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Staufen Verteidiger der Mutter hält Plädoyer im Missbrauchsfall / Hintergrund der Tat soll Abhängigkeitsverhältnis zu Lebensgefährten gewesen sein

Anwalt verlangt neuneinhalb Jahre Haft

Archivartikel

Freiburg.Im Hauptprozess um den jahrelangen Missbrauch eines Kindes in Staufen bei Freiburg hat der Verteidiger der Mutter neuneinhalb Jahre Haft für seine Mandantin gefordert. Die 48-Jährige habe gestanden und sei nicht vorbestraft, sagte Rechtsanwalt Matthias Wagner gestern vor dem Landgericht Freiburg. Sie sei zur Täterin geworden, weil sie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihrem wegen schweren Kindesmissbrauchs vorbestraften Lebensgefährten gestanden habe.

„In keiner Weise nachvollziehbar“

Wagners Plädoyer war, wie die bisherigen auch, nicht-öffentlich. Als Grund wurde vom Gericht der Schutz von Persönlichkeitsrechten genannt. Sein Urteil will das Gericht am 7. August (9.30 Uhr) sprechen. Die Taten der Frau seien „in keiner Weise nachvollziehbar“, sagte Wagner. Sie habe die Chance, sich im Gefängnis darüber im Klaren zu werden und möglicherweise eine Therapie zu beginnen. Sie habe Taten zugelassen und auch begangen, weil sie ihre Beziehung sichern wollte. Dies habe sie, nicht-öffentlich, auch vor Gericht eingeräumt.

Angeklagt sind die 48-Jährige sowie ihr 39-jähriger Lebensgefährte. Sie haben gestanden, einen heute zehn Jahre alten Jungen mehr als zwei Jahre lang im Darknet angeboten und Männern gegen Geld für Vergewaltigungen überlassen zu haben. Zudem sollen sie das Kind sowie ein kleines Mädchen auch selbst mehrfach sexuell missbraucht haben.

Die anderen Plädoyers hatte das Gericht bereits Mitte Juli gehört. Die Staatsanwaltschaft hatte vierzehneinhalb Jahre Gefängnis für die Mutter gefordert sowie dreizehneinhalb Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung für den Lebensgefährten. Dessen Verteidigerin sprach sich für neun Jahre Haft mit Sicherungsverwahrung aus.

Unabhängig von Haftstrafen hatte die Vertreterin der Nebenklage von den zwei Angeklagten jeweils mindestens 30 000 Euro Schmerzensgeld für den missbrauchten Jungen und 12 500 Euro für das Mädchen gefordert. Die Anwälte der beiden Angeklagten erklärten, sie seien mit diesen Summen einverstanden. Im Gegensatz zum 39-Jährigen hatte sich die Frau in dem Prozess nicht öffentlich geäußert und sich an dem Verfahren nicht aktiv beteiligt.

In dem Missbrauchsfall hatte es insgesamt acht Festnahmen und Anklagen gegeben. Die Mutter und deren Lebensgefährte gelten als Hauptbeschuldigte. Mehrere Männer, die sich an dem Kind vergangen hatten, wurden bereits zu langjährigen Haftstrafen verurteilt, einige von ihnen mit anschließender Sicherungsverwahrung.

Der Junge lebt inzwischen bei einer Pflegefamilie. Er leidet bis heute unter den Taten, wie Vertreter der Polizei vor Gericht sagten. Nach seiner Mutter habe der Junge seit deren Festnahme vor mehr als zehn Monaten nicht mehr gefragt.