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Gesundheit Im Zeichen der Corona-Krise sind besonders Vitaminpräparate und Schmerzmittel stark gefragt

Apotheken erhöhen Schutz

Archivartikel

Stuttgart.In Baden-Württemberg gibt es mehr als 2400 Apotheken, die in Zeiten des Coronavirus vor erheblichen Herausforderungen stehen. Franck Eickmann, Sprecher des Landesapothekerverbands in Baden-Württemberg, gibt einen Überblick über die aktuelle Situation.

Apotheken dürfen inzwischen auch selbstständig Handdesinfektionsmittel herstellen. Führt das mit Blick auf die große Nachfrage zu einer Entlastung?

Bei der Herstellung von Handdesinfektionsmitteln, die für Apotheken seit kurzem per Ausnahmeregelung erlaubt ist, gibt es nach wie vor Lieferprobleme. Hintergrund ist, dass den Apotheken oft nicht genügend Alkohol – also Isopropanol oder Ethanol – zur Verfügung steht, der zur Produktion benötigt wird. „Die Lage entspannt sich gerade zwar etwas, aber viele Apotheken haben immer noch viele offene Bestellungen“, sagt Franck Eickmann. Gibt es Desinfektionsmittel, geht dieses zuerst an den Gesundheitssektor, also an Arztpraxen, Pflegedienste oder auch an kleinere Kliniken. Daher müssten sich viele Privatkunden noch gedulden. Zudem sei hier mit Preissteigerungen zu rechnen, weil für die Herstellung in den Apotheken laut Eickmann auch zusätzliche Personalkosten anfallen würden.

Welche Medikamente werden gerade besonders nachgefragt?

„Wir haben generell eine hohe Nachfrage nach Medikamenten“, sagt Eickmann. So würden sich Patienten mit chronischen Leiden ihren Bedarf von Ärzten gleich über mehrere Wochen verschreiben lassen, um bei möglichen Lieferengpässen gewappnet zu sein. Sein Rat: „Die Ärzte sollen Patienten mit chronischen Erkrankungen große Packungen verschreiben. Holen sie kleine Mengen, müssen sie viel häufiger in die Apotheken kommen. Dies erhöht das Infektionsrisiko für andere Kunden und auch für die Mitarbeiter.“ Generell würden Patienten ihre Hausapotheken extrem aufrüsten. Vor allem Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen würden sehr häufig gekauft. „Das Horten von Arzneimitteln ist nicht sinnvoll. Apotheken werden die letzten Geschäfte sein, die schließen werden“, erklärt Eickmann.

Was ist in Zeiten des Coronavirus noch stark nachgefragt?

Die Apotheken verkaufen gerade viele Vitaminpräparate und Nahrungsergänzungsmittel, weil die Menschen ihr Immunsystem stärken wollen. „Hier haben wir eine hohe Nachfrage nach Produkten der ganzen Bandbreite“, sagt Eickmann. Viel verkauft würden derzeit auch Fieberthermometer. „Da Fieber ein zentrales Symptom des Coronavirus ist, wollen die Menschen ihre Temperatur offenbar im Blick behalten“, so Eickmann.

Fragen die Menschen noch immer in den Apotheken nach Mundschutz?

Es hat sich laut des Landesapothekerverbands herumgesprochen, dass es aktuell keinen Vorrat an Mundschutz mehr gibt. „Alles geht an Einrichtungen im Gesundheitssektor, daher kann an Privatkunden nichts verkauft werden“, so Eickmann. Deswegen gebe es von Kunden nur noch vereinzelte Anfragen.

Der Ansturm auf Apotheken erhöht auch die Ansteckungsgefahr für die Mitarbeiter. Wie sollen sie geschützt werden?

„Es ist davon auszugehen, dass die Apotheken die Schutzmaßnahmen für ihre Mitarbeiter jetzt erhöhen werden“, sagt Eickmann. Diese Maßnahmen seien vielfältig. So könne ein Spritzschutz aus Acrylglas, der auf der Theke festgeschraubt wird, Mitarbeiter vom Kunden trennen. Andere Apotheken würden durchs Fenster verkaufen oder jeweils nur einen Kunden in den Laden lassen. Große Apotheken haben die Möglichkeit, in Schichten zu arbeiten. Werde ein Mitarbeiter eines Teams infiziert, könne zumindest das zweite Team weiter eingesetzt werden. Oder es gebe die Möglichkeit der Kategorisierung. Das heißt: Es wird unterschieden nach Kunden ohne Symptom, mit Erkältung oder mit Fieber. „Hier kann man in den Apotheken Bereiche farblich kennzeichnen, in denen sich die Kunden aufhalten“, so Eickmann.

Apotheken können jetzt auch an Sonn- und Feiertagen öffnen. Ist das personell möglich?

Hier will Eickmann noch keine generelle Prognose für das Land Baden-Württemberg abgeben. „Es wird Apotheken geben, die das können“, sagt er. Andere hätten die Möglichkeit nicht, weil ihnen das Personal dazu fehle.

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