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Mobilität Darmstadt sperrt ab Samstag zwei Hauptverkehrsstraßen wegen zu hoher Stickoxid-Belastung / Messungen Ende des Jahres

Alte Diesel brauchen neue Wege

Archivartikel

Darmstadt.Teile von zwei wichtigen Hauptverkehrsadern in Darmstadt sind ab diesem Samstag für viele Diesel und andere alte Autos tabu. Nach Stuttgart und Hamburg werden auch in der südhessischen Stadt Straßen wegen zu hoher Stickoxid-Belastungen für einige Fahrzeuge dichtgemacht.

Warum müssen die Straßen gesperrt werden?

Die an den hochfrequentierten Abschnitten auf der Hügelstraße in der Stadt und auf der Heinrichstraße als Pendlerzufahrt gemessenen Stickstoffdioxidwerte sind zu hoch. An Messstellen lagen Jahresmittelwerte an der Hügelstraße bei knapp 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Stickstoffdioxid und an der Heinrichstraße bei etwa 54 Mikrogramm. In den Jahren davor lagen die Werte noch höher. Der EU-Grenzwert liegt bei einem Jahresmittelwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter.

Sind diese hohen Belastungen denn wirklich gesundheitsgefährdend?

Die gesundheitsschädliche Wirkung von Stickstoffdioxid ist unumstritten. In der Lunge kann das Reizgas Zellen angreifen und Entzündungsprozesse auslösen. Tatsächlich gibt es Studien an Menschen und Tieren, in denen Probanden Stickoxide eingeatmet haben, in denen dieser Zusammenhang belegt wird.

Kann man das Fahrverbot überhaupt kontrollieren?

Das ist nicht einfach. „Besondere Kontrollen sind nicht geplant“, sagt ein Polizeisprecher in Darmstadt über die Abschnitte. Verkehrssünder können bei ganz normalen, stichprobenartigen Kontrollen herausgefischt werden. Eine flächendeckende Überwachung, zum Beispiel durch Videoaufnahmen, ist aus rechtlichen Gründen nicht möglich. Wer erwischt wird, muss zahlen: Bußgeld plus Verwaltungsgebühren ergeben 108,50 Euro.

Welche Autos dürfen in den beiden Straßen nicht mehr fahren?

Die Sperrungen gelten für alle alten Dieselautos mit der Schadstoffklasse Euro-Norm 1 bis 5 und Benziner der Euro-Normen 0 bis 2. Die Heinrichstraße ist auf der betroffenen Strecke für Busse und Lkws der Euro-Normen I bis V tabu. Die Kennziffer für die Norm finden Autofahrer auf ihrem Fahrzeugschein.

Wie lange sollen die Straßenabschnitte gesperrt bleiben?

Beginn ist am Samstag um 0 Uhr. Das Ende ist offen. „Erstmal gilt das in jedem Fall bis Ende des Jahres“, sagt Sprecher Daniel Klose von der Stadt. Gegen Ende des Jahres würden neue Messdaten erhoben, und dann werde geschaut, wie sich die Belastungen entwickelt haben.

Warum werden in Darmstadt Straßen gesperrt, in anderen Städten mit hohen Belastungen aber nicht?

Die Deutsche Umwelthilfe hat nach eigenen Angaben bundesweit bereits 35 Städte verklagt. Für Darmstadt hatten sich die Umwelthilfe und die Landesregierung darauf geeinigt, einen 640 Meter langen Abschnitt der Hügelstraße und 330 Meter der Heinrichstraße für die betroffenen Autos zu sperren. Zudem gibt es zur Verbesserung der Luftqualität hier an einigen Abschnitten weniger Fahrstreifen, eine Geschwindigkeitsbeschränkung und mehr Blitzer zur Kontrolle. In der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden sind Fahrverbote dagegen erst einmal vom Tisch. Mit einem Maßnahmenkatalog für saubere Luft verhinderte die Stadt im Februar zunächst einmal das Aus für alte Diesel in der Stadt. Weitere Klagen laufen in Hessen noch gegen Frankfurt, Offenbach und Limburg.