Trasse.

„Im kommenden Jahr beginnt der Rückbau, dann hoffentlich ab November oder Dezember 2020 die Aufforstung“, sagt die resolute Bauingenieurin, die von Anfang an bei dem Bauprojekt dabei ist. „Wir stehen in der Pflicht, dass alles, was gerodet wurde, eins zu eins aufzuforsten ist.“

Schutz von Flora und Fauna

Während also für die neue Bahntrasse und die Anbindung des Stadtteils Gateway Gardens an das S-Bahn-Netz Bäume gerodet wurden, soll das Gelände der bisherigen S-Bahn-Strecke der Natur zurückgegeben werden. Und da ein kleiner Baumsetzling bekanntlich Jahrzehnte braucht, um wieder an die Größe der gerodeten Bäume heranzureichen, achtete Unterköfer schon beim Bau der neuen Strecke darauf, wo Bäume unangetastet bleiben konnten.

„Der Revierförster war schon ziemlich entsetzt, als wir gerodet haben“, räumt Unterköfer ein. Sie versuchte aber, die Eingriffe in den gewachsenen Wald so gering wie möglich zu halten.

„Ökologisch ist der Ausgleich ein Gewinn, da die alte Trasse durch ein sogenanntes FFH-Gebiet führte“, sagt Peter Rodenfels, stellvertretender Abteilungsleiter im Frankfurter Grünflächenamt. FFH steht für „Flora, Fauna, Habitat“ – aus ökologischer Sicht ein wertvolleres Gebiet als das Areal der neuen S-Bahn-Trasse. Es gibt aber auch ein großes „Aber“. „Im Gebiet der neuen S-Bahn-Strecke gab es 100 Jahre alte Eichen“, bedauert Rodenfels. „Es wird zwar aufgeforstet, aber der hundertjährige Wald ist natürlich verloren.“

Auch an die tierischen Bewohner wurde bei den Ausgleichsmaßnahem gedacht. „Die Zauneidechsen haben ein provisorisches Habitat, bis der Pflanzenbewuchs an der neuen Bahnstrecke so weit ist, dass sie wieder Nahrung finden und gute Lebensbedingungen haben“, sagt Unterköfer. Etwa 30 Eidechsen wurden in den vergangenen Monaten an der alten Bahntrasse von einem Biologen eingefangen und zu ihrem vorübergehenden Zuhause gebracht. „Ich hätte gedacht, dass es mehr Tiere sein würden“, räumt Unterköfer ein. Doch das zeige nur umso mehr, dass für den Schutz der Echsen gesorgt werden müsse. Die leben vornehmlich im Schotter, aber auch im Seitengraben von Bahnstrecken und schätzen ganz besonders sonnige Abschnitte.

Berücksichtigt wurden aber auch Flugrouten von Fledermäusen: „Wir mussten bei der Planung sicherstellen, dass die Baumreihen, die die Tiere zur Orientierung brauchen, nicht gefällt werden“, sagt Unterköfer. Bevor entlang der neuen S-Bahn-Strecke gerodet wurde, wurden die sogenannten Hohenbäume „verschlossen“, damit Vögel und Fledermäuse dort nicht nisten konnten. Als Ersatz wurden Nistkästen aufgestellt. „Bei diesen Maßnahmen gibt es engen Kontakt zum Revierförster und mit der Oberen Naturschutzbehörde“, so Unterköfer.

Guter Waldboden

Der Schotter der alten Bahntrasse muss als Sondermüll entsorgt werden, das darunter liegende Erdreich wird auf Verunreinigungen untersucht. Die neuen Bäume jedenfalls sollen nach der Aufschüttung und Umgestaltung des Geländes auf gutem Waldboden Wurzeln schlagen: „Wir haben den wertvollen Oberboden abgetragen, als wir die neue Bahntrasse bauten“, zeigt Unterköfer auf einen regelrechten Erdwall, der an einer Waldschneise aufgetürmt wurde. Hier ist der Boden zwischengelagert, bis es Zeit ist, ihn vor der Wiederaufforstung auf die frühere S-Bahn-Strecke zu bringen.

Ähnlich wie beim Bau selbst wird es dann auch für die Aufforstung eine Abnahme geben, sagt Rodenfels. Zum einen muss „herkunftszertifiziertes Saatgut“ nachgewiesen werden, sprich die jungen Bäume müssen für die Lage im Rhein-Main-Gebiet geeignet sein. Zum zweiten müssen sich die jungen Bäume so gut entwickelt haben, dass sie auch ohne Betreuung und Wässerung überleben. „Die Kultur muss gesichert sein, sonst wird das nicht abgenommen“, betont Rodenfels.