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Gesellschaft Nomaden-Minderheit ist in Deutschland unterwegs / Dabei sorgen sie für Unmut bei Anwohnern

Angst vor irischen Landfahrern geht um

Ginsheim-Gustavsburg.Sie sind meist mit Wohnwagen unterwegs. Und wo sie campen, sorgen sie schnell für Aufsehen und Beschwerden von Anwohnern - zuletzt auch wieder in Deutschland, unter anderem im Rhein-Main-Gebiet. Dabei folgen sie nur ihrer Tradition: Irische Traveller, die in diesem Sommer auch in den Niederlanden und in Bulgarien unterwegs sind, treffen vielerorts auf Vorurteile.

Dabei sei das Ausmaß der Wanderbewegung geringer als es die Schlagzeilen vermuten lassen, betont ein Sprecher der irischen Traveller-Bewegung ITM in Dublin. "Einige Familien mögen zum Arbeiten ins Ausland reisen, etwa zum Teeren. Aber es gibt traditionell im Sommer keinen allgemeinen Exodus, sicherlich nicht aus Dublin."

Diebstähle, Lärm, Sachbeschädigung, Müllberge nach illegalem Campen - so manches wird den Landfahrern auf ihren Reisen vorgeworfen, auch in Deutschland. Im hessischen Ginsheim-Gustavsburg kam es 2016 zum Streit mit Anwohnern. Jetzt blockierte die Stadt Rasenflächen vorsichtshalber mit Findlingen. Im niederrheinischen Kevelaer bekam eine etwa 500-köpfige Travellergruppe Platzverbot. Die Polizei war nach Angaben der Stadt vor Ort, musste aber nicht eingreifen. Die Iren kommen seit Jahren in den Wallfahrtsort. "Viel Lärm um nichts", sagt dagegen der Betreiber eines Campingplatzes in Eppstein. 60 bis 100 Landfahrer seien im Frühling wie jedes Jahr rund zwei Monate auf seinem Platz gewesen. "Es ist wie immer harmlos verlaufen."

Nach Angaben von ITM gibt es in Irland rund 25 000 Traveller. Die Minderheit führt ein Nomadenleben. Mitglieder der Gemeinde arbeiten als Klempner, Blech- oder Hufschmiede, Pferde- und Schrotthändler. Schätzungen zufolge leben weitere 15 000 irische Traveller in Großbritannien. Rund 10 000 Traveller irischen Ursprungs sind in den USA ansässig. "Vielleicht sind unter den Traveller-Familien, die auf dem europäischen Festland unterwegs sind, auch welche aus Großbritannien", sagte der ITM-Sprecher. So genau könne er das nicht sagen. Seine Organisation kümmert sich auch um die sozialen Probleme der irischen Traveller. Dazu gehörten die schlechten Unterkünfte, die hohe Suizidrate, Diskriminierung und schlechte Bildungschancen. lhe