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Justiz Wegen Mordes verurteilter Häftling soll im Besuchsraum seine Ehefrau vergewaltigt haben / Kinder waren anwesend

Angeklagter: Scherbe in Socke versteckt

Koblenz.Ein verurteilter Mörder soll seine Ehefrau im Besuchsraum eines Gefängnisses vergewaltigt und schwer verletzt haben: Seit gestern steht der Häftling deshalb vor dem Landgericht Koblenz. Die Staatsanwaltschaft wirft dem 36-Jährigen Vergewaltigung, versuchten Mord, gefährliche Körperverletzung sowie Nötigung vor – die beiden kleinen Kinder der Frau sollen bei der Tat dabei gewesen sein.

Der Angeklagte soll die Frau im vergangenen November in der Spielecke des Besuchsraums des Gefängnisses Diez (Rhein-Lahn-Kreis) gewürgt, geschlagen und ihr mit einer Scherbe Stichverletzungen an Schläfe, Hals, Oberarm, Rücken, Nacken und Brust zugefügt haben, die später im Krankenhaus genäht werden mussten. Auf einen der Frau zu Hilfe kommenden Mithäftling habe er ebenfalls eingestochen.

Der schmächtige Angeklagte berichtete zum Prozessauftakt ruhig und emotionslos von dem Geschehen. Er gab den Angriff und die Vergewaltigung zu, bestritt aber die ihm unterstellte Tötungsabsicht. Die Kinder seiner Noch-Ehefrau hätten vom Geschlechtsverkehr nichts mitbekommen. Er habe seine Frau im Gesicht verletzen, aber nicht umbringen wollen. Es sei bei früheren Besuchen zu einvernehmlichem Geschlechtsverkehr gekommen.

Durch Kontrolle geschmuggelt

Dass seine drogenabhängige Frau im November 2017 einen neuen Freund gehabt habe und sich von ihm habe trennen wollen, sei nicht der Grund für seine Tat gewesen, sagte der 36-Jährige, der seit 2008 wegen Mordes an einer früheren Lebensgefährtin hinter Gittern sitzt. Es sei vielmehr darum gegangen, dass er in dem Gefängnis ein illegales Mobiltelefon besessen habe, das seine Frau für ihn eingeschmuggelt habe. Damit habe sie ihn mehrfach zu erpressen versucht.

Für ihn habe der Aufenthalt im Freibereich des Gefängnisses, auf den er zehn Jahre hingearbeitet habe, auf dem Spiel gestanden, berichtete er weiter. Auf die Frage des Vorsitzenden Richters, wie er denn die Porzellanscherbe, einen Holzkeil zum Sperren der Tür und den Kopf eines Einwegrasierers, mit dem er die Strumpfhose der Frau zerschnitten haben soll, in den Besuchsraum gebracht habe, sagte der Angeklagte mit deutscher Nationalität, er habe Scherbe und Keil in seinen Socken versteckt und den Rasiererkopf in der Hosentasche gehabt. Obwohl er sich unmittelbar vor Betreten des Besucherraums habe umziehen müssen, seien die Kontrollen „routinemäßig“ gewesen und nicht so streng.

Fortsetzung am 29. Mai

Der Prozess musste wegen Unwohlseins der Noch-Ehefrau des Angeklagten, die in dem Verfahren als Zeugin aussagen soll, unterbrochen werden. Sie wurde zunächst von Sanitätern und Notarzt behandelt und musste dann ins Krankenhaus gebracht werden.

Der Prozess wird am 29. Mai 2017 fortgesetzt. Der Fall schlug Wellen bis in die rheinland-pfälzische Landespolitik.