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Natur Bei der Fischerei gelten strikte Regeln – Aufseher sorgen am Frankfurter Mainufer dafür, dass sie eingehalten werden

Angler kontrollieren Angler

Archivartikel

Frankfurt.„Guten Abend, Fischerei-Aufsicht“, sagt Thorsten Hackner. Die beiden Angler grüßen zurück und zeigen ihre Papiere. Alles in Ordnung, stellt der Aufseher fest, auch ansonsten erfüllen die Männer alle Vorschriften: Sie haben nicht mehr als zwei Ruten im Wasser und einen Kescher dabei. Ein harmonischer Beginn des Kontrollabends in Frankfurt, an dessen Ende es noch eine heftige Diskussion geben wird.

Mit Begeisterung berichten zunächst die beiden Angler, die es sich an dem ruhigen und sandigen Uferstück am Osthafen gemütlich gemacht haben, von ihrem Hobby. „Ich angele seit 30 Jahren am Main“, sagt Waldemar Zadrozny. Zu Hause esse dann die ganze Familie mit an dem frischen Fisch. Er sitze manchmal bis in den frühen Morgen am Ufer, sagt Karl Murasch. „Sie können ruhig extra oft kontrollieren“, ruft er den Aufsehern zu. Er ärgert sich über Angler ohne Erlaubnis und darüber, dass schon ganze Bäume gefällt worden seien, um Feuer zu machen.

Strikte Regeln

Am Flussufer gelten strikte Regeln – aus gutem Grund, wie Aufseher Hackner erklärt. Die Natur habe in der Großstadt Frankfurt schon genug zu kämpfen. Der begradigte Fluss mit seinen glatten Uferwänden biete den Fischen kaum den nötigen Lebensraum. Deshalb sei es wichtig, dass die Schonzeiten eingehalten würden, in denen bestimmte Arten nicht aus dem Wasser gezogen werden dürfen. Für ihn sei Angeln seit Jahrzehnten eine Leidenschaft, sagt der 49-Jährige. Es gehe um Ruhe, ums Abschalten und „einfach aufs Wasser schauen“.

Knapp 30 Fischarten tummeln sich im Fluss, darunter Karpfen, Zander, Barsch und Aal. Wie viele Schwarzangler an dem Abschnitt unterwegs sind, dazu lägen keine Zahlen vor, sagt der Vorsitzende der Frankfurter Fischer- und Schifferzunft, Daniel Göz. Im dicht besiedelten Rhein-Main-Gebiet sei das aber sicher ein häufigeres Problem. Fünf Aufseher gibt es für den Abschnitt des Mains, für den die Zunft zuständig ist. Er reicht von Griesheim bis nach Rumpenheim und umfasst insgesamt 40 Kilometer Flussufer. Mehr als 1000 Erlaubniskarten werden jedes Jahr verkauft. Zudem ist ein gültiger Fischereischein nötig, den es nur nach einem Lehrgang mit staatlicher Prüfung gibt.

Hackner und Mietzschke ziehen weiter am unwegsamen Ufer entlang und erspähen in einem Abschnitt an der Staustufe Offenbach, wo Angeln verboten ist, einen Mann. Bis sie die Stelle erreichen, ist er aber schon in sein Auto gestiegen und weggefahren – ihm war offensichtlich klar, dass es sonst Konsequenzen gegeben hätte. Fischwilderei ist ein Straftatbestand, es drohen Geld- oder sogar Freiheitsstrafen.

Wieder in Mode gekommen

Angeln sei seit einigen Jahren wieder in Mode gekommen, sagt der Hauptgeschäftsführer des Verbandes der hessischen Fischer, Günter Hoff-Schramm. „Die Zahl der Jugendlichen in den Vereinen nimmt zu, auch in den städtischen Bereichen.“ Vermutlich gehe es um einen Ausgleich zu den allgegenwärtigen elektronischen Medien nach dem Motto „raus in die Natur“. Der Frankfurter Zunft-Vorsitzende Göz sagt, besonders eine spezielle Angelmethode, das Spinnfischen mit Kunstködern, ziehe junge Leute an. Ihnen gehe es auch um die technische Raffinesse.

Die Aufseher entdecken einen Mann, der von seinem Privatgrundstück aus angelt und bitten ihn, ans Tor zu kommen und seine Papiere zu zeigen. Das tut er auch, doch Kontrolleur Hackner ist skeptisch. Der Stempel sei nicht wie vorgeschrieben auch auf dem Foto in dem Fischereischein aufgebracht worden. Das könne auf eine Fälschung hinweisen. Das bestreitet der Mann und beginnt eine heftige Diskussion, in deren Verlauf er droht, die Polizei zu rufen. Die Aufseher geben dem Mann schließlich auf, sich in seiner Gemeinde zu melden. „In letzter Zeit haben wir häufiger einmal Fälschungen gehabt, deshalb sind wir vorsichtig geworden“, sagt Hackner.