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Hessentag Neuer Vorstandschef des Autobauers bekennt sich bei der Kabinettssitzung zum Standort Rüsselsheim / Aufwandsentschädigung für Katastrophenhelfer

Auch Hessen hofft auf Opel-Gewinne

Rüsselsheim.Wenn einmal im Jahr Hessentag ist, sind die Staatskanzlei und Ministerbüros in Wiesbaden weitgehend verwaist. Zwei Tage bevor das große Landesfest am Sonntag in Rüsselsheim mit dem traditionellen Festzug zu Ende geht, kam die Regierung gestern in der Mainstadt zu einer Kabinettssitzung zusammen und lud dazu auch gleich den frisch gekürten Opel-Chef Michael Lohscheller ein - zumal die Ministerrunde ja in der Konzernzentrale des Autobauers tagte.

Der bisherige Finanzchef und neue Vorstandsvorsitzende legte dabei nach Angaben seines Sprechers ein Bekenntnis zum Standort Rüsselsheim auch unter dem neuen Eigentümer PSA/Peugeot ab. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Grüne) unterstrichen nach der Kabinettssitzung ihrerseits die Bedeutung Opels als Arbeitgeber in der Region und auch weit darüber hinaus.

Bedeutung als Forschungszentrum

Der Regierungschef strich dabei noch einmal ganz besonders die Bedeutung des Forschungs- und Innovationszentrums in der Rüsselsheimer Opel-Zentrale heraus, dessen langfristige Zukunft von der weiteren Entwicklung unter der neuen Konzernmutter aus Frankreich abhängt.

Und der Grüne Al-Wazir empörte sich auf eine entsprechende Frage keineswegs über die Aussage von PSA-Chef Carlos Tavares, dass die beste Beschäftigungssicherung bei Opel ist, wenn der hessische Autobauer Gewinne machen werde. Das müsse nach 17 Jahren Verlusten tatsächlich das Ziel sein, räumte der Wirtschaftsminister ein. Zumal der bisherige Dachkonzern General Motors nicht mehr zu deren Ausgleich zur Verfügung stehe, könnten nur mit nach einiger Zeit zu erzielenden Gewinnen die notwendigen Zukunftsinvestitionen bezahlt werden, sagte Al-Wazir. Dazu zählt er vor allem, die Verbrennungsmotoren sparsamer und effizienter zu machen, immer mehr auf Elektromobilität umzusteigen sowie die Digitalisierung zu bewältigen.

Lohscheller hat nach dem überraschenden Rücktritt von Karl-Thomas Neumann erst Anfang der Woche die Spitzenposition bei dem deutschen Autoproduzenten übernommen. Immerhin gelang es ihm schon bei der ersten Begegnung mit der Landesregierung, Optimismus zu verbreiten. Bouffier und Al-Wazir hoben hervor, sowohl der Vorstandschef als auch die Beschäftigten hätten das Gefühl vermittelt, dass Opel mit dem neuen Eigentümer aus Frankreich vor einer guten Zukunft stehe. Der Verkauf von Opel Vauxhall mit seinen rund 38 000 Beschäftigten in sieben Ländern, davon die Hälfte in Deutschland, soll in der zweiten Jahreshälfte endgültig über die Bühne gehen.

Ausdrücklich dankte Bouffier Opel auch für dessen Beitrag zum Gelingen des Hessentags in Rüsselsheim, den bislang schon rund 900 000 Menschen besucht hätten. Dass die Millionenmarke übertroffen wird, daran zweifelt niemand mehr. Auch Oberbürgermeister Patrick Burghardt (CDU) und das Hessentagspaar machten dem Kabinett bei der Gastsitzung in Rüsselsheim ihre Aufwartung.

Anerkennung für Ehrenamtliche

Ganz besonders dankbar zeigte sich der Ministerpräsident, dass das Sicherheitskonzept für den Hessentag aufgegangen und bisher alles friedlich geblieben sei. Daran hätten natürlich auch wieder die zahllosen freiwilligen Helfer ihren Anteil. Und für die hat die Landesregierung bei der Gelegenheit auch gleich ein besonderes Bonbon mitgebracht. Alle ehrenamtlichen Katastrophenschutzhelfer in Hessen sollen in Zukunft mit einer Anerkennungsprämie bedacht werden.

Gleich ob bei der freiwilligen Feuerwehr oder einer der Hilfsorganisationen wie Rotes Kreuz, Malteser oder Johanniter - Voraussetzung ist nur, dass sie bereits zehn Jahre im Einsatz sind. Dann erhalten sie die beschlossene Einmalprämie von mindestens 100 und höchstens 1000 Euro, je nachdem, wie lange sie schon im Einsatz sind.

Bouffier betonte, die Landesregierung wolle damit den unschätzbaren Beitrag der rund 135 000 freiwilligen Katastrophenhelfer in Hessen etwa bei Überschwemmungen, Großveranstaltungen, im Verkehr und bei der Prävention würdigen. Insgesamt sind für die Anerkennungsprämien eine halbe Million Euro veranschlagt.