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Technik Jede zweite S-Bahn im Rhein-Main-Gebiet mit kostenlosem Internet ausgestattet / Datenmenge vorerst unbegrenzt

Auf den Schienen im Netz

Archivartikel

Frankfurt.Die beiden Techniker auf dem Dach des S-Bahn-Zugs haben Bohrer und Außenantennen schon bereitliegen. Zeit ist ein Faktor in der Frankfurter S-Bahn-Werkstatt, wenn es darum geht, die Wagen auf WLAN, also drahtlosem Internet, umzurüsten. Im Winter spielen aber auch die Temperaturen eine Rolle. „Der Wagen kommt schon nachts rein, denn am Morgen muss das Material eine Temperatur von zwölf Grad haben“, sagt Torsten Karsten, der für den WLAN-Einbau zuständige Projektleiter der Deutschen Bahn in Frankfurt.

Diese Mindesttemperatur benötigt nämlich der Klebstoff, mit dem die Antennen befestigt werden, um in sechs Stunden so auszuhärten, dass die Außenantennen stabil befestigt sind – eine der Voraussetzungen für stabilen Internetempfang im Inneren.

Im vergangenen Juli hatten die Bahn und der Rhein-Main Verkehrsverbund (RMV) mit dem Umbau der S-Bahn-Flotte begonnen, die in großen Teilen Hessens sowie Teilen von Rheinland-Pfalz unterwegs ist. „WLAN ist heute eine Selbstverständlichkeit“, betont Knut Ringat, Geschäftsführer von der RMV. „Gerade aber außerhalb Frankfurts gibt es noch viele weiße Flecken auf der Landkarte, was schnelles Internet angeht.“

Umrüstung dauert zwei Tage

Fünf Millionen Euro investiert der RMV in den rollenden Internetempfang und mittlerweile ist gut die Hälfte der 191 S-Bahn-Fahrzeuge mit der digitalen Technik ausgerüstet. „Die Linien S2 bis S6 haben alle schon WLAN“, sagt Karsten. „Jetzt sind die S1 und die S8 bis S9 an der Reihe.“ Dann können etwa auch Fahrgäste auf der Fahrt zum Flughafen von unterwegs noch schnell online einchecken. Und auch die Fahrgäste nach Mainz, Wiesbaden und Hanau dürfen sich über den zusätzlichen Service freuen.

Zwei Tage dauert es üblicherweise, um einen S-Bahn-Zug mit der neuen Technik auszurüsten. Dabei werden nicht nur die Außenantennen eingebaut. Drei Innenantennen, drei Modems, etwa 260 Meter Internetkabel werden unter anderem unter der Deckenverkleidung verlegt. Einer der sogenannten Access Points befindet sich hinter einem der Deckenteile, auf dem die Fahrgäste üblicherweise den Streckenplan des S-Bahn-Netzes sehen. „Unter dem Liniennetz geht es ins Datennetz“, lächelt eine RMV-Sprecherin.

Im vordersten Wagen ist der Rechner untergebracht – das bedeutet aber nicht, dass dort am schnellsten im Internet gesurft werden kann. „Es ist alles so ausgelotet, dass überall der gleiche Empfang ist“, versichert Projektleiter Karsten. „Das müssen wir auch nachweisen.“

Mehrere Anbieter

Die Zahl der Internetnutzer steigt ständig, werden doch durchschnittlich vier neue Wagen pro Woche umgerüstet und tragen das WLAN-Symbol auf der Außenwand. „Im Januar ist das kostenlose WLAN bereits zwei Millionen Mal von Fahrgästen genutzt worden“, sagt Christian Roth, Leiter der S-Bahn Rhein-Main.

Wie intensiv die Fahrgäste im Internet surfen, sei noch nicht bekannt, sagt RMV-Manager Michael Trommer. „Bis Januar waren es um die 33 Terrabyte, die wir verbraucht haben – das spricht für eine sehr gute Akzeptanz. Genauer kann man es sagen, wenn wir erst mal mit dem Ausbau fertig sind und dann auch über längere Zeit Daten haben.“

Eine Begrenzung der Datenmengen gibt es nach Angaben einer Bahnsprecherin derzeit nicht: „Wir müssen sehen, wie sich das entwickelt und ob es später Sinn macht, die Daten zu begrenzen, damit für alle genug WLAN da ist.“

Bahn und RMV arbeiten mit mehreren Internet-Anbietern zusammen. „Dadurch gibt es ein breiteres Spektrum und besseren Empfang“, betont Julia Katzenbach-Trosch, Sprecherin der S-Bahn Rhein-Main. Über die Außenantennen werden nämlich die Signale der verschiedenen Anbieter gebündelt und über die Innenantennen in der S-Bahn den Fahrgästen zur Verfügung gestellt. Auch in Bereichen, in denen womöglich das Mobilfunksignal auf dem Handy oder Tablet schwächele, funktioniere auf diese Weise wahrscheinlich das WLAN. Allerdings könne außerhalb der Ballungszentren dennoch die Verbindung manchmal nicht so gut sein.

Bis spätestens Ende des Jahres soll das kostenlose Surfen im Internet in allen S-Bahnen des RMV möglich sein, wie RMV und Bahn versichern – auch, wenn in der Werkstatt aktuelle Reparaturarbeiten immer Vorrang haben vor der Umrüstung auf WLAN-Empfang.